Endlich fahren die Zürcher mit der Zeit

Ein Kommentar von Pia Wertheimer. Aktualisiert am 17.06.2012 172 Kommentare

Das Ja zur neuen Verkehrsabgabe ist historisch. Nach 40 Jahren und sieben Anläufen haben die Zürcher endlich ein Zeichen gesetzt.

Pia Wertheimer ist seit September 2011 als Redaktorin im Ressort Zürich bei Tagesanzeiger.ch tätig. Zuvor stand sie fünf Jahre lang für die Printausgabe des «Tages-Anzeigers» im Einsatz.

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Was die Zürcher heute entschieden haben, ist so revolutionär wie das, was 1973 passiert ist: Obwohl die Ölkrise die Autofahrer teuer zu stehen kam, wurde die Zürcher Autosteuer um 25 Prozent erhöht. Während die Autos dieses Jahres längst als Oldtimer gehandelt werden, widerstand das Gesetz dem Lauf der Zeit. Seit damals wurde an den Verkehrsabgaben nicht mehr gerüttelt.

Obschon sich die Fahrzeuge und vor allen Dingen das Umweltbewusstsein der Zürcher inzwischen drastisch verändert haben, gilt seit 40 Jahren dieselbe Vorschrift. Sie war bisher resistent gegen ökologische Veränderungen. Siebenmal wollte der Regierungsrat die Autosteuer um 10 bis 30 Prozent erhöhen. Vergebens: Fünfmal erteilte ihm das Volk eine Abfuhr, bei zwei Revisionen war für die Vorlage bereits im Kantonsparlament Schluss.

Bei der jüngsten Vorlage beschritt die Zürcher Regierung einen anderen Weg: Statt einer pauschalen Erhöhung schlug er eine Umverteilung vor, dadurch fliesst nicht mehr Geld in die Kantonskasse, obwohl viele Zürcher Autofahrer mehr zahlen werden. Der moderne Vorschlag hat Erfolg: 58,3 Prozent der Stimmberechtigten gaben der Änderung des Verkehrsabgabengesetzes ihren Segen. Damit gehen sie endlich mit der Zeit. Neuerdings fliesst nicht nur der Hubraum eines Wagens, sondern auch dessen Gesamtgewicht in die Steuerrechnung ein. Künftig trägt also, wer sich einen grossen und schweren Wagen leisten will, auch die Konsequenzen. Er muss tiefer in die Tasche greifen. Schliesslich kann es nicht angehen, dass die Kleinwagenfahrer den Strassenverschleiss der schweren Autos und damit fremden Luxus berappen müssen.

Viel wichtiger aber ist, dass das Zürcher Stimmvolk mit dem Ja Weit- und Einsicht zeigt. 1990 hat das Stimmvolk Fahrräder, Solar- und Elektromobile von der Steuer befreit. Es war höchste Zeit, diesen ökologisch richtigen Weg weiterzugehen und jene Wagenhalter zu belohnen, die beim Autokauf nicht nur an ihre eigenen Bedürfnisse, sondern auch an die Umwelt denken. Obschon die Vorlage den Linken diesbezüglich nicht rigoros genug war, dürfte es genau diese Art von Konsens sein, welche das Stimmvolk zu einer deutlichen Annahme bewog. Und weil die Experten den Zürcher Strassen einen steigenden Fahrzeugbestand prognostizieren, ist es höchste Zeit das Verbraucherprinzip anzuwenden.

Erstellt: 17.06.2012, 21:03 Uhr

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172 Kommentare

Rico Barandun

17.06.2012, 21:11 Uhr
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Umweltschutz? Dann verkaufen wir jetzt unseren Siebenplätzer und anstatt in einer Fahrt mit Car-Pooling mit allen Nachbarskindern geht es halt in Zukunft mit 2 Autos ins Training.
Das hat nichts mit Verbraucherprinzip zu tun und gar nichts mit Umweltschutz. Unser fast 8-jähriges Auto zu ersetzen kostet viel mehr graue Energie als wir mit den 1-2 Liter pro Hundert Kilometer einsparen können.
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Guido Singenberger

17.06.2012, 22:03 Uhr
Melden 76 Empfehlung 0

30 Km/h und 25% Steuererhöhung.! Merkt man noch nicht, dass Grüne und Linke unsere Stadt Zürich entvölkern will. Am Schluss habt ihr nur noch Sozialfälle, weniger Arbeitgeber und Häuser die niemand mehr zu unterhalten bereit ist. Antworten