Irischer Parlamentarier steht unter Mordverdacht

Gerry Adams soll am Mord einer zehnfachen Mutter beteiligt gewesen sein. Die Tat ereignete sich während seiner Zeit als IRA-Aktivist.

Will zeigen, dass die Vorwürfe haltlos sind: Gerry Adams.

Will zeigen, dass die Vorwürfe haltlos sind: Gerry Adams. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der frühere IRA-Aktivist und heutige irische Parlamentarier Gerry Adams ist im Zuge von Mordermittlungen festgenommen worden. Das teilte gestern die Polizei in Nordirland mit.

Adams betonte kurz vor Betreten der Polizeiwache, er sei freiwillig gekommen und wolle sich vernehmen lassen. Die Vorwürfe gegen ihn seien haltlos. Die Polizei beschuldigt den 65-Jährigen, am Mord an einer zehnfachen Mutter im Jahr 1972 in Belfast beteiligt gewesen zu sein.

Ehemaliges IRA-Mitglied

Die Tat geht auf das Konto der früheren Untergrundorganisation Irish Republican Army (IRA), in dessen Führungszirkel Adams damals war. Heute ist er Vorsitzender der republikanischen Partei Sinn Fein und sitzt im irischen Parlament in Dublin.

Welche Auswirkungen die Festnahme Adams' auf die nordirische Regierung haben wird, war zunächst unklar. Deren stellvertretender Erster Minister, der ehemalige IRA-Befehlshaber Martin McGuinness, ist ebenfalls Mitglied von Sinn Fein.

Entführt und ermordet

Adams bestritt seine Beteiligung an dem Mord. Er habe sich zwar nie von der IRA losgesagt und werde das nie tun, aber mit der Entführung und Tötung der Frau habe er nichts zu tun. Die Witwe war 1972 vor den Augen ihrer Kinder von zwölf Männern und Frauen entführt worden.

Die IRA beschuldigte sie, Informationen an die englische Armee weitergegeben zu haben. IRA-Mitglieder erschossen sie und vergruben ihre Leiche. Erst im Jahr 2003 wurden die sterblichen Überreste entdeckt und beerdigt.

Wegbereiter des Waffenstillstands

Adams hatte sich in der 1960er Jahren der IRA angeschlossen. Später wandte er sich der Politik zu und zog 1983 für den katholischen Wahlkreis West-Belfast ins britische Unterhaus ein. Zehn Jahre später bereitete er gemeinsam mit dem nordirischen Sozialdemokraten John Hume den 1994 deklarierten IRA-Waffenstillstand vor.

Die Ermittlungen in dem Mordfall hatten zuletzt Fortschritte gemacht, nachdem eine Universität in Boston den britischen Behörden Interviews mit früheren Rebellen zur Verfügung gestellt hatte. Die Dokumente sollten erst nach dem Tod der Befragten veröffentlicht werden, aber ein US-Gericht zwang die Hochschule im vergangenen Jahr, Aussagen zu dem Fall herauszugeben.

Ebenfalls am Mittwoch wurde ein 69-Jähriger im Zusammenhang mit einem Attentat in Belfast im Jahr 1971 festgenommen, bei dem 15 Menschen starben. Der Anschlag ging auf das Konto der protestantisch-unionistischen Organisation Ulster Volunteer Force (UVF), wurde aber zunächst irrtümlich der IRA zugeschrieben. (mrs/sda)

Erstellt: 01.05.2014, 06:29 Uhr

Artikel zum Thema

Ex-IRA-Anführer am helllichten Tag erschossen

Ein früherer Anführer einer Splittergruppe der nordirischen Untergrundorganisation wurde in Belfast getötet – offenbar von ehemaligen Weggefährten. Mehr...

«Wir waren wie eine Terrorgruppe»

Video Im Nordirland-Konflikt operierten die Briten mit geheimen Killer-Kommandos. Sie töteten katholische Zivilisten und unbewaffnete Republikaner, wie britische Ex-Soldaten nun gestehen. Mehr...

Kommentare

Blogs

Sweet Home 10 festliche Köstlichkeiten

Mamablog Der wahre Held meiner Geschichten

Die Welt in Bildern

Haben keine Höhenangst: Zwei Fensterputzer haben sich in Tokyo als Hund und Wildschein verkleidet. Die beiden Tiere sind in Japan die Sternzeichen dieses und des nächsten Jahres. (13. Dezember 2018)
(Bild: Kim Kyung-Hoon) Mehr...