Die Zugfahrt ins Unglück

Aktualisiert am 23.07.2010

Gestern Mittag entgleiste eine Glacier-Express-Komposition. Eine Person kam ums Leben, 42 wurden zum Teil schwer verletzt.

Von Mathias Gsponer, Fiesch

Es ist das folgenschwerste Zugunglück seit Jahren. Gestern sprangen drei Wagen des Glacier Express zwischen Lax und Fiesch aus den Gleisen. Der Zug war von Brig Richtung Fiesch unterwegs. Am schwersten traf es eine japanische Reisegruppe.

Der Unfall geschah gegen Mittag. Wieso der Zug unmittelbar vor der Einfahrt in den Bahnhof Fiesch Feriendorf entgleiste, ist noch unklar. Die vordersten drei Wagen und die Lokomotive passierten die Unglücksstelle unbeschadet und kamen nach dem Viadukt zum Stehen. Die hinteren drei Wagen aber entgleisten. Nach Angaben von Hans Rudolf Mooser, Direktor der Matterhorn-Gotthard-Bahn, befanden sich rund 200 Passagiere im Glacier Express. Über 40 Personen – viele davon Japaner – mussten in die Krankenhäuser nach Lausanne und Genf gebracht werden. Ein Passagier erlitt tödliche Verletzungen.

Der Einsatzleiter der Sanität, Matthias Volken, zog an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz in Fiesch ein erschütterndes Fazit: «Von den 42 in verschiedene Spitäler überführten Personen erlitten 10 bis 12 Passagiere schwere bis schwerste Verletzungen. 10 Reisende wurden mittelschwer verletzt, und bei rund 18 bis 20 Personen diagnostizierten die Ärzte leichtere Verletzungen.»

Glück im Unglück?

Die Unfallstelle befindet sich wenige Meter vor einem kleinen Viadukt. Bei den entgleisten Wagen handelte es sich um zwei 1.-Klasse- sowie einen Servicewagen. Der erste der drei Unglückswagen neigte sich rund 45 Grad zur Seite und wurde durch einen Fahrleitungsmast am vollständigen Kippen gehindert. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte der Mast nachgegeben. Der Wagen wäre wohl in die Tiefe gestürzt und hätte die letzten zwei Wagen mit sich in die Tiefe gerissen. Am ersten Unglückswagen entstanden vergleichsweise geringe Schäden. Schwerer in Mitleidenschaft gezogen wurden aber die nachfolgenden zwei Wagen. Der zweitletzte kippte vollständig auf die Seite, und der letzte drehte sich aufs Dach. In diesem Wagen hielten sich mehrheitlich japanische Touristen auf. Die Identität des Todesopfers ist noch nicht bekannt.

Strecke unterbrochen

Schäden entstanden nicht nur am Zug. Auch die Fahrleitung und die Geleise wurden in Mitleidenschaft gezogen. Die Bahnstrecke zwischen Fiesch und Lax bleibt bis auf weiteres unterbrochen. In einer ersten Phase wurden die gekippten Züge gesichert, damit sie nicht abstürzen konnten. Danach wurden die verletzten Passagiere geborgen. Sämtliche Rettungskräfte des Oberwallis standen im Einsatz, rund 80 Personen. Sie wurden von der Rega und einem Helikopter der Air Glacier unterstützt. Die Retter operierten von der tiefergelegenen Kantonsstrasse aus. Diese war deshalb bis gegen 16 Uhr gesperrt. Die Bergung des Unglückszuges wird Zeit in Anspruch nehmen. Vorerst fahren auf der Strecke Ersatzbusse.

80 Retter standen im Einsatz. Fotos: Jean-Christoph Bott (Keystone)

Hätte ein Mast den Wagen nicht gehalten, wäre dieser weiter gestürzt.

Schwer betroffen sind japanische Touristen.

Erstellt: 23.07.2010, 23:10 Uhr