McCains letzte Botschaft an Trump und die USA

Kurz vor seinem Tod hat Senator John McCain seine Landsleute vor einer Spaltung gewarnt. Präsident Trump hat ihn nun doch noch gewürdigt.

Ein stolzer Patriot: John McCain richtete noch einmal das Wort an seine Nation. (Archiv)

Ein stolzer Patriot: John McCain richtete noch einmal das Wort an seine Nation. (Archiv) Bild: Carolyn Kaster (AP)/Keystone

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Nach massivem öffentlichem Druck hat US-Präsident Donald Trump den verstorbenen Senator John McCain und dessen Dienste doch noch in einer offiziellen Mitteilung gewürdigt.

Trump ordnete am Montagnachmittag (Ortszeit) zudem an, die US-Flaggen an Regierungsgebäuden bis zur Beerdigung seines parteiinternen Rivalen an diesem Sonntag auf Halbmast zu setzen.

Trotz politischer Differenzen «respektiere ich Senator McCains Dienst an unserem Land», hiess es in einer Mitteilung des US-Präsidenten. Trump teilte weiter mit, er habe Stabschef John Kelly, Verteidigungsminister James Mattis und Sicherheitsberater John Bolton gebeten, seine Regierung bei dem Gedenkgottesdienst für McCain zu vertreten.

Zugleich erklärte Trump, Vize-Präsident Mike Pence werde am Freitag bei einer Gedenkveranstaltung im Kapitol in Washington für den verstorbenen McCain sprechen. Der US-Präsident hatte der Familie McCains per Twitter kondoliert, in dem knappen Tweet aber McCains Leben und Wirken nicht gewürdigt.

First Lady Melania Trump hatte McCain dagegen ausdrücklich für dessen Dienst an der Nation gedankt. Auch Vizepräsident Mike Pence hatte McCains lebenslangen Dienst im Militär und in der Politik gewürdigt. «Gott segne John McCain», schrieb er. Trumps Sprecherin Sarah Sanders hatte McCain «einen grossen Amerikaner» genannt.

Kritik der Veteranenverbände

Die «Washington Post» berichtete am Montag, Trump habe eine offizielle Würdigung der Verdienste McCains im Militär und im Senat abgelehnt. In einem später nicht veröffentlichten Entwurf für eine Würdigung sei der Vietnam-Kriegsveteran als «Held» bezeichnet worden. Unter anderem Veteranenverbände der US-Armee äusserten ihre Kritik an Trumps Verhalten.

Video: Das Leben von John McCain

Therapie am Ende aufgegeben: Der 81-jährige Republikaner starb am Samstag in seinem Haus in Arizona an Krebs. (Video: Tamedia)

Die US-Flagge am Weissen Haus war am Samstagabend nach dem Tod des Senators auf Halbmast gesetzt worden, am Montag aber wieder voll gehisst worden. Nach der Verfügung Trumps wurde sie dann ein weiteres Mal auf Halbmast gesetzt.

Trump hatte McCain verhöhnt

McCains Verhältnis zu Trump war stark belastet. Während des Präsidentschaftswahlkampfs hatte Trump den Veteranen, der mehr als fünf Jahre in Kriegsgefangenschaft des Vietcong verbrachte und gefoltert worden war, übel verhöhnt. Für ihn sei McCain «kein Held», sagte Trump, der selbst einst den Wehrdienst umgangen hatte: «Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden, okay?»

McCain war einer der schärfsten Kritiker Trumps in der republikanischen Partei. Noch vom Krankenbett aus setzte McCain wenige Wochen vor seinem Tod eine Erklärung mit vernichtender Kritik an Trumps Treffen mit Kreml-Chef Wladimir Putin ab. Zudem liess er verbreiten, dass er Trump nicht als Trauergast bei seiner Beerdigung wolle. Stattdessen wünschte er sich laut Medienberichten, dass der demokratische Ex-Präsident Obama und Ex-Präsident George W. Bush bei der Trauerfeier reden.

McCains Vermächtnis

Der langjährige McCain-Vertraute Rick Davis verlas am Montag einen Abschiedsbrief des Verstorbenen an seine Mitbürger, in dem dieser die Amerikaner zur Geschlossenheit aufrief. «Wir sind Bürger der grossartigsten Republik der Welt, einer Nation von Idealen, nicht von Blut und Boden», hiess es in dem Schreiben. Bei allen Meinungsverschiedenheiten «hatten wir immer so viel mehr gemeinsam miteinander, als dass wir uneins waren».

John McCain in Vietnam

Er grenzte sich in seiner Abschiedsbotschaft ein letztes Mal von US-Präsident Donald Trump ab: Die USA würden schwächer, «wenn wir uns hinter Mauern verstecken anstatt sie niederzureissen, wenn wir an der Kraft unserer Ideale zweifeln anstatt ihnen zu vertrauen und sie als die grösste Kraft für den Wandel zu sehen.»

Aufbahrung im Kapitol

McCain zählte als Fachmann in der Aussen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu den prominentesten Mitgliedern des US-Kongresses. Er erwarb sich über die Parteigrenzen hinweg grosse Anerkennung.

Vor der Beerdigung soll der Sarg des streitbaren Politikers am Mittwoch in Phoenix in McCains Heimatstaat Arizona öffentlich aufgebahrt werden, für Donnerstag ist dort ein Gottesdienst geplant.

Am Freitag soll der Sarg im Kapitol der US-Hauptstadt Washington stehen, für Samstag ist eine Trauerfeier in der Washingtoner National-Kathedrale geplant. Während die Gedenkveranstaltungen in Arizona und im Kapitol öffentlich sind, ist die Teilnahme an der Trauerfeier in der Kathedrale nur auf Einladung möglich.

Davis sagte, Trauerreden in der Kathedrale würden unter anderem die Ex-Präsidenten Barack Obama und George W. Bush halten. McCain werde am Tag darauf auf dem Gelände der Marineakademie in Annapolis im US-Bundesstaat Maryland beigesetzt.

McCain hätte an diesem Mittwoch seinen 82. Geburtstag gefeiert. Er war sechsmal als Vertreter von Arizona in den US-Senat gewählt worden. Im Jahr 2000 versuchte er sich erstmals als Präsidentschaftsbewerber, 2008 ein zweites Mal und wurde Kandidat seiner Partei, unterlag dann aber Obama. (fal/chk/sda)

Erstellt: 28.08.2018, 07:00 Uhr

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