SVP: Spoerli hat zu arbeiten wie jeder Angestellte

Von Liliane Minor, Susanne Kübler . Aktualisiert am 07.09.2010 8 Kommentare

Die unerwartete Absage einer Ballettvorstellung am Opernhaus sorgt weiter für Diskussionen. Auch im Kantonsrat.

Steht in der Kritik: Ballettdirektor Heinz Spoerli.

Steht in der Kritik: Ballettdirektor Heinz Spoerli.
Bild: Keystone

Für die SVP ist die Sache klar: «Wer zahlt, befiehlt – wer bezahlt wird, hat zu gehorchen.» Unter diesem Titel kritisierte die Partei gestern im Kantonsrat Ballettdirektor Heinz Spoerli harsch. Spoerli hatte am letzten Mittwoch eine Ballettvorstellung drei Minuten vor der Aufführung abgesagt – angeblich, weil ein Vorhang nicht korrekt aufgehängt war. Spoerli sei als Künstler «quasi von Berufs wegen hochsensibel, um nicht zu sagen mimosenhaft», spottete die Partei. Aber Spoerli sei auch staatlicher Funktionär und habe als solcher eine Aufgabe zu erfüllen, «genauso wie jeder Strassenreiniger». Von einem Institut, an das der Steuerzahler Millionen überweise, sei zu erwarten, dass es seine Arbeit erledige. Das müsse die Regierung dem Opernhaus klarmachen.

«Dem Publikum einen Gefalle tun»

Diese Kritik passte dem Grünen Hans Läubli (Affoltern) ganz und gar nicht. Läubli ist Geschäftsführer des Verbands professioneller Kulturschaffender, Suisseculture. Er bezeichnete die SVP-Erklärung als «Desavouierung». Spoerli habe richtig gehandelt: «Wenn er der Meinung ist, eine Arbeit könne den Besucherinnen und Besuchern nicht zugemutet werden, so ist es seine Pflicht, die Vorstellung abzusagen. Damit tut der dem Publikum einen Gefallen.»

Auch die Bühnenverantwortlichen meldeten sich gestern in einer Mitteilung zu Wort. Sie halten fest, die Vorhänge seien korrekt angebracht gewesen (was auch Opernhausdirektor Alexander Pereira bestätigte). Allerdings herrsche zwischen Spoerli und den Technikern eine seit Jahren angespannte Atmosphäre. Die cholerischen Ausbrüche Spoerlis hätten die Techniker immer wieder an die Grenzen der Belastbarkeit geführt. (leu/suk)

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Erstellt: 06.09.2010, 22:57 Uhr

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8 Kommentare

Hans Christian Müller

07.09.2010, 08:33 Uhr
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Wenn ein "gewöhnlicher" Mitarbeiter eine noch so ausserordentlich gute Leistung erbringt, interessiert dies gar niemanden. Es wird einfach erwartet - bis hinauf in die Direktionsetage. Schafft ein Balletmeister eine gelungene Einlage zum Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker oder ähnliches, geht ein Jubel durch die Medien: er ist ein Star. Als solcher darf man sich dann sehr viel erlauben. Antworten


Daniel Gerber

07.09.2010, 10:01 Uhr
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"Damit tut der dem Publikum einen Gefallen." Ich bin mir ganz sicher, dass das Publikum von dieser kurzfristigen Absage begeistert war und diese mit einer 5-minütigen Standing Ovation honoriert hat. Selbstverständlich hat auch niemand nach so einem gelungenen Event den Eintrittspreis zurückverlangt. Bravo! Antworten