Hintergrund

Das enttarnte Netzwerk der Islam-Hasser

Ein amerikanischer Thinktank hat versucht, die Verbindungen der Islam-Gegner in den USA zu erfassen. Er hat die wichtigsten Organisationen und Personen identifiziert, deren Einfluss sich bis nach Europa erstrecken soll.

Hass auf den Islam in den USA: Schilder, die letztes Jahr anlässlich einer geplanten Koranverbrennung durch Pater Terry Jones in Gainesville, Florida, aufgestellt wurden.

Hass auf den Islam in den USA: Schilder, die letztes Jahr anlässlich einer geplanten Koranverbrennung durch Pater Terry Jones in Gainesville, Florida, aufgestellt wurden. Bild: AFP

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Der Islam unterwandere die westliche Gesellschaft, warnen Muslim-Gegner in Europa und den USA. Doch geht es nach einer Studie des US-amerikanischen Center for American Progress (CAP), sind es eher die mächtigen Feinde des Islams, die mit viel Geld und geschickt platzierten Botschaften die Gesellschaft nachhaltig prägen, ohne dass sich diese der stetigen Einflussnahme bewusst ist.

Das CAP, ein Thinktank, der den Demokraten nahesteht, versucht in seiner Studie «Fear, Inc.» ein Bild der stärksten Gegner des Islams zu zeichnen. Unparteiisch ist das CAP aufgrund seiner politischen Ausrichtung zwar nicht, und die Studie entpuppt sich bei näherer Betrachtung auch eher als Faktensammlung denn als wissenschaftliche Arbeit. Immerhin stellt der Beitrag aber einen ersten Versuch dar, das islamophobe Netzwerk in den USA zu erfassen.

Laut den Autoren verfügt dieses über so viel Geld, dass es ihm spielend gelingt, in den Medien dauerpräsent zu sein und die politischen Diskussionen zu dominieren. 42,6 Millionen Dollar sammelte das Netzwerk zwischen 2001 und 2009. Die Hauptgeldgeber lassen sich gemäss dem CAP auf sieben Einrichtungen, vor allem Stiftungen, eingrenzen. Ihnen ist es laut der Studie zu verdanken, dass überhaupt ein so grosses Netzwerk von Experten, Akademikern, Institutionen und Bürgerorganisationen entstehen konnte, das fortwährend die Angst des Volkes vor Muslimen schüre.

Gelehrte und Ex-Terroristen

Zu den sogenannten «Experten der Fehlinformation» zählt die Studie fünf Personen: Frank Gaffney vom Center for Security Policy, David Yerushalmi (Society of Americans for National Existence), Daniel Pipes (Middle East Forum), Robert Spencer (Jihad Watch and Stop Islamization of America) sowie Steven Emerson vom Investigative Project on Terrorism. Sie alle würden mit falschen Fakten und verdrehten Argumenten die öffentliche Meinung beeinflussen, schreibt das CAP – zum Beispiel mit der Behauptung, US-Präsident Barack Obama sei ein Muslim. Robert Spencer soll zudem mit seinen Aussagen, die er auf seiner antiislamistischen Website verbreitet, den norwegischen Attentäter Breivik beeinflusst haben: 162-mal zitierte der Mann, der auf der Insel Ütoya ein Massaker anrichtete, den Gründer der Organisation Stop Islamization of America.

Neben diesen «Gelehrten» spielen gemäss der Studie «Fear, Inc.» eine Reihe weiterer Personen eine Rolle, die den Botschaften der Experten Glaubwürdigkeit verleihen sollen. Viele von ihnen haben selber muslimische Wurzeln und wirken deshalb umso seriöser. Ein Blick auf die Namen zeigt dies: Nonie Darwish von der Organisation Former Muslims United and Arabs for Israel figuriert auf der Liste, ebenso Zuhdi Jasser (American Islamic Forum for Democracy), Walid Phares (Future Terrorism Project) und Walid Shoebat, der sich als Ex-Terrorist ausgibt, der zur Vernunft gekommen ist.

Michele Bachmann ist begeisterte Anhängerin

Zu den Gelehrten und den Personen, die den antiislamischen Botschaften einen seriösen Anstrich verleihen sollen, gesellt sich schliesslich gemäss der Studie eine Gruppe von Aktivisten, etwa David Horowitz vom Freedom Center, Brigitte Gabriel (ACT! for America) oder Pamela Geller (Stop Islamization of America). Letztere soll behauptet haben, der Islam habe Adolf Hitler und den Faschismus beeinflusst. Zu den Polit-Grössen, die an den Lippen dieser Gruppe hängen, gehören gemäss der Studie mehrere Abgeordnete der Republikaner sowie Anhänger der Tea Party – etwa die republikanische Präsidentschaftskandidatin Michele Bachmann. (miw)

Erstellt: 02.09.2011, 21:16 Uhr

Robert Spencer über den Islam



(Video: Youtube)

David Yerushalmi über die Sharia



(Video: Youtube)

Frank Gaffney bei Glenn Beck



(Video: Youtube)

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