Fall Hagenbuch: Kanton Zürich bezahlt die Hälfte der Kosten

Aktualisiert am 21.09.2014 31 Kommentare

Der Kanton muss künftig die Gemeinden bei Heimplatzierungen unterstützen. Davon profitiert auch die Gemeinde Hagenbuch ZH. Trotzdem wird dort über einen politischen Vorstoss nachgedacht.

Müssen Kinder und Jugendlich in einem Heim platziert werden, übernimmt der Kanton Zürich künftig wieder die Kosten: Das Schulhaus Milchbuck in Zürich. (Archivbild: Keystone)

Müssen Kinder und Jugendlich in einem Heim platziert werden, übernimmt der Kanton Zürich künftig wieder die Kosten: Das Schulhaus Milchbuck in Zürich. (Archivbild: Keystone)

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Der Kanton Zürich wird am Montag die Gemeinden informieren, dass er wieder Kosten für Heimplatzierungen von Kindern und Jugendlichen innerhalb des Kantons übernimmt. Wie Sozialamtsvorsteher Ruedi Hofstetter gegenüber der «NZZ am Sonntag» bestätigt, werden die Zahlungen wieder getätigt, die Anfang 2013 gestoppt wurden. Damit reagiere man auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts.

Hofstetter rechnet mit jährlichen Mehrausgaben im einstelligen Millionenbereich. Von der neuen Regelung profitiert auch die Gemeinde Hagenbuch ZH, die kürzlich wegen einer eritreischen Flüchtlingsfamilie in die Schlagzeilen geraten ist. Vier der sieben Kinder wurden in Heimen platziert. Nach seinem Entscheid übernimmt der Kanton nun die Platzierung des ältesten Kindes, ebenso wie Sozialhilfe und Familienbegleitung, wie Hofstetter in der «NZZ am Sonntag» bestätigt. Das entspricht etwa der Hälfte der Gesamtkosten von schätzungsweise 600'000 Franken pro Jahr. Bei der Gemeinde verbleiben Schulheimkosten für drei Kinder.

Gemeindepräsidentin will Initiative starten

Trotzdem wollen sich die Gemeinden gegen die hohe Belastung durch Sozialgelder offenbar wehren. «Wir müssen den Sozial-Irrsinn stoppen», sagt Therese Schläpfer, Gemeindepräsidentin von Hagenbuch, gegenüber dem «SonntagsBlick». Sie will sich mit anderen Gemeinden zusammentun und eine Initiative starten – gegen horrende Sozialkosten und mangelnde Transparenz. Mit einem Anwalt will sie ein Bundesgerichtsurteil anfechten, das den Gemeinden eben kein Mitspracherecht einräumt.

Zudem will Schläpfer mit anderen Gemeinden beim Regierungsrat vorstellig werden. «Das System funktioniert offensichtlich nicht», sagt sie. «Es braucht eine politische Lösung.» Unterstützung bekommt die Hagenbucher Gemeindepräsidentin vom Verband der Zürcher Gemeindepräsidenten. «Das Thema brennt. Da muss dringend etwas passieren», sagt Vizepräsident Martin Farner (FDP) gemäss dem Bericht.

Behörden geben Fehler zu

Nach dem Fall Hagenbuch stehen die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) in der Kritik. Jetzt geben sie Fehler zu. «Es gibt die KESB erst seit gut eineinhalb Jahren», sagt Ruedi Winet, Präsident der KESB im Kanton Zürich, im «SonntagsBlick». «Wir sind noch in der Aufbauphase. Deshalb besteht noch ein grosser Klärungsbedarf in der Zusammenarbeit mit Dritten.»

Jetzt wollten die KESB handeln. «Wir erarbeiten kantonale Standards dafür, wann die Zusammenarbeit mit Dritten sinnvoll ist», sagt Winet. Er verstehe die Gemeinde Hagenbuch und den Ärger ihrer Bürger. «Für uns als KESB steht aber das Wohl der Kinder im Vordergrund, nicht das finanzielle Interesse der Gemeinde.» (thu)

Erstellt: 21.09.2014, 10:31 Uhr

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31 Kommentare

Kühne Vera

21.09.2014, 11:56 Uhr
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Schön für Hagenbuch und andere betroffene Gemeinden, aber schlecht für den Steuerzahler. Mit dieser Massnahme werden die Kosten insgesamt nicht tiefer, sondern einfach anders verteilt. Damit nimmt der Druck ab, rasch Lösungen für dieses drängende Problem zu finden. Es kann und darf nicht sein, dass eine einzige Familie pro Jahr mehrere 100000 Franken kostet. Antworten


Chantalle Dupres

21.09.2014, 12:20 Uhr
Melden 127 Empfehlung 4

Sozialhilfe ist Nothilfe. Diese darf nur an Schweizer und weiter an solche ausgerichtet werden, die mindestens seit 10 Jahren in der Schweiz niedergelassen sind und mindestens 10 Jahre hier gearbeitet haben und in die Sozialversicherung eingezahlt haben. Es geht nicht an, dass sogenannte Flüchtlinge aus Dritt(welt)staaten das Dublin-Abkommen unterlaufen und sich in unserem Sozialsystem häuslich einrichten. Es geht nicht an, dass linke Politiker gesetzliche Grundlagen schaffen, dass solche Dritt(welt)staaten-Flüchtlinge ab dem Datum ihres illegalen Aufenthaltes in der Schweiz einklagbare Unterstützungsrechte haben und Tausende von Sozialarbeitern und Juristen auf Steuerzahlerkosten diese Fälle so lange und so teuer wie möglich verschleppen. So ist die Situation, und das ist pervers. Antworten