Erlenbach ehrt seinen Curlinghelden

Von Dennis Bühler. Aktualisiert am 06.03.2010

Simon Strübin, Bronzemedaillengewinner der Olympischen Spiele, ist gestern vom Gemeinderat seiner Wohngemeinde empfangen und beschenkt worden.

Medaillengewinner Simon Strübin mit Tochter Alisha.

Medaillengewinner Simon Strübin mit Tochter Alisha. (Bild: Silvia Luckner )

Olympische Winterspiele Vancouver 2010

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Der letzte Stein im zehnten End des Bronzespiels verlässt die Hände des erfahrenen Curlers Ralph Stöckli, und Simon Strübin beginnt wie wild zu wischen. Weit weg von Vancouver sitzt derweil der Erlenbacher Gemeindepräsident Ferdy Arnold vor dem Fernseher. Für den entscheidenden Stein hat er den Ton abgestellt und auf den Teletext gewechselt – der Sportfan hält die Anspannung kaum aus. Zu diesem Zeitpunkt weiss er noch gar nicht, dass mit Strübin ein Einwohner seiner Gemeinde gerade eine olympische Medaille gewinnt.

Gestern Freitag, sechs Tage nach seinem Triumph, wird Strübin im Foyer des Gemeindehauses in Erlenbach empfangen. Neben Arnold bilden die Gemeinderäte Walo Deuber, Jens Menzi und Max Wullschleger das Empfangskomitee. Auch Hans-Rudolf Strässler, Präsident des Curlingclubs Küsnacht, macht dem Sportler seine Aufwartung. Gemeindeschreiber Hans Wyler hat eine Schwedentorte in Form eines Curlingsteins organisiert – schliesslich hatte die Schweiz die Bronzemedaille im Duell mit den Skandinaviern errungen.

Nächstes Highlight steht bevor

In seiner Laudatio sagt der Gemeindepräsident, Strübin und ihn verbinde, dass sie sich hie und da aufs Glatteis begeben müssten. Arnold ist in seinem Element, sein Stolz, den einzigen Medaillengewinner der Goldküste zu beheimaten, ist spürbar. Als Anerkennung der Gemeinde erhält der 30-jährige Sportler einen Check über 5000 Franken. «Als Curler bleibt man auch im Erfolgsfall Randsportler, man verdient nicht wie Roger Federer», sagt er.

Der Empfang und das Geschenk freuen Strübin sichtlich. Als Dankeschön überreicht er der Erlenbacher Verwaltung sein im Bronzespiel getragenes, nun signiertes Spielerleibchen. «Dieses wird im Gemeindehaus einen Ehrenplatz erhalten», verspricht Wyler. Bei der Ehrung mit dabei sind Strübins Frau Mirjam sowie Tochter Alisha. Am Tag vor dem Bronzespiel hat sie ihren zweiten Geburtstag gefeiert. Im Gemeindehaus zieht sie sich rasch zum Mittagsschlaf zurück. Mitte April wird Alisha ein Geschwisterchen erhalten. «Nach dem sportlichen Höhenflug freue ich mich auf das nächste unübertreffbare Highlight», sagt Strübin.

Vor zwei Jahren ist der in Gockhausen aufgewachsene Strübin in die Heimat seiner Frau gezogen. Im Erlenbacher Tobel macht er Ausdauertraining, in der Dorfkirche hat er geheiratet, im Erlengut die Hochzeit gefeiert. Seit Jahren verpasst er keine Chilbi. Sofort entspricht er der Bitte der Gemeindeexekutive, am nächsten Neuzuzügerapéro vom 26. Juni teilzunehmen. Dort werden auch die Einwohner Erlenbachs ihren Olympioniken feiern können.

Eisstockhochburg Erlenbach

Die Bronzemedaille aus Vancouver hat Strübin in der vergangenen Woche nicht aus den Augen gelassen. Natürlich hätte er dereinst gerne eine Goldene dazu. Noch ist aber nicht entschieden, ob die in Vancouver erfolgreiche Mannschaft zusammenbleibt. Ebenso wenig weiss Strübin zum jetzigen Zeitpunkt, ob er die Strapazen des Spitzensports weiterhin auf sich nehmen will. Als Curler muss der kaufmännische Angestellte nebenher Vollzeit arbeiten.

Vor Jahrzehnten hat sich einst auch Ferdy Arnold im Curling versucht. «Die Steine waren mir aber viel zu schwer», sagt er. Aus diesem Grund konzentriert er seine sportlichen Aktivitäten seither lieber auf das jährliche Eisstockschiessen gegen Exekutiven und Vereinskartelle der umliegenden Gemeinden. Mit seinen Ratskollegen hat er im Januar den zweiten Rang hinter dem Gemeinderat Zumikon erreicht. Im Jahr zuvor hatte Erlenbach souverän gesiegt. «Wir sind halt einfach eine sportliche Gemeinde», sagt Arnold mit einem verschmitzten Lachen.

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.03.2010, 04:00 Uhr

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