Behörden pfeifen Flughafen zurück
Von Liliane Minor. Aktualisiert am 29.06.2011 1 Kommentar
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Es sind deutliche Worte, mit denen die Gemeinde Kloten und das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) die Parkplatzberechnungen des Flughafens zurückweisen: Diese seien «nicht plausibel» und «nicht korrekt» ermittelt, heisst es in einem Vorentscheid, der dem «Tages-Anzeiger» vorliegt.
Die fraglichen Parkplätze gehören zum geplanten Geschäftshaus The Circle at Zurich Airport, das ab 2013 beim Butzenbühl gebaut werden soll. Vorgesehen sind unter anderem ein Hotel, Konferenzräume sowie Angebote im Bereich Sport, Fitness, Kultur und Gesundheit. Insgesamt soll der Komplex 200'000 Quadratmeter Geschäftsräume umfassen und 2900 Vollzeitstellen bieten. Dafür beantragte der Flughafen gut 1500 Parkplätze.
Fluggäste kommen ohne Auto
Diesen Antrag haben die Stadt Kloten und das Awel nun in einem verbindlichen Vorentscheid arg gestutzt. Sie kamen zum Schluss, dass höchstens 957 Parkplätze gebaut werden dürfen. Und davon dürfen höchstens deren 400 für Besucher offenstehen. Weshalb die Diskrepanz? Für die zulässige Zahl der Parkplätze ist unter anderem die Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr massgebend. Je besser die Verbindungen, desto weniger Parkplätze sind erlaubt. Der Flughafen ging in seinen Berechnungen davon aus, dass für das Circle nur die zweitbeste Erschliessungskategorie gelte. Dies, weil ein Teil des Komplexes weiter als 500 Meter vom Flughafenbahnhof zu stehen komme. Diese Berechnung erachten die Behörden als realitätsfremd. Der Flughafen sei einer der am besten erschlossenen Standorte des Kantons Zürich. Die Stadt Kloten moniert überdies, der Flughafen habe die Distanz zwischen dem Circle und dem Bahnhof teilweise doppelt berechnet.
Für die Behörden kommt aber noch ein weiterer Faktor hinzu. Man könne davon ausgehen, dass wohl ein beträchtlicher Teil der Gäste per Flugzeug anreise – immerhin spreche der Flughafen genau diese Kundschaft an. Diese Gäste brauchten keinen Parkplatz.
Gebührenpflicht verlangt
Der Vorentscheid enthält noch weitere Einschränkungen: So verlangt der Kanton, dass die Parkplätze von der ersten Minute an gebührenpflichtig sind. Und er verbietet es, einen Teil der Gebühren zurückzuerstatten, wie das im Flughafen-Shoppingcenter ab einem Einkauf von 60 Franken üblich ist. Schliesslich muss der Bau der Parkplätze ebenso etappiert werden wie der Bau des Geschäftshauses selbst, es dürfen nie mehr Parkplätze zur Verfügung stehen, als für die bereits fertiggestellten Circle-Bereiche erlaubt sind.
Vorbehalte meldet auch das Bundesamt für Strassen an. In einem Mitbericht kündigt es an, der Flughafen müsse allenfalls Parkplätze wieder schliessen, wenn sich zeigen sollte, dass der zusätzliche Verkehr das Strassennetz überlaste. Das ist auch die Hauptsorge der zuständigen Klotener Stadträtin Priska Seiler (SP). Sie verfolgt die Parkplatzpläne des Flughafens seit längerem. Und auch der VCS beobachtet die Pläne mit Argusaugen. Denn die Parkplätze im Circle sind nicht die einzigen: Ein Gesuch für weitere gut 7000 Parkplätze für Fluggäste liegt beim Bund. Heute gibt es am Flughafen rund 17'000 Parkplätze.
VCS sieht sich bestätigt
Flughafen-Sprecherin Sonja Zöchling wollte die beiden Entscheide sowie den Bericht des Bundes gestern nicht näher kommentieren. Man müsse die beiden Verfügungen zuerst genau analysieren. Man sei aber sicher «enttäuscht», da man trotz der guten Erschliessung überzeugt sei, dass die Parkplätze gebraucht würden. Ob der Flughafen Rekurs einlegt, sei noch nicht entschieden.
Zufrieden mit den beiden Vorentscheiden zeigte sich VCS-Geschäftsführer Markus Knauss: «Das zeigt, dass die Behörden die landseitigen Verkehrsprobleme, verursacht durch den starken Ausbau des Flughafens, endlich ernst zu nehmen gewillt sind.» Der Flughafen sei längst auch verkehrsmässig zu einer Belastung für die ganze Region geworden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.06.2011, 22:27 Uhr
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