Rentner vor Zug gestossen: Zürcher Polizei verhaftet 31-Jährigen

Von Ruedi Baumann. Aktualisiert am 23.03.2016

Der Mann, der einen Rentner vor die S-Bahn gestossen hat, ist psychisch gestört. Der Fall weckt Erinnerungen an die Attacke gegen Beat Schlatter.

1/5 Hier wurde ein 85-jähriger Mann vor einen Zug geschubst: Bahnhof in Affoltern am Albis.
Bild: Leserreporter «20 Minuten»

   

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Der geständige Täter ist ein 31-jähriger Türke aus dem Bezirk Affoltern; er lebt schon lange in der Schweiz. Der Mann war der Polizei bekannt wegen mehrfacher Auffälligkeiten. Deshalb war auch sein DNA-Profil in der Datenbank erfasst. Dies und die extrem gute Beobachtungsgabe eines Zeugen führten die Polizei gestern Morgen auf die Spur des S-Bahn-Schubsers von Affoltern am Albis. Fahnder der Kantonspolizei konnten ihn am Mittwochvormittag im Bezirk Horgen verhaften – auf offener Strasse und weder an seinem Wohnort noch am Tatort auf dem Bahnhof Affoltern am Albis.

Die Tat am frühen Montagnachmittag auf dem Bahnhofplatz beim Gleis 1 war extrem brutal – unverständlich und unfassbar. Der Täter stiess einen 85-jähriger Rentner in die einfahrende S 5, die Richtung Zug unterwegs war. Der Rentner prallte seitlich an die S-Bahn, geriet unter den Zug und konnte schwer verletzt geborgen werden. Der Mann wurde gestern nochmals operiert und ist laut Kantonspolizei in stabilem, aber unverändert ernstem Zustand.

Verschiedene Passanten und Bahnpassagiere hatten die Tat beobachtet. Laut Beat Jost, Sprecher der Kantonspolizei, waren die Angaben über das Signalement und die Kleidung des Täters sehr widersprüchlich. Deshalb verzichtete die Polizei auf eine Täterfahndung mit Signalement. Das Forensische Institut Zürich wertete Spuren auf den Kleidern des Opfers und auf dem Perron aus. Auch die Videokameras im einfahrenden Zug sowie die Videoaufzeichnungen von anderen S-Bahnen, die im Zeitraum der Tat im Bahnhof einfuhren, wurden ausgewertet.

Einer von vielen Zeugen war dann schliesslich ein Glücksfall. Er hat laut Sprecher Beat Jost ein ungewöhnlich präzises, geradezu fotografisches Gedächtnis und konnte den entscheidenden Hinweis auf den Täter liefern. Problematisch an Zeugenaussagen ist jeweils, dass die Behörden erst im Nachhinein wissen, welche Aussagen wirklich genau waren. Der Zeuge mit dem Foto-Gedächtnis und eine DNA-Spur führten schliesslich zum Treffer.

Psychisch schwer angeschlagen

Der verhaftete 31-Jährige sei «psychisch schwer angeschlagen», sagte Jost. Bei der ersten Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft sei der Mann «grundsätzlich geständig» gewesen. Ob der Täter in psychiatrischer Behandlung war, entzieht sich der Kenntnis der Polizei.

Der Fall Affoltern erinnert an den Fall von Komiker Beat Schlatter. Vorgestern Dienstag stand ein 42-jähriger Mann vor Bezirksgericht Meilen. Dieser hatte vor einem Jahr den ihm unbekannten Schauspieler auf dem Busbahnhof Meilen unvermittelt angegriffen und schwer verletzt. Der Mann hatte vor Gericht erklärt, wegen Wahnvorstellungen habe er die Realität nicht richtig einschätzen können. Er habe gedacht, bei Schlatter handle es sich um einen «bösen Mann». Deshalb habe er ihn angegriffen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.03.2016, 17:42 Uhr