Google versüsst die Arbeitsmoral

Eine saftige Lohnerhöhung soll den Auszug von Topleuten stoppen.

Die Gehälter der Google Mitarbeiter werden aufgestockt.

Die Gehälter der Google Mitarbeiter werden aufgestockt. Bild: Keystone

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Die frohe Kunde von der Lohnaufbesserung hatte Konzernchef Eric Schmidt diese Woche in einer vertraulichen E-Mail verschickt. Doch wenn er meinte, dass alle 23 000 Googlers dichthalten würden, sah er sich getäuscht. Seine E-Mail wurde umgehend an einen Techblog im Silicon Valley weitergeleitet und von den Zeitungen aufgegriffen. Und der etwas vorlaute Google-Mitarbeiter erhielt tags darauf die Kündigung.

«Ich glaube, wir haben die besten Angestellten der Welt. Punkt. Das intelligenteste, fähigste Team, das in dieser Grösse je gebildet wurde», lobt Schmidt. «Wir wollen sicherstellen, dass ihr für eure harte Arbeit belohnt werdet und wir weiterhin die besten Leute für Google finden können.» Das konkrete Angebot: Auf 2011 wird sämtlichen Voll- und Teilzeitbeschäftigten weltweit eine Lohnerhöhung von zehn Prozent gewährt. Das Geschenk wird noch versüsst mit einem Weihnachtsbonus von 1000 Dollar, und zwar steuerfrei, da Google die Steuern übernimmt. Experten schätzen die Kosten dieser Aktion auf 400 Millionen Dollar.

Bonus nicht mehr so gefragt

Das Angebot stützt sich auf interne Befragungen, die überraschend zeigen, dass die Googler heute weniger an einem Bonus oder einer Mitarbeiterbeteiligung interessiert sind als früher, sondern schlicht und einfach an Cash. Dies mag damit zusammenhängen, dass die Google-Aktie nach einem fulminanten Start im Jahr 2004, der das Papier von 100 auf 700 Dollar schleuderte, seit drei Jahren stagniert. Google sah sich im März 2009 gar gezwungen, die damals wertlosen Optionen der Mitarbeiter anzupassen, und zwar von einem Basiswert von 522 auf 308 Dollar. Seither hat sich der Preis fast verdoppelt.

Dennoch spielt das Geld offenbar eine wichtige Rolle für die Googlers, die Offerten von jüngeren Konkurrenten wie Facebook, Linkedin, Twitter oder Znyga haben. So erklärte Lars Rasmussen kürzlich seinen Wegzug zu Facebook damit, dass die neue Firma «sowohl finanziell wie von der Arbeit her weit attraktiver» sei. Rasmussen ist einer der Entwickler von Google Maps, die 2004 vom Konzern gekauft wurde. Sein neueres Projekt Google Wave allerdings hielt seine Versprechen nicht, und Google zog es vor kurzem aus dem Verkehr. Dieser Rückschlag ärgerte Rasmussen; der Konzern habe zu wenig Geduld aufgebracht, kritisierte er.

Facebook löst Google ab

Google-Designer Douglas Bowman kommentierte seinen Abgang letztes Jahr damit, dass der Konzern zu gross geworden sei und sich zu stark mit Detailfragen und Datensammeln beschäftige, was ihn langweile. Facebook ist eine beliebte Adresse für Xooglers geworden, wie die Ex-Googlers genannt werden. Geschäftsführerin Sheryl Sandberg, Mobilprodukte-Chef Erick Tseng, Werbe-Vizepräsident David Fischer und andere Topleute haben von Google zu Facebook gewechselt. Experten schätzen, dass Mark Zuckerberg zwischen 10 und 20 Prozent des Personals bei Google rekrutiert hat, um das rasante Geschäftswachstum zu meistern. Wie IBM, Yahoo oder Microsoft zuvor erlebt Google nun eine erste Abwanderungswelle, nachdem der Konzern noch bis vor kurzem in grossem Stil Experten der eingesessenen Firmen abwerben konnte.

Neben einem kleineren Team und weniger Bürokratie in einem Start-upUnternehmen winkt eben auch eine grössere finanzielle Belohnung. Firmen wie Facebook oder Twitter bereiten einen Börsengang vor und geben den zuziehenden Topleuten Optionspakete auf die Aktien aus, die nach einer Kotierung eine reiche Ausbeute versprechen. So wird Facebook – gemessen an den im Graumarkt gehandelten Aktien – mit über 30 Milliarden Dollar bewertet, und der erst 26-jährige Firmengründer Mark Zuckerberg ist bereits mehrfacher Milliardär. Solche Erfolgsgeschichten gäbe es eben nur einmal in zehn Jahren, sagt Rasmussen. Google Schweiz wollte gestern keine Stellungnahme abgeben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.11.2010, 10:48 Uhr

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