Antisemiten im Schlaraffenland

Die US-Abgeordnete Ilhan Omar hält sich für unantastbar und verschärft ihren Ton gegen Israel. Die Republikaner fordern Strafen wegen ihrer Entgleisungen.

Ilhan Omar hielt flammende Appelle für die BDS-Bewegung, die Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen gegen Israel.

Ilhan Omar hielt flammende Appelle für die BDS-Bewegung, die Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen gegen Israel. Bild: Keystone

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Für Ilhan Omar muss sich die Welt der Politik momentan anfühlen wie ein Schlaraffenland. Die Kongressabgeordnete aus Minnesota kann sich offenbar beliebig Aussetzer erlauben, ohne dafür auch nur ansatzweise zur Rechenschaft gezogen zu werden. Das ist nicht nur erstaunlich, nein, es ist ein Skandal.

Omar, 37, ist eine der hochgejubelten US-Politikerinnen, die an den Midterms grössere Bekanntheit erlangt haben; in ihrem Fall, weil endlich, endlich auch muslimische Frauen gewählt wurden. Da hätte es nicht ins progressive, politisch korrekte Bild gepasst, wenn auch darauf hingewiesen worden wäre, dass die in Somalia geborene Demokratin eine fürchterliche Antisemitin ist. Lange vor ihrem politischen Durchbruch teilte sie auf Twitter ihre kruden, ja ungeheuren Thesen mit: Israel sei ein Apartheidstaat, hypnotisiere die Welt, und Allah solle doch bitte die Menschen aufwecken, damit sie diese «teuflischen Dinge» sehen.

Hinter unkritischen Beiträgen versteckt

Als sie dann doch zaghaft mit ihren problematischen Aussagen konfrontiert wurde, fühlte sie sich ertappt, wollte sich herauswinden, säuselte irgendwelche Floskeln – und versteckte sich hinter vielen unkritischen Beiträgen, in denen man fast zur Ansicht kommen konnte, bei ihr handle es sich um eine Heldin. Das hätte sie gar nicht gemusst: Von ihren Verbündeten, und davon gibt es (auch in den Medien) verblüffend viele, wird sie ohnehin nicht kritisiert.

Irgendwann hat sie dies wohl ebenfalls begriffen – und unantastbar, wie sie sich ja fühlen darf, verschärfte sie ihren Ton wieder, hielt flammende Appelle für die BDS-Bewegung, die Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen gegen Israel zum einzigen Ziel hat, sie delegitimierte förmlich das Existenzrecht der einzigen Demokratie im Nahen Osten.

Anstandslose und unbelegte Anschuldigungen

Am Sonntag gipfelten ihre antisemitischen Hasstiraden nun darin, dass sie republikanischen Politikern auf Twitter unterstellte, sie seien vom Aipac, dem American Israel Public Affairs Committee, bestochen.

Kevin McCarthy, der Fraktionsführer der Grand Old Party im Repräsentantenhaus, hatte für Omar – und Rashida Tlaib, ebenfalls eine muslimische und antisemitische Kongressabgeordnete – Strafen wegen ihrer Entgleisungen gefordert. Mehr nicht. Im durchaus simplen Denken dieser Politikerinnen ist ein solcher Appell, den man ja auch sachlich diskutieren könnte, offenbar Grund genug für anstandslose und unbelegte Anschuldigungen.

Dabei propagieren sie sich als Vorkämpferinnen für Minderheiten. Augenscheinlich gilt das aber nur, wenn es sich dabei nicht um Juden handelt. Eigentlich sollte man aber froh sein über solche Entgleisungen. Wer so denkt, wird schnell bestraft. Sollte man meinen. Wie in Teilen Europas, besonders in England, sind antisemitische Tiraden nun auch in den USA in linken Kreisen nicht mehr unerwünscht. Das ist beängstigend.

Besserung ist aber kaum in Sicht, obwohl über dieses Thema wohl noch nie so viel gesprochen wurde wie heute. Ausser scheinheiligen Bekenntnissen, die mit der Realität nichts zu tun haben, kommt von der Politik für die jüdischen Bürger: nichts. Wenn die Hetzer aber schon Teil von dieser sind, muss man sich auch nicht wundern. Antisemiten im Schlaraffenland. (Basler Zeitung)

Erstellt: 12.02.2019, 12:15 Uhr

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