Das Murmeltier kommt heim
Von Marcel Reuss. Aktualisiert am 10.07.2012 1 Kommentar
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Als der letzte Vorhang fiel, hatte Helmi Sigg Tränen in den Augen. Sie überraschten ihn, weil er vor der Derniere gedacht hatte, es sei nun gut. Sie überraschten ihn nicht, weil die Augen der Kollegen ebenfalls feucht wurden. Das wars dann. Die Liebe, die für Bühnenverhältnisse ewig besungen wurde, war zu Ende.
Das Musical «Ewigi Liebi» mit den grössten Schweizer Hits ist Geschichte – und singt in Helmi Siggs Kopf manchmal doch weiter. Weil man fünf Jahre in zwei Wochen nicht einfach beiseiteschieben könne. Dann ist wieder Ruhe. Sigg nimmt Platz auf der Terrasse der Helvti-Bar. Mit Silberhaar und Sonnenbrille wirkt er wie ein Impresario. Ein Kunstunternehmer, der von einem Traum erzählt, aus dem er eben erwacht ist.
815 gleiche und doch immer wieder andere Auftritte
Bühnenkunst ist flüchtig. Keine Bilder zum Aufhängen, sondern Momente, die sich aneinanderreihen, um dann wie Sternschnuppen zu verglühen: das Staunen, wenn der Partner die eine Szene beim 261. Mal um eine Nuance anders spielt. Der Glücksmoment, in dem man realisiert, dass sich ein Wunsch erfüllt. In den 80er-Jahren hatte Sigg ihn gefühlt. Er war Regieassistent beim «Schwarzen Hecht» und sah Ruedi Walter und Margrit Rainer beim Spielen zu. Da wünschte er sich, auch einmal vor so viel Publikum aufzutreten.
Helmi Sigg bestellt ein Bier und sagt: «‹Ewigi Liebi› hat mir das alles gegeben.» Und mehr: fünf Jahre mit 815 Auftritten als mürrische Murmeltier-Mutter Martha. 815-mal miterleben, wie sich der Murmel-Sohn als schwul outet, um darauf «Das kommt mir spanisch vor» zu singen. 815 Auftritte, die gleich und immer wieder anders waren: Einmal fiel ein Beleuchter ins Publikum. Einmal spielte er mit Beckenbruch unter höllischen Schmerzen und einmal mit starken Verdauungsproblemen. Noch 15 Minuten, noch 5. Es reichte für die Toilette, und am Ende war es wie immer: Die Zuschauer standen auf und hörten nicht mehr auf zu applaudieren.
Anstrengende letzte Monate
Die Kellnerin bringt die Stange. «Es war wie Fliegen», sagt Sigg. Die ersten Versuche zaghaft, weil da all die professionellen Musical-Darsteller waren und daneben sie: Gottet, Landolt und er, die drei vom Trio Eden. Zürichs Komik-Musketiere, die lieber mit dem Zweihänder fechten und nun als Murmeltiere singen sollen? 900 Zuschauer lachten in der Testaufführung alle Zweifel weg.
Danach seien sie geflogen. Über die geplanten sechs Wochen hinweg, Monat um Monat, immer weiter. Lange war es ein Gleiten, irgendwann habe er begonnen, mit den Flügeln zu schlagen, zuerst, um die Höhe zu halten, und am Ende, um nicht abzustürzen. Die letzten Monate seien anstrengend gewesen. Dass die Zuschauer ihm das nicht angemerkt haben, darauf ist er stolz. Und dass er das Ganze durchgezogen hat, darauf sowieso.
Das Sherlock-Holmes-Projekt
Helmi Sigg nimmt einen Schluck Freiheit. Keine Aufführung, die am Abend wartet. Er komme sich vor wie aus der Haft entlassen und müsse sich nun mit 59 resozialisieren. Denn ewige Liebe gibt nicht nur, sie nimmt auch: die Zeit, die für Familie, Freunde und den Job fehlte. Für seine Agentur, in der er Werbeideen verkauft. Die ersten Fäden in seine Zukunft hat er schon gesponnen. In den letzten Monaten, als er für das Hotel Giessbach am Brienzersee eine Sherlock-Holmes-Geschichte schrieb. Im Stil des Meisters Doyle, wofür er von der Londoner Sherlock-Holmes-Society geadelt wurde. Auch seine Website hat er modernisiert. Jetzt ist er, wie er sagt, am Klinkenputzen. Am Kontakteauffrischen. «Hallo, wie gehts, ich bin wieder da.»
Helmi Sigg, der Bär, der als Murmeltier Hunderttausende zum Lachen brachte, verabschiedet sich. Sieht man ihn gehen, braucht man sich kein Kostüm vorzustellen. «Ewigi Liebi» beginnt von alleine anzuklingen. Die Schnulze ist Teil seines Lebens geworden. Auch auf seiner Haut. Er hat sich das Signet des Musicals als Tattoo stechen lassen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.07.2012, 10:20 Uhr
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1 Kommentar
Und Helmi bitte belebt das Trio Eden wieder, Ich vermisse die onenightstand Zeiten im Seefeld, oder die verqualmten Auftritte im weissen Kreuz. Und Eden-TV ist immer noch legendär, sowas gab es nie mehr zu sehen im Schweizer Fernsehen seit euch. Unvergessen die Flick Parodie und Roswell Alien Geschichten. Zeigt nochmals allen wer die stand up Comedy Heros sind. Antworten

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