«Philip Maloney benötigt wie James Bond keine Biografie»
Von Monica Müller. Aktualisiert am 09.11.2009
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Sie haben am Freitagabend in der Lesereihe «Krimi am Fluss» aus Ihrem neusten Züri-Krimi «Der Mann am Gartenzaun» gelesen. Einige der Zuschauer hatten aber mit Philip Maloney gerechnet. Wie ist das als Autor, wenn man so stark mit einem Werk respektive einer Figur in Verbindung gebracht wird?
Das ist wie bei Rockmusikern, die auch immer auf ihre grössten Hits angesprochen werden. Es ist wunderbar, weil es nur die wenigsten Autoren schaffen, eine derart erfolgreiche Serie zu entwickeln. Aber selber aus Maloney vorlesen macht keinen Sinn. Dafür schicke ich die beiden Schauspieler Michael Schacht und Jodoc Seidel mit einem eigenen Maloney-Programm regelmässig auf Tournee.
Seit 20 Jahren und in 325 Folgen haben Sie Philip Maloney bereits ermitteln lassen. Was ist er für Sie heute, ein alter Freund, ein Stück Inventar oder eine Marke?
Ich habe nach wie vor eine sehr professionelle Beziehung zu Maloney. Er ist eine literarische Figur, die ich erschaffen habe und die mir ein Leben als freier Schriftsteller ermöglicht.
In Ihrem Webshop verkaufen Sie ein Philip-Maloney-Bad- und Duschgel mit echtem Whisky – eine Eigenkreation, in der auch Sie entspannen?
Dann schon eher bei einem Glas Philip- Maloney-Whisky. Die Fanartikel sind natürlich in erster Linie für verzweifelte Eltern und Freunde von MaloneyFans, die schon alle CDs besitzen.
Wir wissen nichts über Philip Maloneys Biografie, er klärt seine haarsträubenden Fälle in einer namenlosen Stadt mit einem namenlosen Polizisten auf. Warum ist Philip Maloney kein Zürcher?
Er ist wie James Bond eine rein literarische Figur, beide benötigen keine Biografie. Die Maloney-Serie ist eine Kombination aus Krimi und Sitcom. Die Hauptfiguren entwickeln sich nicht, sie stehen stellvertretend für verschiedene Weltanschauungen.
Sie überarbeiten zurzeit Ihren 1996 erschienen Krimi «Zürich bei Nacht». Wie muss man sich das vorstellen? Passen Sie den Kaffeepreis an, und prägen plötzlich Russen das Stadtbild?
Es ist eine moderate Neubearbeitung. Der Stoff ist nach wie vor gut, und er wird auch in der Neufassung in den 80er- und 90er-Jahren spielen. Ich habe vor allem die Monologe der Hauptfigur etwas gestrafft.
«Zürich bei Nacht» bezeichnen Sie ironisch als Mutter aller Züri-Krimis.
Als das Buch erstmals erschien, gab es den Begriff Züri-Krimis noch nicht. Ich persönlich mag solche Klassifizierungen nicht besonders. Ich schreibe Kriminalromane, die in Zürich spielen, keine Bücher mit geschützter regionaler Herkunftsbezeichnung.
Weshalb inspiriert Zürich so viele Autoren als Schauplatz für einen Krimi?
Ich lebe und schreibe in dieser Stadt. Da ist es naheliegend, dass meine Bücher mehrheitlich in Zürich spielen.
«Der Mann am Gartenzaun» ist der zweite Band einer Krimi-Trilogie nach «Die Frau am Fenster». Haben Sie bewusst eine Fortsetzung geplant, oder ist Ihnen das Ermittlerteam um Damian Stauffer ans Herz gewachsen?
Das war bewusst geplant. Derzeit arbeite ich am dritten Roman der Serie. Diese Krimis sind komplexer als meine früheren Romane. Dank Maloney kann ich es mir leisten, ohne Zeitdruck daran zu arbeiten.
Sie schreiben Romane, aus denen stets Krimis werden. Stört Sie das?
Das mag allenfalls ein paar Literaturkritiker stören. Ich finde, es gibt nichts Spannenderes als einen guten Roman, der auch ein guter Krimi ist.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.11.2009, 04:00 Uhr
