Sie kamen, um zu prügeln
Von Liliane Minor. Aktualisiert am 19.09.2011 147 Kommentare
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An diesem Samstagabend war alles anders als bei den Krawallen der vergangenen Tage. Von Anfang an war klar: Es ging nur um eine Strassenschlacht. Es gab keinen Vorwand mehr, eine politische Botschaft war nicht erkennbar. Nicht wie am Samstag vor einer Woche, als am Bellevue eine Party mit 1000 Leuten eskalierte. Oder wie am letzten Freitagabend, als Autonome aus einer Tanzparty am Helvetiaplatz eine Demo machten und so einen Polizeieinsatz provozierten. Und auch nicht wie am Samstagnachmittag: Da störten Autonome eine Demonstration von Abtreibungsgegnern.
Der Termin für den nächtlichen Krawall war schon vor Tagen auf der linken Onlineplattform Indymedia publiziert worden. Auch das zeigt: Es ging nie um eine illegale Party. Solche werden spontan angekündigt, weil Polizeipräsenz unerwünscht ist. Wer hinter dem Prügel-aufruf steckt, ist nicht bekannt.
Dass der Termin schon so früh online war, spielte der Polizei in die Hände: Über eine Stunde vor Beginn bezogen Polizisten im Hauptbahnhof und am Central in Kampfmontur Stellung; Wasserwerfer wurden in Position gebracht. Die Beamten nahmen da bereits gezielt einzelne Personen fest. Nicht nur Stadtpolizei, auch Kantonspolizei, Bahnpolizei und die SIP waren im Einsatz. Nach Angaben von Stadtpolizei-Kommandant Philipp Hotzenköcherle waren es insgesamt mehrere Hundert Beamte.
«Wie ein Fussballspiel»
Die angekündigte Strassenschlacht lockte Hunderte Partygänger auf der Suche nach dem Kick zum Central – geschniegelt und aufgetakelt wie für einen angesagten Club. «Nervenkitzel pur» sei das, erzählten drei junge Männer lachend, «wie ein Fussballspiel.» Würden sie auch mitprügeln? «Himmel, nein», wehrten sie ab. Und dann ergänzte einer: «Es ist gut, dass so viele Bullen da sind. Sonst eskaliert das total.»
Die Randalierer kamen rasch zur Sache, beinahe könnte man sagen: pünktlich. Zuerst versuchten sie, via Limmatquai zum Bellevue zu marschieren, doch die Polizei stoppte sie und kontrollierte rund 80 Personen. Viele wurden weggewiesen. Aber die Randalierer gaben nicht auf: Sie bewaffneten sich mit hölzernen Bauabschrankungen und Steinen und warfen diese von der Mauer oberhalb des Centrals auf die Polizei.
Die Taktik der Polizei war es offenbar, Gaffer und Randalierer möglichst rasch zu trennen. Das gelang schnell. Allerdings half den Beamten dabei auch ein heftiger Regenguss, der genau in dem Moment einsetzte, als der Wasserwerfer begann, die Menge Richtung Bahnhof zu treiben. Plötzlich zogen sich die Schaulustigen in geschützte Ecken zurück und drängten sich an Hausmauern, sodass die Randalierer der Polizei nun allein auf der Strasse gegenüberstanden. Sie warfen Flaschen, Petarden und Steine, die Polizei antwortete mit Tränengas, Gummischrot und Wasser.
Vielleicht trug die räumliche Trennung dazu bei, dass sich bei den Schaulustigen allmählich ein Stimmungswandel zeigte. Beschimpften viele Partygänger anfangs die Polizei mit nicht druckreifen Ausdrücken, so fluchten sie nun offen über die Vermummten. «Das sind doch alles Psychos» gehörte noch zu den freundlicheren Qualifizierungen. Zwar beobachteten weiterhin Hunderte das Geschehen, aber in die Faszination mischte sich zusehends Abscheu.
Gut eine Stunde lang lieferten sich die Randalierer rund um den Hauptbahnhof Scharmützel mit der Polizei, wobei diese vor allem versuchte, Läden in der Umgebung der Bahnhofstrasse zu schützen. Dennoch gingen einzelne Schaufensterscheiben in die Brüche. Schliesslich konzentrierte sich die Zerstörungswut der Randalierer auf die Tramhaltestelle Bahnhofquai. Hier zündeten sie Abfalleimer an und schlugen Dutzende Scheiben ein. Die Polizei liess sie eine Zeit lang gewähren. Weshalb, wollte Kommandant Hotzenköcherle gestern nicht sagen.
Das Ende der Krawalle kam dann plötzlich und schnell. Als die Randalierer Richtung Platzspitz zogen, schnappte die Falle zu. Von der Tramhaltestelle her, aber auch vom Landesmuseum und von der Walchebrücke kesselte die Polizei die Randalierer ein. Nach wenigen Minuten standen Dutzende Personen aufgereiht mit dem Gesicht gegen die Wand des Walchekiosks und den Händen über dem Kopf. Insgesamt seien 91 Personen verhaftet worden, gab die Stadtpolizei gestern bekannt.
Die Partygänger bekamen vom unspektakulären Showdown kaum mehr etwas mit. Sie hatten das Interesse an dem Krawall längst verloren.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 19.09.2011, 06:11 Uhr
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147 Kommentare
Es müsste dringend darüber nachgedacht werden diese Personen wegen Landfriedensbruch zur Verantwortung zu ziehen und allenfalls eine Veröffentlichung mit Fotos und Namen im Internet durchzusetzen !
Nur mit harten Bandagen und entsprechend wirkungsvollen Sanktionen kann ein solch menschenunwürdiges Tun und Treiben sinnvoll bekämpft werden !
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