Wo Christen am meisten verfolgt werden

Die weltweit am meisten diskriminierte Glaubensgruppierung sind die Christen. Vor allem in Afrika nimmt die Gewalt stark zu. An der Spitze der Rangliste steht jedoch seit Jahren ein asiatisches Land.

Islamistischer Extremismus gilt als Hauptquelle für die Christenverfolgung: Eine nigerianische Christin mit ihrem Sohn. (Archivbild)

Islamistischer Extremismus gilt als Hauptquelle für die Christenverfolgung: Eine nigerianische Christin mit ihrem Sohn. (Archivbild)

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Weltweit werden etwa 100 Millionen Christen aufgrund ihres Glaubens diskriminiert. Christen sind damit die am meisten verfolgte Glaubensgruppierung. Der jedes Jahr veröffentlichte Weltverfolgungsindex zeigt als Rangliste von 50 Ländern, wo Christen am stärksten bedroht sind. Erstellt wird der Index von einer internationalen Expertengruppe in Zusammenarbeit mit den Christen in den betroffenen Ländern, wie das christliche Hilfswerk Open Doors auf seiner Website berichtet.

Viele Christen können gemäss Open Doors ihren Glauben nur im Geheimen leben. Obwohl die Verfolgung zunehme, gebe es in vielen Ländern immer mehr christliche Gemeinden. Die Zahl der Christen in Afrika und Südamerika habe sich seit den 1970er-Jahren gar verdoppelt, in Asien verdreifacht.

Bis 70'000 Christen in Arbeitslagern

Bereits zum elften Mal führt das kommunistische Nordkorea die Liste der Staaten an – dort werden Christen am meisten verfolgt. 50'000 bis 70'000 Christen sind in Arbeitslagern eingesperrt. Auch unter dem neuen Führer Kim Jong-un wird die intensive Verfolgung fortgesetzt. Die Zahl der Flüchtlinge nach China ist hingegen 2012 stark zurückgegangen; etwa die Hälfte aller Fluchtversuche scheiterte.

Auf den Plätzen 2 und 3 folgen Saudiarabien und Afghanistan. Vor allem in Afrika hat die Christenverfolgung nach Angaben der Organisation zugenommen. Die afrikanischen Länder Mali, Tansania, Kenia, Uganda und Niger seien erstmals in dem Index der 50 Länder vertreten. Der islamische Extremismus sei eine Hauptquelle für systematische Christenverfolgung – acht der ersten zehn Länder auf dem Index sind islamisch geprägt.

Arabischer Winter für Christen

Mali auf Rang 7 und Eritrea an 10. Stelle sind die einzigen neuen Länder unter den Top Ten. Mali wurde im Vorjahr nicht auf dem Index geführt, Eritrea stand auf Rang 11. Folgende Länder Afrikas sind zudem vorgerückt: Äthiopien (von Platz 38 auf 15), Libyen (von 25 auf 17) und Tansania als Neueinsteiger auf Rang 24. Nigeria bleibt unverändert auf Platz 13, nachdem zahlreiche Christen und Kirchen von islamischen Extremisten der Boko Haram angegriffen wurden.

Der arabische Frühling hat sich für viele Christen definitiv in einen arabischen Winter verwandelt. Im Verlauf des syrischen Bürgerkrieges wurden der UNO zufolge bereits über 60'000 Menschen getötet. Christen werden in wachsendem Mass gezielt angegriffen, viele mussten bereits fliehen. Aufgrund dieser Entwicklung ist das Land vom 36. auf den 11. Rang vorgerückt.

Auch Libyen rangiert viel weiter vorne als noch im Vorjahr; das Land rückte von Platz 26 auf Platz 17. Die Anzahl der Christen brach in diesem Zeitraum völlig ein, vor allem wegen des Rückzuges ausländischer Christen aus dem Land. Die radikalislamischen Salafisten gewinnen immer mehr Einfluss. Dies geschieht auch in Tunesien, das von Rang 35 auf Rang 30 aufgestiegen ist.

Die Absteiger

Neben diesen Negativbeispielen gibt es jedoch auch eine Reihe von Ländern, in denen sich die Situation stark verbessert hat: So sind etwa Tschetschenien, die Türkei, Kuba, Weissrussland und Bangladesh vollständig aus dem Index verschwunden. Auch in China ist ein starker Rückgang zu verzeichnen: Das Land ist vom 21. auf den 37. Platz gefallen. Damit setzt sich ein längerfristiger Trend fort. 2010 stand China noch auf dem 13. Platz.

Der Bericht bezieht sich auf den Zeitraum zwischen November 2011 bis Ende Oktober 2012. Alljährlich bewertet das Hilfswerk die Religionsfreiheit für Christen in 50 Ländern anhand eigener Befragungen sowie anhand von Berichten über Übergriffe und Experteneinschätzungen. (rbi/sda)

Erstellt: 09.01.2013, 13:56 Uhr

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