«Shutdown» in Minnesota – ein US-Bundesstaat steht still

Die Nationalparks und der Zoo bleiben geschlossen, Bauarbeiten an Schnellstrassen wurden eingestellt. 22'000 Staatsangestellte bleiben zu Hause. Ein Vorgeschmack auf das, was ganz Amerika droht.

Konnte sich mit den politischen Gegnern nicht auf ein Budget einigen: Der demokratische Gouverneur Mark Dayton. Bild: Keystone

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Seit Freitag ist Minnesota zahlungsunfähig. Der demokratische Gouverneur Mark Dayton und die republikanische Mehrheit im Capitol des US-Staats konnten sich auf keinen gemeinsamen Haushalt einigen. Mindestens bis morgen Dienstag stehen deshalb weite Teile der Verwaltung still.

Die weitgehende Einstellung der Regierungstätigkeit gibt einen Vorgeschmack auf das, was im ganzen Land droht, sollten sich US-Präsident Barack Obama und seine republikanischen Gegenspieler im Kongress nicht bald auf einen neuen Haushalt verständigen.

Ebenso wie in Minnesota stehen sich die Parteien auch in Washington unversöhnlich gegenüber. Um das Defizit auszugleichen, wollen die Demokraten die Steuern erhöhen, während die Republikaner auf Ausgabenkürzungen setzen.

Wegen des sogenannten «Shutdowns» bleiben in Minnesota nun Parks und öffentliche Toiletten geschlossen, Pferderennbahnen haben ihren Betrieb eingestellt und Angler können keine neuen Lizenzen beantragen. Besonders hart trifft es jedoch Alte, Alleinerziehende und Geringverdiener.

Hilfsorganisationen ohne Geld

So muss die achtfache Mutter Sonya Mills nun monatlich auf staatliche Unterstützung in Höhe von 3600 Dollar verzichten. Vor dem Zahlungsstopp versuchte Mills gerade wieder auf die Beine zu kommen, nachdem sie am 22. Mai bei einem schweren Tornado obdachlos geworden war. Jetzt hat sie ein neues Problem.

«Das ist wie ein Schneeballeffekt. Es ist, als stünde ich noch immer im Wind des Tornados», sagt die 36-Jährige. Sie arbeitet für eine Zeitarbeitsfirma, doch nach dem Verlust der Unterstützung zur Kinderbetreuung muss sie sich jetzt auch um ihre sechs Jüngsten im Alter von 3 bis 14 Jahren kümmern.

Auch Hilfsorganisationen, die sozial Schwache unterstützen, werden von der Zahlungsunfähigkeit des US-Staats hart getroffen. Einige mussten sofort schliessen, andere versuchen, ihren Betrieb wenigstens für einige weitere Tage aufrecht zu erhalten.

«Ich weiss, dass sich diese Leute das leisten können»

Die Abgeordneten aus Minnesota reisten am vergangenen Wochenende zunächst in ihre Wahlbezirke. Dort dürften sie auf erzürnte Bürger treffen, die eine Erklärung für den ideologisch geprägten Haushaltsstreit verlangen. Gouverneur Dayton besteht auf höheren Steuern für die Wohlhabenden. Die Republikaner fordern dagegen empfindliche Einschnitte bei den staatlichen Ausgaben.

Dayton gehört selbst zu den reichsten Bürgern von Minnesota und ist überzeugt, das die Wohlhabenden weitere Belastungen stemmen können. «Ich bin in diesem Milieu aufgewachsen. Ich weiss, dass sich diese Leute das leisten können», sagt er.

Der 64-Jährige strebt offenbar keine Wiederwahl an, was ihm eine starke Verhandlungsposition verleiht. «Ich unterschätze seine Entschlossenheit nicht», sagt der republikanische Senator Doug Magnus. «Die anderen Leute am Tisch denken an politische Dinge. Ich denke, der Gouverneur hat eine Amtszeit, seine Ideen umzusetzen - und das macht er jetzt.»

Dayton, der erste demokratische Gouverneur in Minnesota seit zwei Jahrzehnten, betonte in den Verhandlungen stets die Konsequenzen, die Kürzungen für die Schwächsten der Gesellschaft hätten: «Wir sollen die Zuschüsse für häusliche Pflege kürzen? Wir sollen Witwen ihre Versorgung zuhause verweigern? Nur damit Millionäre nicht einen Dollar mehr an Steuern zahlen müssen?»

Bundesweit kein Kompromiss in Sicht

US-Präsident Obama hat sich für die Haushaltsverhandlungen in Washington bereits mit Daytons Vokabular munitioniert. So zitiert er den Gouverneur von Minnesota regelmässig und fordert einen «ausgeglichenen Ansatz», um eine Mischung aus Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen als Kompromiss zu beschreiben.

Bislang haben die Republikaner auf Bundesebene jedoch jede Art von Steuererhöhung abgelehnt. Sollten sich Regierung und Kongress nicht bis zum 2. Oktober einigen und die Schuldenobergrenze anheben, droht das ganze Land stillzustehen wie nun Minnesota. (pbe/sda)

Erstellt: 04.07.2011, 22:34 Uhr

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