«Dass Ringier so weit geht, ist schändlich»
Interview: David Vonplon. Aktualisiert am 19.08.2009 84 Kommentare
«Man kann Ringier nur mit Zwang dazu bringen, Fehler zuzugeben»: Radio-1-Chef Roger Schawinski.
Zufall oder nicht? Schawinski findet, Ringier stelle ihn mit dieser Fotomonatage in einem Werbemailing für Radio Energy als raffgierigen Juden dar.
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Ringier Schweiz-Chef kosterniert
Radio-1-Chef Roger Schawinski will gegen Ringier Klage wegen Verstössen gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb einreichen. Dies berichtete gestern die «SonntagsZeitung». Stein des Anstosses ist eine achtseitige Präsentation, die Energy Zürich Werbekunden versandte. Schawinski wirft dem zum Ringier-Konzern gehörenden Konkurrenzsender vor, darin mit falschen Zahlen zu operieren. Zudem stelle ihn Energy Zürich in einer Fotomontage als geldraffenden Juden dar.
Ringier Schweiz Chef Marc Walder zeigt sich auf Anfrage von baz.ch/Newsnet konsterniert über das Vorgehen von Roger Schawinski. Man habe vereinbart, dass man am Montag zusammen telefoniere. Als erstes habe er dann von Schawinskis Rundumschlag in der Fachpresse gelesen.
Energy-Zürich-Chef Dani Büchi bezeichnet die Vorwürfe Schawinskis als «aus der Luft gegriffen»: Radio 1 störe sich an einer Präsentation, in der man Radio 1, Energy Zürich und die anderen Sender miteinander vergleiche. «Inhaltlich gibt es daran nichts auszusetzen und mit dem ganzen Tumult will man nun von diesen Tatsachen ablenken.» Das, so Büchi, bedauere er.
Den Interpretation, dass die besagte Illustration Schawinski als raffgierigen Juden zeige, sei «an den Haaren herbeigezogen»: «An der Fotomontage ist nichts Antisemitisches.» Wer den Konzern Ringier kenne, wisse, dass dieser gerade gegenüber diesem Thema eine äusserst sensible Haltung habe.
Der Streit findet vor dem Hintergrund der umstrittenen Vergabe der Radiokonzessionen für das Sendegebiet Zürich statt. Dabei ging Energy Zürich leer aus, Radio 1 dagegen soll künftig ein grösseres Sendegebiet erhalten. Gegen diesen Entscheid ist ein Rekurs von Ringier hängig. Ringier-Schweiz-Chef Walder sieht laut «SonntagsZeitung» keinen Anlass, sich für die Präsentation zu entschuldigen. Einer allfälligen Klage Schawinskis sehe er gelassen entgegen, so Walder.
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Herr Schawinski, laut «SonntagsZeitung» sind Sie dabei, Klage gegen Ringier einzureichen - der Streit um die angeblich Sie verunglimpfende Werbebroschüre von Energy Zürich scheint zu eskalieren. Wollen Sie tatsächlich vor die Richter gehen?
Ja. Ich hatte gehofft, dass Ringier gewillt ist, den Schaden zu beheben und sich entschuldigt. Nun haben sich zwei führende Ringier-Leute öffentlich geäussert, dass das Unternehmen dazu nicht bereit ist, und deshalb werde ich eben klagen. Offenbar kann man Ringier nur mit Zwang dazu bringen, Fehler einzugestehen und zu korrigieren. Das haben andere vor mir ebenso erlebt.
Auch Sie teilen gerne und oft aus. Weshalb gehen Sie nun bis zum Äussersten und schlagen den Rechtsweg ein?
Ihre Frage verwundert mich. Ringier handelt klar gesetzeswidrig. Wenn Sie mir nun vorwerfen, dass ich ein kritischer Journalist und Medienunternehmer bin, der seit mehr als dreissig Jahre für seine Sache einsteht, dann überrascht mich das. Damit unterstellen Sie mir doch, dass ich selber an diesen unsäglichen Angriffen schuld bin und mich deshalb nicht beklagen soll.
Nein. Aber Ihre Klage könnte auf eine gewisse Nervosität hindeuten im Hickhack um die künftige Radiokonzession im Raum Zürich.
Nervös ist man offenbar bei Ringier - sogar in Panik, wie mir scheint. Ich sehe diesmal leider keinen anderen Weg, nachdem meine zweiwöchigen Bemühungen mit Ringier-Spitzenleuten kein Ergebnis gebracht haben. In den dreissig Jahren meiner Karriere bin ich noch nie vor Gericht gegen einen Konkurrenten vorgegangen, das ist also eine Premiere. So stehen die Dinge, leider.
Was bringt Sie denn derart auf die Palme?
Ringier diskreditiert unser Radio bewusst mit falschen Aussagen und fordert unsere Werbekunden mit unzulässigen Preisvergleichen dazu auf, Radio 1 nicht mehr zu buchen. Dies sind eindeutige Verstösse gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb UWG. Ich habe bei einer Durchsicht der Energy-Werbeschrift mindestens zehn solcher Verstösse gezählt. Ausserdem wurde meine Person auf perfide Weise mit Fotomontagen der Lächerlichkeit preisgegeben. Dass das Ganze noch vor dem Hintergrund einer heiklen politischen Situation stattfindet – wir warten auf den Rekursentscheid des Bundesverwaltungsgerichts -, zeigt die verwerfliche Haltung des Medienhauses.
Die Fotomontage Ringiers auf dem Werbemailing ist zweifellos geschmacklos. Doch wie kommen Sie darauf, dass diese antisemitisch ist?
Das ist nicht meine Interpretation. Ich schliesse das vielmehr aus den Reaktionen meines direkten Umfelds, aus dem Feedback von Kunden, sogar von Konkurrenten, die über die Fotomontage entsetzt sind. Jeder Betrachter kann sich eine eigene Meinung darüber bilden, ob hier nicht gezielt jahrhundertealte antisemitische Klischees verwendet wurden, um sich wirtschaftliche Vorteile zu sichern. Jedenfalls kenne ich keinen anderen Fall, in dem ein Unternehmer in solcher Form dargestellt wurde. Und es ist auch nicht das erste Mal, dass Ringier auf dieser Schiene gegen mich vorgeht.
Wie das?
Bereits im August 2001 veröffentlichte der «Blick» eine Karikatur, in der ich nach dem Verkauf meiner Firma als geldgieriger Jude dargestellt werde, der seine Mitarbeiter mit Almosen abspeist. Dabei habe ich rund 4,5 Millionen freiwillig an die Mitarbeiter verteilt. Wer sonst hat dies in der Schweiz noch gemacht? Herr Ringier sicher nicht. Und da frage ich mich, ob es nur Zufall ist, dass ein und derselbe Verlag zweimal auf diese Weise ausgerechnet gegen diesen einen Unternehmer schiesst. Beim ersten Mal habe ich mich nach Gesprächen mit Michael und Ellen Ringier ruhig stellen lassen. Aber diesmal ist der Fall noch verwerflicher, da man uns damit klar wirtschaftlich schaden will. Deshalb habe ich reagiert. Im Übrigen habe ich bei Radio 1 bisher gegen zehn Millionen Franken investiert, von Gewinnen ist in der heutigen Medienkrise keine Rede.
Gab es auch andere Fälle, in denen Sie sich hierzulande antisemitisch behandelt fühlten?
Nein. Gerade deshalb ist diese Diskussion für mich besonders belastend. Das Thema Antisemitismus hat mich noch nie beschäftigt. Wenn ich jeweils in einer Auseinandersetzung stand, habe ich immer versucht, das Problem allein mit sachlichen Argumenten zu lösen; ich habe nicht nach möglichen weiteren Motiven geforscht. Diese Einstellung war für mich lebenswichtig, denn alles andere hätte mich paralysiert. Hier aber ist ein Punkt erreicht, den ich nicht übersehen kann - nicht übersehen will. Dass gerade das Haus Ringier, das sich gerne hoher ethischer Standards rühmt, so weit geht, ist für mich besonders schändlich.
Waren Sie in Deutschland, in der Zeit als Sat.1-Chef, mit Antisemitismus konfrontiert?
Ich war fünf Jahre in Deutschland und weiss, wie stark man dort in dieser Frage sensibilisiert ist. Dort wäre ein solches Vorgehen durch einen renommierten Verleger absolut undenkbar. Ringier, das in Deutschland mit dem Intellektuellenblatt «Cicero» verlegerisch tätig ist, hat in der vom Krieg weitgehend unbelasteten Schweiz offenbar aber ganz andere Standards, wenn man sich davon direkte Vorteile erhofft.
Es gab Gerüchte, dass Ringier Radio 1 kaufen wollte, diese Verhandlungen aber scheiterten. Geschieht der Rechtsstreit auch vor diesem Hintergrund?
Nein. Das waren nur üble Nachreden, die ganz gezielt von Ringier gestreut wurden, um Radio 1 als nicht gefestigte Radiostation darzustellen. Die Ringier-Führung selbst hat erst dann so richtig zur Kenntnis genommen, dass Ringier ein eigenes Radio besitzt, als es durch den negativen Konzessionsentscheid verloren ging. Von da an wurde Radio Energy zur absoluten Priorität erklärt und Kampagnen ohne Ende lanciert. Man will mit allen Mitteln einen grossen Abschreiber verhindern, wie man mir erklärt hat. Offenbar ist man dabei bereit, jede Grenze zu überschreiten. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.08.2009, 09:40 Uhr
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84 Kommentare
Als pensionierter Bundesbeamter bin ich nicht ein Freund von Herrn Schawinski. Aber ich schaetze seine Dienste fuer eine Radio freie Schweiz. Was hier der Ringier Verlag gegen Schawinski unternimmt ist eine Schweinerei. Blick,SonntagsBlick und Bundesrat Deiss, haben unseren besten Mann in Deutschland mit einer Sex Luege kaputt gemacht. SchweizerInnen erwachet, Blick/Ringier braucht Umsatz. Antworten
Îch finde Herr Schawinski hat absolut recht mit seinen Ausasagen. Alle die Ihm dünnhäutigkeit vorwerfen oder sogar meinen er würde die Rassismus Keule schwingen sage ich ur, wenn es keinen Antisemitismus gäbe, dann bräcugte man auch nicht solche Massnahmen . Es ist schon sehr bedauerlich dass solche 30er Jahre Klischeebilder gebraucht werden um Herrn Schawinski zu diskreditieren. Antworten
