IS-Anschläge auf Huthi-Moscheen töten über 140 Menschen

Selbstmordattentäter eines bisher unbekannten Ablegers der Terrormiliz IS haben im Jemen zwei Moscheen attackiert. Die Gotteshäuser waren für das Freitagsgebet vollbesetzt.

Verheerende Anschläge: Helfer tragen einen Verletzten aus einer der attackierten Moscheen. (20. März 2015)

Verheerende Anschläge: Helfer tragen einen Verletzten aus einer der attackierten Moscheen. (20. März 2015) Bild: Hani Mohammed/AFP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In Jemens Hauptstadt Sanaa stellen Attentäter Gläubigen eine tödliche Falle. Einer sprengt sich in einer Moschee in die Luft, als die Menschen fliehen, schlägt der zweite zu. Augenzeugen schildern grausige Szenen. Ein weiteres Attentat wurde in einer anderen Moschee in Sanaa verübt.

Bei den Anschlägen ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 142 gestiegen. Ausserdem gebe es mindestens 351 Verletzte, sagte ein Vertreter des Gesundheitsministeriums. Die ursprüngliche Opferbilanz wurde demnach auf Grundlage der Angaben mehrerer Krankenhäuser heraufgesetzt. Zunächst war von 77 Todesopfern die Rede gewesen.

Angriff auf Moscheen: IS greift in Machtkampf im Jemen ein. (Video: Reuters)

Die Selbstmordattentate richteten sich gegen zwei Moscheen der schiitischen Huthi-Miliz in der Hauptstadt Sanaa. In den getroffenen Gebetshäusern sollen vor allem Huthi-Rebellen gebetet haben. Unter den Gläubigen seien dort aber oft auch Sunniten. Demnach sprengte sich zunächst ein Attentäter in der Badr-Moschee im Süden von Sanaa in die Luft, eine zweite Explosion gab es, als die Gläubigen aus dem Gotteshaus flohen.

Augenzeugen beschreiben verstörende Szenen

Die zweite Moschee wurde im Norden der Stadt angegriffen. Der Augenzeuge Mohammed al-Ansi sagte der Nachrichtenagentur AP, der Druck der Explosion habe ihn mehrere Meter weit weg geschleudert. «Köpfe, Beine und Arme der Getöteten lagen auf dem Boden der Moschee verstreut», berichtete er. Das Blut sei in Strömen geflossen. Viele Menschen seien von umherfliegenden Glassplittern getroffen worden.

Der von den Rebellen betriebene Fernsehsender Al-Masira berichtete, die Attentäter hätten während der Mittagsgebete zugeschlagen, wenn sich besonders viele Gläubige in den Moscheen drängen. Er zeigte Bilder von Helfern, die Verletzte auf blutigen Decken davontrugen. Krankenhäuser riefen zu Blutspenden auf.

IS bekennt sich zu Anschlag – Machtkampf im Jemen

Zu den Anschlägen hat sich die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt. Die Angriffe seien «nur die Spitze des Eisbergs» ihres Kampfes, hiess es am Freitag in einer im Internet veröffentlichten Erklärung eines bislang unbekannten Arms des IS in Sanaa.

Am Donnerstag hatte der Machtkampf zwischen der Huthi-Miliz und Präsident Abd Rabbuh Mansur al-Hadi die südliche Küstenstadt Aden erreicht. Bei Kämpfen zwischen Anhängern und Gegnern des Präsidenten um die Kontrolle des Flughafens wurden mindestens 11 Menschen getötet und über 50 weitere verletzt. Ein Kampfflugzeug griff Hadis Palast an, wo er seit seiner Flucht aus Sanaa lebte.

Im Jemen herrschen seit Jahren politisches Chaos und Gewalt. Dies wurde von der schiitischen Huthi-Miliz ausgenutzt, die seit Sommer vergangenen Jahres auf die Hauptstadt Sanaa vorrückte und diese im September erreichte. Im Januar übernahm die Miliz mit der Einnahme des Präsidentenpalastes die Kontrolle über die Hauptstadt, zwang Präsident Hadi zum Rücktritt und setzte ihn unter Hausarrest. Auch das Parlament wurde für aufgelöst erklärt.

Hadi gelang Ende Februar die Flucht nach Aden. Von dort aus zog der international anerkannte Präsident seine Rücktrittserklärung zurück und erklärte die im Süden gelegene Stadt zur neuen Hauptstadt. (rsz/AFP)

Erstellt: 20.03.2015, 11:54 Uhr

Artikel zum Thema

Jemenitischer Flughafen nach Erstürmung geschlossen

Im Konflikt zwischen Rebellen und regierungstreuen Truppen im Jemen eskalieren die Kämpfe. Der Flughafen in Aden musste geschlossen werden – es wird von schweren Explosionen gesprochen. Mehr...

Kämpfe zwischen Schiiten und Sunniten im Jemen – viele Tote

In mehreren Städten haben Zehntausende Menschen gegen die Machtübernahme der Rebellen demonstriert. Die Spannungen zwischen den Gruppen haben die Angst vor einem Bürgerkrieg verstärkt. Mehr...

Botschaften im Jemen schliessen ihre Pforten

Nach der Machtübernahme der Huthi-Rebellen riefen die USA, Grossbritannien und Frankreich ihre Bürger auf, das Land zu verlassen. Mehr...

Paid Post

So können Hausbesitzer viel Geld sparen

Hausbesitzer, die auf lange Sicht Energie und dadurch Geld sparen möchten, sollten Ihr Heim jetzt auf Wärmeverluste überprüfen.

Blogs

Mamablog Dumm, dümmer, Kita-Kind?

Wettermacher Liebe Holzöfeler...

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Die Welt in Bildern

Sie bringen Licht ins Dunkel: Die Angestellten einer Werkstatt in Tuntou, China, fertigen Laternen in Handarbeit. Diese werden als Dekoration für das chinesische Neujahrsfest dienen, das Anfang Februar stattfindet. (Januar 2019)
(Bild: Roman Pilipey/EPA) Mehr...