Neue Absurditäten aus der Embargo-Küche

US-Staatsbürger aus dem angeblich freisten Land der Welt dürfen zwar nach Kuba reisen. Geld ausgeben dürfen sie dort aber im Prinzip nicht.

Ende der Sorglosigkeit. US-Touristen müssen sich im Kuba-Urlaub neu an einer zwölf Seiten langen Liste von verbotenen Orten und Produkten orientieren.

Ende der Sorglosigkeit. US-Touristen müssen sich im Kuba-Urlaub neu an einer zwölf Seiten langen Liste von verbotenen Orten und Produkten orientieren. Bild: Keystone

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Auf seinen grossen Baustellen wie Obamacare oder der Steuer- und Einwanderungspolitik kommt US-Präsident Donald Trump keinen Schritt weiter. Aber detailversessen kümmert sich seine Administration um eines der wohl wichtigsten Probleme der USA: Dürfen US-Staatsangehörige als Touristen nach Kuba reisen, und wenn ja: Was dürfen sie dort alles nicht?

Unter Ex-Präsident Obama fand eine leichte Enteisung des seit 1959 gestörten Verhältnisses zwischen den USA und der inzwischen letzten Insel des Sozialismus statt: Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen und Lockerung der Reiserestriktionen. Seither schwoll die Welle von US-Touristen an, die selber einen Augenschein nehmen wollten, wie es denn auf Kuba so zu und her geht. Im Jahr 2016 waren es knapp 300'000.

Coca-Cola erlaubt, Tropicola nicht

So nicht, sagt die Trump-Regierung. Vor einem Monat gab sie eine Reisewarnung wegen mysteriöser akustischer Angriffe auf Angehörige der US-Botschaft in Havanna heraus. Und vor einigen Tagen wurde eine Liste mit neuen Restriktionen veröffentlicht. US-Bürger dürfen nicht mehr länger als Individualtouristen Kuba besuchen, sondern nur im Rahmen von Reisegruppen. Zudem dürfen sie in keinen Installationen Geld ausgeben, die dem kubanischen Militär gehören. Das ist aber gar nicht so einfach, denn dem militärisch-industriellen Komplex gehört auf Kuba fast alles.

Das US-Aussenministerium hat eine insgesamt zwölf Seiten umfassende Liste von verbotenen Orten und Produkten für US-Touristen publiziert. Dazu gehört das neu eröffnete Luxushotel «Manzana Kempinski» in Havanna, auch das «Ambos Mundos», in dem Schriftsteller Ernest Hemingway noch legal absteigen durfte. Aber immerhin: Die «Bodegita del Medio», eine der Lieblingstränken des US-Schriftstellers, darf besucht werden. Doch das Militär lauert überall, die «Tienda Muñecos de Leyenda», ein Puppenladen, ist beispielsweise off limits für US-Touristen. Ihren Durst dürfen sie auch nicht mit Tropicola löschen – mit Coca-Cola hingegen schon, obwohl dieses US-Produkt eigentlich dem Handelsembargo unterliegt.

Auch beim Bestellen von Drinks ist Vorsicht angebracht: Weder Ron Caney noch Ron Varadero darf die Kehlen von US-Bürgern benetzen. Also muss der US-Tourist darauf achten, dass sein «Cuba Libre» ausschliesslich mit Coca-Cola und Havana Club gemixt wird. Bedauerlich auch, dass modebewusste Amis nicht im Fashion-Laden «La Maisón» shoppen dürfen.

Unzählige Restriktionen

Sie dürfen hingegen eine Kuba-Kreuzfahrt buchen, die von Miami aus in See sticht, schliesslich ist das Big Business, und die entsprechende Lobby konnte in Washington durchsetzen, dass diese Ausflüge nicht gestrichen werden. Sobald der US-Tourist kubanischen Boden betritt, wird es aber eigentlich unmöglich für ihn, alle Restriktionen zu befolgen. Denn die lange Liste der verbotenen Orte und Produkte wird von verbotenen Firmen angeführt. Dazu gehören Gaviota und Habaguanex, zwei der grössten kubanischen Tourismus-Veranstalter.

Noch schlimmer: Hier wird auch Cimex aufgeführt, der Staatsmonopolbetrieb, der sämtliche Importe und Exporte kontrolliert – und GAESA. Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich die militärische Holding, die faktisch das gesamte Wirtschaftsleben Kubas beherrscht.

Dürfen US-Staatsbürger aus dem angeblich freisten Land der Welt nun nach Kuba reisen oder nicht? Darauf gibt die Trump-Administration eine Antwort wie Radio Eriwan: Im Prinzip ja. Sie können sich sogar ganz bequem über Airbnb eine angenehme Unterkunft reservieren und einen Direktflug nach Kuba von diversen US-Städten aus buchen.

Geld ausgeben dürfen sie aber auf Kuba im Prinzip nicht. Zudem müssen alle Reiseunterlagen fünf Jahre lang aufbewahrt werden, zuhanden einer möglichen Inspektion. Wer denkt: Na und, da passiert doch nichts, kennt die US-Gesetze nicht. Es gibt den «Trading with the Enemy Act», der inzwischen nicht einmal mehr für Nordkorea, aber ausschliesslich für Kuba gilt und jeglichen Handel mit Feinden der USA unter schwere Strafen stellt. Dazu gehören hohe Bussen und sogar Gefängnisaufenthalte von mehreren Jahren.

Es ist gut zu wissen, dass die US-Regierung mit der nötigen Sorgfalt und Energie dafür sorgt, dass zumindest US-Bürger vor allen Gefahren geschützt werden, die von Kuba ausgehen. Zu bedauern sind hingegen Schweizer Touristen, die sich bequem per Direktflug, ungeschützt und ohne jegliche Restriktionen, ein eigenes Bild von Kuba verschaffen können. (Basler Zeitung)

Erstellt: 15.11.2017, 16:17 Uhr

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