Reagans Tochter äussert sich zu Trumps Richterkandidaten

Patti Davis schaltet sich in die Debatte um Brett Kavanaugh ein – und offenbart, dass sie selbst vergewaltigt wurde.

«Jahrzehntelang habe ich niemandem davon erzählt – auch nicht meinem Ehemann»: Patti Davis. (Archivbild aus dem Jahr 2016) Bild: Chris Pizzello/AP/Keystone

«Jahrzehntelang habe ich niemandem davon erzählt – auch nicht meinem Ehemann»: Patti Davis. (Archivbild aus dem Jahr 2016) Bild: Chris Pizzello/AP/Keystone

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Mit einem erschütternden Bericht hat sich die Tochter des früheren US-Präsidenten Ronald Reagan in die Debatte über den Supreme-Court-Anwärter Brett Kavanaugh eingeschaltet. In der «Washington Post» schrieb die 65 Jahre alte Patti Davis am Freitag, sie sei vor etwa 40 Jahren vergewaltigt worden. Ein Musikmanager habe sie damals in seinem Büro missbraucht.

Davis schrieb ihren Gastbeitrag in der «Washington Post» vor dem Hintergrund, dass eine Psychologie-Professorin aus Kalifornien, Christine Blasey Ford, Kavanaugh beschuldigt, er habe sie anfangs der 1980er Jahre zu vergewaltigen versucht. US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag Unverständnis geäussert, warum sie den Vorfall nicht damals gleich angezeigt habe.

In ihrem Gastbeitrag solidarisierte sich Davis mit Ford. Die Tochter Reagans habe selbst jahrzehntelang niemandem von der Vergewaltigung erzählt – «keinen Freunden, keinem Partner, keinem Therapeuten, auch nicht meinem Ehemann, als ich Jahre später heiratete». «Ich fühlte mich alleine, ich habe mich geschämt, und ich war angewidert von mir selbst», schrieb sie.

Deshalb wundere es sie keineswegs, dass auch Ford so lange geschwiegen habe, schreibt Davis. Sie äusserte auch Verständnis dafür, dass die Frau nicht alle Details des mutmasslichen Übergriffs benennen könne. Bei traumatischen Erlebnissen blende die Erinnerung gewisse Dinge einfach aus.

«Sein Atem roch nach Kaffee und altem Brot»

Davis' Bericht des Erlebten ist erschütternd: Sie habe eine Kassette ihrer Musik zum Treffen mit dem Musikmanager mitgebracht. «Aber ich erinnere mich nicht, was er über die Songs gesagt hat», so Davis. Dann habe sie realisiert, dass alle gegangen waren und die zwei allein im Büro waren. Auch einige von Davis' Erinnerungen sind ganz oder teilweise verwischt. «Als er ein Fläschchen Kokain aus seiner Schreibtischschublade zog und anfing, Linien auf einem kleinen Spiegel zu ziehen, bin ich mir zu 90 Prozent sicher, dass ich sein Angebot abgelehnt habe – nicht weil ich keine Drogen genommen habe, sondern weil ich mich unwohl fühlte.»

Doch was als Nächstes geschah, sei «unauslöschlich»: «Er ging durch den Raum und war auf mir – so schnell – mit seinen Händen unter meinem Rock und seinem Mund auf meinem, sodass ich erstarrte. Ich lag da, als er in mich eindrang. Sein Atem roch nach Kaffee und altem Brot. Er benutzte kein Kondom.»


«Warum hat vor 36 Jahren niemand das FBI angerufen?»US-Präsident Donald Trump hat im Fall der Forscherin, die dem Richterkandidaten Kavanaugh sexuelle Gewalt vorwirft, den Ton verschärft.


Am Freitagmorgen (Ortszeit) hatte Trump in mehreren Tweets die Glaubwürdigkeit Fords in Frage gestellt und den beschuldigten Richter erneut in Schutz genommen. Auf Twitter schrieb Trump, er habe keine Zweifel: «Sollte der Angriff auf Dr. Ford wirklich so schlimm gewesen sein, wie sie sagt, hätten schon damals entweder sie oder ihre liebevollen Eltern Anklage bei den örtlichen Strafverfolgungsbehörden eingereicht.» Das 36 Jahre lange Stillschweigen der Frau ist einer der grössten Kritikpunkte des Kavanaugh-Lagers.

Das löste heftige Proteste aus. Unter dem Hashtag #WhyIDidntReport solidarisierten sich im Laufe des Freitags zehntausende Frauen und Männer mit Ford. Auf Twitter teilten sie ihre persönlichen Missbrauchserfahrungen mit und legten offen, warum sie diese nicht zur Anzeige gebracht hatten.

Erklärungen für das Schweigen

Unter dem Hashtag werden nun Erklärungen für das lange Schweigen geliefert: Bereits zwei Stunden nach den Trump-Tweet war der Hashtag einer der weltweit am häufigsten verwendeten. Bis zum Nachmittag (Ortszeit) wurden über 130'000 Posts mit dem Hashtag abgesetzt.

In einem Tweet, der über 3000 Mal geteilt wurde, schilderte die Schauspielerin Ashley Judd: «Das erste Mal, als ich vergewaltigt wurde, war ich sieben. Ich habe es den ersten Erwachsenen erzählt, die mir begegnet sind. Sie sagten: Oh, er ist ein netter alter Mann. Er hat es nicht so gemeint. Als ich mit 15 wieder vergewaltigt wurde, habe ich es nur meinem Tagebuch erzählt.»

Senat muss Kavanaugh bestätigen

Trump hatte Kavanaugh als Richter für den Supreme Court vorgeschlagen. Der US-Senat muss die hochrangige Personalie bestätigen. In der kommenden Woche sollen beide vor einem Ausschuss des US-Senats zu der Sache aussagen. Über die genauen Bedingungen und den Zeitplan einer solchen Anhörung wird noch verhandelt.

(oli/sda)

Erstellt: 22.09.2018, 17:28 Uhr

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