Die vollgeschissenen Hosen von Büne Huber

Von Adrian Schräder. Aktualisiert am 12.02.2016 34 Kommentare

Die Mundart-Recken von Patent Ochsner räumen bei den diesjährigen Swiss Music Awards ab.

1/8 Die grossen Abräumer: Patent Ochsner gewinnen bei den Swiss Music Awards im Zürcher Hallenstadion gleich drei Awards in den Kategorien Best Album National, Best Group und Live-Band. (12.2.2016)
Bild: Walter Bieri/Keystone

   

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Auf dem roten Teppich der diesjährigen Swiss Music Awards war man sich einig: Müslüm, die Bühnenfigur des Berner Komikers Semih Yavsaner, müsse der grosse Abräumer des Abends sein. Der Mann mit den buschigen Augenbrauen und dem goldgelben Anzug, Interpret und Mitautor von Hits wie «Süpervitamin» oder zuletzt «La Bambele», begeisterte im Vorfeld so unterschiedliche Promis wie Stimmenimitator Fabian Unteregger, 77 Bombay Street oder Büne Huber von Patent Ochsner. Alle legten sich von den Mikrofonen der versammelten Schweizer Medienmannschaft für ihn ins Zeug.

Doch es sollte ganz anders kommen: Nicht Müslüm, nominiert in den Kategorien Best Male Solo Act und Best Hit, wurde zum Mann des Abends, sondern Mundartrock-Legende Büne Huber und seine Patent-Familie. Gleich drei der Betonklötze nahm die Band aus Bern am Freitagabend aus dem Event im Hallenstadion mit nach Hause. Sie erhielten dieAuszeichnungen in den Kategorien und Best Album (für «FinitolavoroThe Rimini Flashdown Part III»), Best Group und Best Live Act.

Die Stars auf dem roten Teppich im Interview mit baz.ch/Newsnet (Video: Lea Blum, Lea Koch, 12. Februar 2016).

Und wenn es nach dem nie um einen träfen Spruch verlegenen Huber gegangen wäre, hätten sie auch noch den Preis für die vollgeschissensten Hosen bekommen. Die hätten sie nämlich gehabt vor jenem denkwürdigen Konzert am letzten Gurten Festival, der ihnen, nach Vermutung ihres Frontmannes und Sängers, den Award für den besten Live Act eingebracht hatte.

Immerhin mit zwei Awards nach Hause ging der Welsche Troubadour Bastian Baker, der in den Kategorien Best Act Romandie und Best Male Act ausgezeichnet wurde. Der dauersympathische, stets gut gelaunte Lausanner stach dabei unter anderem ebenjenen Müslüm und seinen welschen Konkurrenten Stress aus. Letzterer wird die Niederlage verschmerzen können: Er ist in den vergangenen Jahren bereits mit neun Trophäen ausgezeichnet worden und hält damit den einsamen Rekord.

Schlankere Show

Im Vergleich zu den vergangenen Jahren wirkte die Show merklich entschlackt. Keine unnötig langen Laudationen, kein langes Vorgeplänkel, vielmehr Fokus auf erfolgreicher und guter Musik – und den Komponisten und Interpreten ebendieser. So erhielt Sophie Hunger kurz vor ihrer Auszeichnung mit dem Artist Award die Gelegenheit mit einer sehr eigenen Version des Stücks «Heroes» dem verstorbenen Pop-Chamäleon David Bowie zu huldigen. Aufgelockert wurde der muntere Award-Reigen durch eine Vielzahl von Live Performances:

Der deutsche Rapper Sido, die Engländerin Dua Lipa, Robin Schulz und der Schweizer Soulsänger Seven beschallten abwechselnd das Rund des Hallenstadions. Ausserdem durfte «Hippie Bus»-Chauffeur Dodo – war das nicht die Single des vergangenen Jahres? Die Auszeichnung erhielt Nickless mit seinem Song «Waiting» – sein neues Stück «Sturm» vorstellen.

Der erfahrene Produzent und Performer, seit mittlerweile zwanzig Jahren aktiv in der Schweizer Musikszene, wurde seltsamerweise in der Kategorie Best Breaking Act gewürdigt. «Eigentlich sollte ich den Livetime Achievement Award bekommen», merkte der Reggaekünstler mit Jahrgang 1977 in Anspielung auf seine lange Schaffenszeit in seiner Laudatio scherzhaft an.

Aber dieser Preis war unter dem Begriff Outstanding Achievement Award in diesem Jahr für Peter Reber reserviert. Zu dessen Ehren erinnerte sich TV-Hüne Roman Kilchsperger an seine Jugend und den Erwerb von Alben wie «Jede bruucht sy Insel» und «Dr Sunne entgäge». Dass sich manche auf den Rängen fragten, wer dieser Reber und diese Hunger sei, bekam man auf vorne auf der riesigen Bühne nicht mit.

Die komplette Liste der Preisträger:

National

Best Female Solo Act: Stefanie Heinzmann

Best Male Solo Act: Bastian Baker

Best Group: Patent Ochsner

Best Breaking Act: Dodo

Best Talent: Damian Lynn

Best Act Romandie: Bastian Baker

Best Live Act: Patent Ochsner

Best Album: Patent Ochsner («Finitolavoro - The Rimini Flashdown Part III»)

Artist Award: Sophie Hunger

Outstanding Achievement Award: Peter Reber Best Hit: Dodo («Hippie Bus») / Müslüm («La Bambele») / Nickless («Waiting»)

International

Best Hit International: Lost Frequencies («Are You With Me»)

Best Album International: Adele («25»)

Best Act International: Adele

Best Breakting Act International: Sam Smith (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.02.2016, 19:30 Uhr

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34 Kommentare

Karin Martin

12.02.2016, 22:35 Uhr
Melden 134 Empfehlung 3

Swiss Music Awards 2016: die peinlichste TV Produktion des Jahres. Torriani und Winiger mit einer Schnarch-Moderation mit peinlichen Timinglücken und lahmen Scherzchen. Einfach nur bünzlig ohne Ende. Leider gilt das auch für die Nominierten und Prämierten. Einzige Ausnahme: Sophie Hunger, die für die Schweiz einfach zu grossartig ist, als das man sie ignorieren könnte. Und am Ende dann der einzige Live-Act der Sendung, der allen zeigt, wo der Bartli den Most herholt: Seven! Grossartiger Performer, grossartige Band mit Topmusikern der schon bald in anderen Spähren schweben wird mit der Anerkennung, die er in D kriegt. Und übrigens noch nie eine Swiss Music Award Auszeichnung erhalten hat.... Antworten


Andreas Koller

13.02.2016, 00:58 Uhr
Melden 96 Empfehlung 2

Die Musikszene in der Schweiz ist schon auf Tiefstniveau. Da reich offenbar schon ein simples Liedchen wie Hippie Bus für einen Award. Meine Güte (wie viele CDs hat der wohl verkauft? 2000?). Und seit Jahren und Jahrzehnten die gleichen Künstler. Patent Ochsner, Stefanie Heinzmann und Co. Wann ist das letzte Mal ein frischer, junger, begeisternder, neuer Schweizer Musiker mit echtem Talent aufgetaucht (internationales Format verlange ich ja nicht einmal)? Die CH hat Weltklasse Grafiker, Architekten, Maler. Aber Musiker? Internationales Format hat da partiell nur Sophie Hunger (und auch die musste man mit 500'000.- aus dem Kulturtopf alimentieren, weil Sie es alleine nicht geschafft hätte). Ansonsten gähnenden Leere. Ob es ob diesem Output wirklich eine solch protzige Show braucht? Antworten