Schweizer Ruderer erreichen nach 4800 Kilometern die Karibik

Das Team Swiss Mocean überquert den Atlantik in 30 Tagen und läuft auf Rang 3 in Antigua ein.

Geschafft: Die Schweizer erreichen die Karibik. Video: Tamedia/Facebook

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Es war der 10. November 1493, als Christoph Kolumbus die karibische Insel Antigua nach seiner zweiten Atlantikfahrt entdeckte. Seine Berichte beschrieben die Insel als von Wilden bewohnt. Wild, das waren und sind auch die vier Schweizer, die Antigua von den Kanaren aus rudernd erreichten.

Für Marlin Strub, Luca Baltensperger, Yves Schultheiss und Laurenz Elsässer ging am späten Samstag Nachmittag (MEZ) das Abenteuer ihres Lebens zu Ende. Nach fast 5000 Kilometern im Ruderboot betraten sie zum ersten Mal seit 30 Tagen, fünf Stunden und 59 Minuten wieder Land. Zum ersten Mal seit einem Monat wieder Privatsphäre, eine warme Dusche, mehr als zwei Stunden Schlaf am Stück – und Essen, das diesen Namen auch verdient.

So lange die Reise ging, so emotional war die Ankunft im englischen Hafen der Karibikinsel. Familie und Freunde erwarteten die Ruderer, es flossen einige Tränen. Die Rennleitung übertrug die Ankunft live auf Facebook, der sonst so redselige Luca Baltensperger war plötzlich sprachlos. Immer wieder sprach er nur zwei Worte aus: «Absolutely Amazing!»

Neben den Familien der vier Abenteurer warteten auch die zuvor angekommenen Teams aus Grossbritannien und Antigua auf die Konkurrenten aus der Schweiz. Ob er schon geduscht habe, fragte die Moderatorin von «Atlantic Campaignes» einen Ruderer von Team Antigua. Demonstrativ hob er seinen Arm, um unter seinen Achseln zu riechen und verneinte lachend: Die Ankunft von Swiss Mocean war auch nach 30 Tagen rudern wichtiger als die erste Dusche. Ein Beweis dafür, wie gut die Stimmung unter den Konkurrenten ist und war.

Die Top 3 der Atlantic Challenge präsentierte sich den anwesenden Fans dann geschlossen auf der eigens dafür aufgestellten Bühne, die Teilnehmer kamen aus dem Umarmen fast nicht mehr raus, der DJ spielte Queens' «We are the Champions». Und nun warten die Männer, die es aufs Podest geschafft haben noch einige Stunden, um dem Holländer Mark Slats, der alleine unterwegs war, einen ebenso gebührenden Empfang zu bereiten.

Unerfahren vorne mit dabei

Die Schweizer konnten bis auf Schultheiss vor dem Start zur Talisker Whisky Atlantic Challenge keine Rudererfahrung vorweisen. Mit ihrem Boot trainierten sie nie auf dem Meer. Den Ozean und seine Wucht kannten sie nur aus Erzählungen. Und doch ruderten die einzigen Teilnehmer aus einem Binnenland an der Spitze mit.

Am Ende reichte es für das Podest und den 3. Rang mit gut 14 Stunden Rückstand auf die Sieger The Four Oarsmen aus Grossbritannien. Zum Verhängnis wurde Swiss Mocean der Sturm nach zwei Rennwochen , der das Team zu einer 18-stündigen Pause zwang. Die Schweizer konnten trotz einer Aufholjagd die entstandene Lücke zu den Führenden nie mehr schliessen. Nur zweieinhalb Stunden vor Swiss Mocean traf Team Antigua ein, das sich den zweiten Platz sicherte.

Weltrekord gebrochen. Eigentlich.

«Wir können uns zwar nicht genau einschätzen, aber wir wollen gewinnen. Und wenn es sehr gut läuft, dann gleich auch noch den Weltrekord brechen», sagte Marlin Strub vor dem Rennen selbstbewusst. Die grössten Konkurrenten erkannten die Jungs aus Zürich, Bern und Walenstadt schon vor dem Rennstart. Baltensperger nannte aus dem Starthafen auf den Kanaren The Four Oarsmen und Team Antigua. Es waren die beiden Boote, die als einzige schneller waren – und den Schweizern beim Brechen des Weltrekords zuvorkamen.

Trotzdem ist das Abschneiden, ja schon die Ankunft in der Karibik, ein Erfolg für Swiss Mocean, das ins Ungewisse startete und bewies, dass es aufopfernd kämpfen kann. Dass es möglich ist, den Atlantik mit intensivem Krafttraining und ohne grosse Erfahrung zu überqueren.

Die ehrgeizigen, teilweise auch chaotischen aber vor allem immer gut gelaunten Schweizer sind am Ziel. Antigua erwartet sie mit frischen Ananassen und Palmenstränden. Die Ferien in der Karibik haben sich erst wenige so hart erarbeitet.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.01.2018, 17:10 Uhr

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