Senator bestätigt: Trump sprach «wiederholt» von «Dreckslöchern»

Der ranghohe US-Senator Dick Durbin bestätigt, dass sich Präsident Donald Trump «rassistisch» über die Einwanderung in die USA geäussert habe. Der Aufschrei ist gewaltig.

Sprache aus der untersten Schublade: Donald Trump löst mit seinem «Drecksloch» heftige Reaktionen aus.

Sprache aus der untersten Schublade: Donald Trump löst mit seinem «Drecksloch» heftige Reaktionen aus. Bild: Carolyn Kaster/Keystone

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US-Präsident Donald Trump hat bei einem Treffen zur Einwanderungspolitik die Aufnahme von Migranten aus Haiti und afrikanischen Staaten in Zweifel gezogen. Er bezeichnete diese als «Drecksloch-Länder».

Der hochrangige Senator Dick Durbin von den oppositionellen Demokraten bestätigte am Freitag, Trump habe beim Treffen von «Drecksloch-Ländern» gesprochen. Der Präsident habe «exakt dieses Wort» benutzt und zwar «nicht nur einmal, sondern wiederholt», fügte Durbin hinzu. Der Senator bezeichnete Trumps Äusserungen als «hasserfüllt», «abscheulich» und «rassistisch». Zuvor hatte Trump in einer missverständlichen Stellungnahme Meldungen über seine Wortwahl zurückgewiesen.

«Der Präsident sagte Sachen, die hasserfüllt, abscheulich und rassistisch waren»: Senator Dick Durbin spricht vor den Medien. (12. Januar 2018) Video: Twitter/CNN

Ein Überblick der Medienberichte

Zuvor hatten verschiedene US-Medien die Äusserungen Trumps publik gemacht, darunter die «New York Times» und die «Washington Post».

  • Einem von zwei Insidern zufolge sagte Trump bei einer Besprechung mit zwei Senatoren im Weissen Haus: «Warum wollen wir diese Leute aus Afrika hier haben? Das sind Drecksloch-Länder... Wir sollten mehr Leute aus Norwegen haben.» Der zweiten mit der Unterhaltung vertrauten Person zufolge zog Trump zudem in Zweifel, dass Menschen aus Haiti in die USA kommen sollten.
  • Eine dritte Person sagte, Trump habe gefragt, warum die USA ungelernte Arbeiter aus den betroffenen Ländern aufnehmen sollten, anstatt Migranten aus Staaten willkommen zu heissen, die qualifizierte Arbeitskräfte anbieten könnten. Trump habe nicht beabsichtigt, jemanden mit seinen Äusserungen zu beleidigen.
  • Ein Sprecher des US-Präsidialamtes sagte: «Bestimmte Politiker in Washington haben sich entschieden, sich für andere Länder einzusetzen, aber Präsident Trump wird immer für die Amerikaner kämpfen.» Das Weisse Haus bestritt die Trump zugeschriebenen Äusserungen nicht.

Die republikanische Kongressabgeordnete Mia Love, Tochter haitianischer Einwanderer, nannte das Zitat in einem Tweet am Donnerstag (Ortszeit) «spaltend» und einen Schlag gegen die Werte des Landes. Sie forderte Trump auf, sich beim amerikanischen Volk und bei den betroffenen Ländern zu entschuldigen.

Video: Philip Mudd kann es kaum glauben

Der Ex-CIA-Mann empört sich auf CNN über Trumps Aussage. (Video: Tamedia/CNN)

Auch andere Republikaner sowie Demokraten reagierten auf Trumps Worte empört. Der Zeitung «USA Today» zufolge forderte der republikanische Senator Orrin Hatch aus Utah eine detaillierte Erklärung der Äusserung. Zugleich betonte er, Immigranten - aus welchem Land auch immer - machten die USA «besonders».

UNO: Trump-Wortwahl «rassistisch»

Der demokratische Senator Richard Blumenthal bezeichnete Trumps Worte auf Twitter als «unverhohlenen Rassismus» und «schamlosen Verrat amerikanischer Werte».

Die UNO hat die Wortwahl von US-Präsident Donald Trump zu bestimmten Herkunftsländern von Migranten scharf verurteilt. «Sollte sich das bestätigen, sind das schockierende und beschämende Äusserungen durch den Präsidenten der Vereinigten Staaten», sagte der Sprecher des UN-Menschenrechtsbüros in Genf, Rupert Colville, am Freitag. «Man kann das nicht anders nennen als 'rassistisch'», fügte er hinzu.

Scharfe Kritik aus Afrika

Der Kommentar «widerspricht jeglichem akzeptablen Verhalten», sagte am Freitag Ebba Kalondo, eine Sprecherin des Chefs der Kommission der Afrikanischen Union (AU). «Es ist besonders überraschend, da die USA noch immer ein weltweites Beispiel dafür sind, wie Migration eine Nation geschaffen hat, die auf starken Werten von Vielfalt und Chancen beruht.» Die Kommission sei «beunruhigt» über die Äusserung, sagte Kalondo.

Es sei «beleidigend», derartige abwertende Kommentare zu machen, twitterte die südafrikanische Regierungspartei African National Congress (ANC). Einige nahmen es auch mit Humor: «Guten Morgen aus dem besten schönsten »Drecksloch-Land« der Welt!!!», twitterte eine Moderatorin des südafrikanischen TV-Senders SABC, Leanne Manas.

Verschiedene Aufnahmeprogramme

Anlass der Besprechung war den Angaben zufolge ein Bericht von Senator Dick Durbin von den Demokraten und dem republikanischen Senator Lindsey Graham über ein neues Migrationsgesetz, das von beiden politischen Lagern ausgearbeitet wurde. Die Senatoren erklärten demnach, wie bestimmte Programme funktionieren, darunter eines zur Aufnahme von Flüchtlingen, deren Heimat von Naturkatastrophen oder inneren Unruhen heimgesucht wurden.

Trump will dieses Programm beenden. So hatte seine Regierung erst vor wenigen Tagen beschlossen, etwa 200'000 Salvadorianern den besonderen Schutzstatus ab September kommenden Jahres zu entziehen.

Der Senat indes will das Programm beibehalten und im Gegenzug ein Losverfahren auslaufen lassen, durch das 50'000 Menschen pro Jahr aus Ländern in die USA kommen dürfen, aus denen vergleichsweise wenige Migranten stammen.

Erstellt: 12.01.2018, 12:26 Uhr

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