«Putin spielt mit Trump»

Zwei frühere Geheimdienstchefs der USA sprechen Klartext zur Russland-Affäre. Donald Trump halten sie Naivität, Ignoranz und Angst vor.

Sie widersprechen Donald Trump: Ex-CIA-Chef John Brennan (links) und James Clapper (rechts), Ex-Leiter der US-Geheimdienste, beide unter Barack Obama im Amt.

Sie widersprechen Donald Trump: Ex-CIA-Chef John Brennan (links) und James Clapper (rechts), Ex-Leiter der US-Geheimdienste, beide unter Barack Obama im Amt. Bild: Reuters

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US-Präsident Donald Trump glaubt den Dementis von Kreml-Chef Wladimir Putin in der Frage russischer Manipulationen im US-Wahlkampf. «Er hat mir absolut beteuert, dass er sich nicht in unsere Wahl eingemischt hat», sagte Trump am Wochenende nach einem Austausch mit Putin am Rande des Apec-Gipfels in Vietnam. «Ich glaube wirklich, dass er das, was er mir sagt, auch so meint», erklärte der US-Präsident.

Die Aussagen Trumps sind in seiner Heimat erwartungsgemäss nicht unwidersprochen geblieben. Ausgerechnet zwei frühere Geheimdienstchefs der USA haben sich mit klaren Äusserungen zu Wort gemeldet. John Brennan, Direktor der CIA von 2013 bis 2017, und James Clapper, Nationaler Geheimdienstdirektor von 2010 bis 2017, sagten in einer CNN-Sendung am Sonntag, dass Trump von Putin manipuliert werde.

John Brennan und James Clapper nehmen Stellung zur Russland-Affäre. Quelle: Youtube/CNN

«Putin spielt mit Trump», sagte Clapper. Trump lasse sich allzu leicht umgarnen. Jeder, der ihm den roten Teppich ausrolle, könne ihn manipulieren. «Die Russen können ihn um den Finger wickeln, aber auch die Chinesen», meinte der frühere Chef der amerikanischen Geheimdienste. Ex-CIA-Chef Brennan bezeichnete Russland als Risiko für die nationale Sicherheit der USA. Das Verneinen der russischen Einflussnahme bei der Trump-Wahl verkenne die vom Kreml ausgehende Gefahr für die USA. Brennan sieht im Verhalten von Trump «Naivität, Ignoranz und Angst». Im Raum stehen immer noch die unbestätigten Enthüllungen eines britischen Agenten, wonach der Kreml kompromittierendes Material über den US-Präsidenten besitzen soll.

Die US-Geheimdienste waren im Januar zu dem Schluss gekommen, Putin habe eine Beeinflussung des US-Wahlkampfs angeordnet. So sollen unter anderem Hacker peinliche E-Mails von Trumps Konkurrentin Hillary Clinton ausgespäht und veröffentlicht haben. Zudem soll im Auftrag Russlands Anti-Clinton-Propaganda in sozialen Netzen verbreitet worden sein. Trump und Putin bestreiten die Vorwürfe.

Bei seinem Treffen mit Putin in Vietnam kritisierte Trump scharf die Erkenntnisse der US-Geheimdienste über die russische Einflussnahme auf die US-Präsidentenwahl. Gleichzeitig warf Trump den früheren Geheimdienstchefs sowie dem entlassenen FBI-Chef James Comey politisch motiviertes Verhalten gegen seine Person vor.

CIA-Chef Pompeo bestätigt frühere Russland-Berichte

Nachdem Brennan und Clapper auf CNN dem Präsidenten vorgeworfen hatten, die US-Geheimdienste diskreditieren zu wollen, meldete sich Trump nochmals zu Wort. Er vertraue den Geheimdiensten unter der heutigen Führung, also unter den Nachfolgern von Brennan und Clapper. Allerdings: Der amtierende CIA-Direktor Mike Pompeo bekräftigte, dass der US-Auslandsgeheimdienst Moskau weiterhin der Einmischung in den Wahlkampf beschuldige. Er halte am Bericht der US-Geheimdienste vom Januar 2017 fest, hiess es in Pompeos Erklärung, die der Nachrichtensender CNN veröffentlichte. Die Schlussfolgerungen der Dienste hätten sich nicht geändert.

Anlässlich seines Treffens mit Putin betonte Trump die Notwendigkeit einer guten Beziehung der USA zu Russland. Seine Kritiker attackierte er mit scharfen Worten: «Wann werden all die Hasser und Dummköpfe da draussen erkennen, dass eine gute Beziehung zu Russland eine gute Sache ist, keine schlechte Sache.» Er wolle die Konflikte um Nordkorea, Syrien, die Ukraine und den Terrorismus lösen, Russland könne dabei «grosse Hilfe» leisten, liess der US-Präsident auf Twitter verlauten.

In den USA geht derzeit Sonderermittler Robert Mueller der Frage nach, ob es im US-Präsidentschaftswahlkampf illegale Absprachen von Trumps Team mit russischen Regierungsvertretern gegeben hat. In dieser Sache hat sich Russlands Präsident anlässlich des Apec-Gipfels hinter Trump gestellt. Die Anklage gegen den früheren Trump-Wahlkampfmanager Paul Manafort wegen Geldwäscherei und Verschwörung habe mit Russland nichts zu tun, sagte Putin. Die Verbindung zwischen Manafort und Russland sei von Gegnern Trumps konstruiert worden. Diese sollten als Waffe gegen den US-Präsidenten genutzt werden. Trump hat Muellers Ermittlungen wiederholt als politisch motivierte «Hexenjagd» gegen seine Person kritisiert.

Artikel mit Material der Nachrichtenagenturen SDA und DAPD. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.11.2017, 17:02 Uhr

Donald Trump in Manila

Keine Kritik an «Drogenkrieg» von Duterte

US-Präsident Donald Trump ist heute Montag vom philippinischen Staatschef Rodrigo Duterte in Manila empfangen worden. Der US-Präsident verzichtete darauf, den brutalen Anti-Drogen-Kampf von Duterte zu brandmarken. Trump war vor dem Treffen von vielen Seiten aufgefordert worden, beim Treffen auch die Todesschwadronen auf den Philippinen anzusprechen. Duterte ist wegen seines brutalen Vorgehens gegen Drogenkriminelle mit Tausenden Toten höchst umstritten. Er wird auch wegen seines Regierungsstils scharf kritisiert.

Nach dem Treffen gab es widersprüchliche Angaben, ob der US-Präsident die Menschenrechte angeschnitten hat. Trumps Sprecherin Sarah Sanders sagte: «Menschenrechte kamen kurz im Zusammenhang mit dem Kampf der Philippinen gegen illegale Drogen zur Sprache.» Es sei um den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und Handelsfragen gegangen. Dutertes Sprecher Harry Roque sagte jedoch, über Menschenrechte oder ungesetzliche Tötungen sei in der gut 40-minütigen Unterredung gar nicht gesprochen worden. Duterte habe von sich aus über die «Drogenplage» in seinem Land berichtet. Trump habe dazu keine rechte Position gehabt, aber mehrfach zustimmend genickt.

Roque sagte weiter, Trump habe wörtlich gesagt, er sei immer schon ein Freund der Regierung Duterte gewesen, anders als frühere Regierungen. Duterte hatte Trumps Vorgänger Barack Obama öffentlich als Hurensohn beschimpft. Trump sagte, er habe ein gutes Verhältnis zu Duterte.

Die beiden Staatschefs trafen sich am Rande des Gipfels der südostasiatischen Staatengemeinschaft, der noch bis Donnerstag dauert. Der Auftakt wurde von Protesten begleitet, bei welchen auch der US-Präsident kritisiert wurde. Fast 2000 Demonstranten zogen durch Manila und riefen Anti-Trump-Slogans. (vin/sda)

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