Hintergrund

Der mächtigste Militärberater der Welt

Barack Obama hat am heutigen Memorial Day Martin Dempsey als neuen Generalstabschef nominiert. Die Wahl des Generals überrascht und ist von Intrigen überschattet.

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Barack Obama will den Vier-Sterne-General Martin Dempsey zum neuen Generalstabschef ernennen. Der US-Präsident hat diese Personalentscheidung, die das Verteidigungsdepartement betrifft, am heutigen Montag, am Memorial Day, bekannt gegeben. Dempsey, der, sofern er die Zustimmung des Senats bekommt, seinen Posten am 1. Oktober antreten wird, kommandierte 2003 und 2004 im Irak eine Panzerdivision und leitete später die Ausbildung der irakischen Truppen. Der 59-Jährige geniesst im US-Kongress einen grossen Rückhalt. Er wird im Weissen Haus Teil des neuen Teams für nationale Sicherheit sein, zu dessen Herausforderungen der Afghanistan-Krieg, das Engagement im Nahen Osten und die drohenden Budgetkürzungen gehören.

Seine mögliche Ernennung zum Generalstabschef sorgte in der unabhängigen afghanischen Kabulpress.org für heftige Kritik. «Als amerikanischer Kommandant, der mit dem Wiederaufbau der irakischen Armee betraut war, war General Dempsey ein Versager.» Er habe in den Medien stets vorschnell von Fortschritt gesprochen, während die Lage sich dagegen verschlimmert habe. «Seine Nomination gefährdet Afghanistan.» Dempsey gehöre zu den «Konsens-Generälen», die sich für alles erwärmen würden, was in den USA gerade populär sei, egal, ob es im Interesse Afghanistans sei. «Dempsey wird strategische oder taktische Fehler nicht schnell korrigieren, er wird inkompetente Offiziere nicht entfernen, und niemand sollte von ihm mutige Entscheidungen erwarten», so Kabulpress.org.

Obama zu Cartwright: «Sie sind mein Mann»

Auch in den USA hat die mögliche Ernennung Dempseys für Erstaunen gesorgt. Der General war ja erst im April zum Heereschef ernannt worden. Als Favorit für den Posten galt eigentlich der Marinegeneral James E. Cartwright. Laut der «Washington Post» habe Obama Cartwright insgesamt dreimal gefragt, ob er sich vorstellen könnte, Generalstabschef zu werden. Cartwright, der seit 2007 Vize-Generalstabschef ist, habe zweimal abgewunken, er freue sich nach 40 Jahren Militärkarriere auf seine Pensionierung. In den vergangenen Monaten jedoch habe der 61-jährige Cartwright dann dem Präsidenten gesagt, er würde den Posten gerne übernehmen, wenn Admiral Mike Mullens Amtszeit beendet sei. «Sie sind mein Mann», soll Obama laut «Washington Post» da zu Cartwright gesagt haben.

Am 21. Mai habe Obama Cartwright zu einem Treffen unter vier Augen gebeten. Laut Vertrauten Cartwrights habe Obama ihm da gesagt, dass Admiral Mullen und Verteidigungsminister Robert Gates sich dafür stark gemacht hätten, dass er den Posten nicht bekomme, berichtet die «Washington Post». Cartwright hatte sich bei seinen Vorgesetzten Mullen und Gates unbeliebt gemacht, als er Obama auf dessen Anfrage 2009 eine unabhängige Einschätzung zu Afghanistan gegeben hatte. Während Mullen und Gates dafür plädierten, die Truppen in Afghanistan um 40'000 Mann aufzustocken, hatte Cartwright Obama einen Plan unterbreitet, der halb so viele Mann vorsah.

Eine angebliche Sexaffäre

Bald darauf hiess es aus militärischen Kreisen, Cartwright habe einen unkooperativen Führungsstil. Später machten Gerüchte die Runde, der General habe eine Affäre mit einer Untergebenen gehabt. Die Frau war auf Dienstreise auf einem Sofa in seinem Hotelzimmer ohnmächtig geworden, nachdem sie zu viel Alkohol konsumiert hatte. Eine interne Untersuchung kritisierte Cartwright zwar dafür, dass er die Untergebene für den Vorfall nicht disziplinierte, vom Vorwurf der sexuellen Beziehung, was in der Armee zwischen Vorgesetzten und Untergebenen verboten ist, wurde der General aber entlastet. Die Gerüchte brodelten dennoch weiter, vor allem, weil Cartwright und seine Frau sich kurz darauf trennten.

Ein weiterer Kandidat, der als Favorit für den Posten des Generalstabschefs gehandelt wurde, war der Kriegsheld David H. Petraeus, Kommandant der US-Truppen in Afghanistan. Mit Petraeus soll Obama aber laut der «Washington Post» nie warm geworden sein. Petraeus werden politische Ambitionen nachgesagt, nicht zuletzt, dass er irgendwann gerne für das US-Präsidentenamt kandidieren möchte. Seine engen Verbindungen zum ehemaligen Präsidenten George W. Bush dürften sich auch als Hindernis erwiesen haben. Obama ernannte ihn zum Nachfolger von CIA-Chef Leon Panetta, der neuer Verteidigungsminister wird. Ein guter Posten, aber das Ende einer militärischen Karriere. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.05.2011, 15:11 Uhr

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