Israel legt sich mit Russland an

Die USA schliessen eine Militäraktion gegen Syrien nicht aus.

«Jetzt ist die Fassade weggebrochen»: Ausgebranntes Panzerfahrzeug in Duma.

«Jetzt ist die Fassade weggebrochen»: Ausgebranntes Panzerfahrzeug in Duma. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach einem Raketenangriff auf einen Militärflughafen in Syrien zeigen Moskau und Damaskus mit dem Finger auf Israel. Bei der Attacke wurden mindestens 14 Militärs getötet, darunter auch mehrere Angehörige der iranischen Revolutionsgarden. Während sich Israels Regierung wie üblich nicht zum Angriff äusserte, wurde die Aktion von israelischen Politikern und Militärs gelobt – «wer immer sie auch ausgeführt hat». In Moskau stösst der Angriff indessen auf scharfe Kritik. Israel habe von Russland die «Gelbe Karte» erhalten, sagen Beo­bachter in Jerusalem. Moskau beklagt sich zum Beispiel darüber, vor dem Angriff nicht informiert worden zu sein. Vor allem aber sei Russland daran gelegen, Syrien zu stabilisieren. Dazu gehört die Aufteilung des Staates in türkische, russische und iranische Interessensphären, die neulich in Ankara beschlossen wurden.

Wer in Syrien das Sagen hat

Premier Benjamin Netanyahu, der in den vergangenen Monaten wiederholt Ziele in Syrien angreifen liess, wird diese «Gelbe Karte» berücksichtigen müssen, wenn er sich mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin künftig nicht anlegen will. De facto herrscht Russland in Syrien. Dass die jüngste Attacke zunächst von Moskau gemeldet wurde – und nicht von Damaskus –, zeigt, wer in Syrien das Sagen hat.

Jerusalem tut sich allerdings schwer damit, die Aufteilung Syriens zu akzeptieren. Als Gefahr für seine Sicherheit sieht Israel vor allem die iranische Militärpräsenz in Syrien, dem Nachbarland im Nordosten. Bereits in der Vergangenheit hatte Israel mehrfach Ziele in Syrien angegriffen, um gegen Assads iranischen Verbündeten vorzugehen. Moskau hatte sich dazu jeweils nicht geäussert.

Mit dem Angriff hat Israel möglicherweise iranische Waffenlieferungen an die Hisbollah-Milizen verhindern wollen, die über den Flughafen abgewickelt wurden. Beobachter in Tel Aviv sehen die jüngste Aktion der israelischen Luftwaffe auch als Ansage an Teheran, dass Israel keine iranische Militärpräsenz in Syrien toleriere. Der Militärflughafen mit dem Namen T-4 hat einen russischen, iranischen und syrischen Teil. Angegriffen wurde ausschliesslich der iranische Sektor von T-4.

Belastetes Verhältnis

Bisher hatte Netanyahu stets sein «sehr gutes Verhältnis» zu Putin gelobt. Jetzt sei «die Fassade weggebrochen», sagen israelische Kommentatoren. Zunächst war der Angriff von Beobachtern als Antwort der USA auf den jüngsten Giftgasangriff verstanden worden. In der Nacht auf den Sonntag hatte das syrische Regime (wieder einmal) eine Region unweit von Damaskus mit Giftgas attackiert, um die dort noch verbliebenen Widerstandskämpfer in die Knie zu zwingen. Beim Angriff kamen mindestens 150 Bürger ums Leben.

Aus Washington folgte aber schnell ein Dementi: Die USA hätten mit dem Angriff nichts zu tun. Nach einem Telefongespräch von Donald Trump mit Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron halten Beobachter einen französisch-amerikanischen Militärschlag gegen Assads Regime für wahrscheinlich, möglicherweise koordiniert mit Grossbritannien. Das würde das Verhältnis zu Russland zusätzlich belasten.

«Im Augenblick schliesse ich nichts aus», sagte denn auch Verteidigungsminister Jim Mattis gestern in Washington auf die Frage nach eventuellen Luftangriffen auf syrische Ziele. Der amerikanische Präsident hatte am Sonntag mit Vergeltung für den Angriff in Duma gedroht. Für den Chemiewaffenangriff werde «ein hoher Preis zu zahlen» sein, sagte er.

Das Ende herbeiwünschen

Assad und Putin bestreiten zwar, dass am Wochenende Giftgas eingesetzt worden sei. Aber Reaktionen in den sozialen Medien zeigen, dass man dem Dementi nicht nur im Westen, sondern auch in Syrien keinen Glauben schenkt. Im arabischen Raum überwiegen Posts und Tweets, die das Ende des Assad-Regimes herbeiwünschen. Die meisten zweifeln nicht daran, dass Israel für die Attacke auf die Militärbasis verantwortlich sei. Für einmal bleibt aber das Israel-Bashing aus: Arabische Blogger, auch in Syrien, freuen sich über den Angriff.

Inzwischen bereitet sich der syrische Spitzendiplomat Hussam Edin Aala auf seine neue Aufgabe vor. Im Mai wird er in Genf das UNO-Forum präsidieren, das gegen den Einsatz chemischer Waffen kämpfen soll. Und weil das angesichts der jüngsten und all der früheren Chemie-Attacken Assads auf seine Bürger reichlich bizarr klingt, heisst es bei UNO-Watch: «Das ist kein Witz.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 10.04.2018, 09:47 Uhr

Artikel zum Thema

«... das macht einen US-Militärschlag wahrscheinlich»

Interview Nach dem Angriff Israels gegen das Assad-Regime droht noch ein Vergeltungsschlag der USA. Kommt es zu einer Eskalation in Syrien? Dazu Nahost-Experte Günter Meyer. Mehr...

Trump fordert «hohen Preis» für Chlorgas-Angriff

Bei einem mutmasslichen Chemiewaffenangriff wurden in Syrien fast 50 Menschen getötet und hunderte verletzt. Die USA verlangten eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats. Mehr...

Sieben Jahre Krieg – kein Ende in Sicht

Ankara, Teheran und Moskau verlängern in Syrien Gewalt und Elend. Mehr...

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Kommentare

Die Welt in Bildern

Haben sich an ihren Lebensraum angepasst: Vier ausgewachsene Antilopen und ein Junges laufen in der Wüste Rub Al-Khali in Saudiarabien über den trockenen Boden. (19. Dezember 2018)
(Bild: VALDRIN XHEMAJ) Mehr...