Beunruhigende Nachrichten aus Libyen

Ghadhafi-Anhängern geht es schlecht seit dem Tod des Machthabers. Nun wurde bekannt, dass der ehemalige Frankreich-Botschafter des Landes möglicherweise zu Tode gefoltert wurde.

Den Milizen ausgeliefert: Ein Kind in einem Flüchtlingslager für verfolgte Ghadhafi-Anhänger in Bengasi. (31. Januar 2012)

Den Milizen ausgeliefert: Ein Kind in einem Flüchtlingslager für verfolgte Ghadhafi-Anhänger in Bengasi. (31. Januar 2012) Bild: Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In Libyen mehren sich die Hinweise auf Folterungen von Anhängern des getöteten Machthabers Muammar al-Ghadhafi. Die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch (HRW) warf heute libyschen Milizionären vor, den ehemaligen Frankreich-Botschafter des Landes zu Tode gefoltert zu haben.

Omar Brebesch sei am 19. Januar in Tripolis festgenommen worden. Die Leiche des 62-Jährigen habe am folgenden Tag im 100 Kilometer entfernten Sintan im Spital gelegen. Eine erste Untersuchung habe unter anderem gebrochene Rippen, Schnittwunden und offenbar auch ausgerissene Zehennägel offenbart.

Brebeschs Sohn Siad sagte HRW, sein Vater habe in Ermittlungen der Al-Schohada-Aschura-Miliz eingewilligt. Die Milizen im Land müssten endlich zur Rechenschaft gezogen werden, sagte Siad. Die Aschura-Miliz selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Untersuchung angekündigt

Gestern hat nach Berichten über Folter in libyschen Gefängnissen die Regierung des Landes eine Untersuchung angekündigt. Justizminister Ali Hamida Aschur sagte, die Verantwortlichen würden vor Gericht gestellt.

Zugleich übernahm sein Ministerium von ehemaligen Rebellen die Kontrolle über ein Gefängnis in einem Vorort der Hauptstadt Tripolis mit rund 1500 Häftlingen, die meisten von ihnen Anhänger des gestürzten Machthabers Muammar al-Ghadhafi.

Aschurs Angaben zufolge befanden sich die von den Folter-Vorwürfen betroffenen Gefängnisse überwiegend nicht unter der Kontrolle der Regierung. Wieviele Gefängnisse von Milizen kontrolliert werden, konnte der Minister nicht sagen.

Gefängnisse von Milizen geführt

Vergangene Woche hatten die Menschenrechtsorganisation Amnesty International und die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen berichtet, Folter und Misshandlung seien in von Militär- und Sicherheitskräften sowie von bewaffneten Milizen geführten Gefängnissen weit verbreitet.

Demnach trafen Mitarbeiter der Organisationen Gefangene in den Grossstädten Tripolis und Misrata sowie in kleineren Städten wie Gharijan, die deutliche Zeichen von erst kürzlich erlittener Folter aufwiesen. Ärzte ohne Grenzen beendete darauf die Arbeit in der Küstenstadt Misrata.

(kle/sda)

Erstellt: 03.02.2012, 23:15 Uhr

Bildstrecke

Libyen nach Ghadhafi

Libyen nach Ghadhafi Wahlen, Hoffnung und eine neue Freiheit, aber auch Gewalt, Waffenschwemme und Selbstjustiz: Libyen nach dem Tod des Herrschers.

Artikel zum Thema

Berichte über Folter in libyschen Gefängnissen

Bani Walid sei doch nicht von Ghadhafi-Anhängern eingenommen worden, heisst es aus Libyen. Das bestätigt auch ein UNO-Sondergesandter. Doch er sieht andere Probleme. Mehr...

Libyen möchte wieder mit der Schweiz geschäften

Die neue libysche Regierung macht einen Entscheid des ehemaligen Machthabers Muammar al-Ghadhafi rückgängig: Das Land hat die Wirtschafts- und Handelsboykotts gegen die Schweiz aufgehoben. Mehr...

«Die Menschen üben Selbstjustiz»

Zwei Monate nach dem Tod von Muammar al-Ghadhafi droht Libyen im Bürgerkrieg zu versinken. Rivalisierende Gruppen weigern sich, ihre Waffen niederzulegen. Mehr...

Service

Agenda

Alle Events im Überblick.

Kommentare

Blogs

Blog: Never Mind the Markets Der Ölpreis als Wirtschaftsseismograf

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Die Welt in Bildern

Gut verpackt: Im Logistikzentrum von Amazon in Hemel Hempstead (England) warten Unmengen an Paketen auf die Auslieferung. (14. November 2018)
(Bild: Leon Neal/Getty Images) Mehr...