So läuft die Suche nach Brandopfern in Kalifornien

Die verheerenden Waldbrände sind noch nicht unter Kontrolle, über 1000 Menschen werden vermisst. Was die Rettung erschwert und warum Chaos herrscht.

Rund 1000 Vermisste nach Feuerkatastrophe in Kalifornien. (Reuters)

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Mindestens 63 Todesopfer, fast 10'000 zerstörte Häuser und knapp 57'000 Hektar verwüstetes Land: Die Waldbrände im Norden Kaliforniens haben sich zu den schlimmsten in den USA seit einem Jahrhundert entwickelt. Die Flammen loderten am Freitag weiter, mehr als 5000 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Zehntausende Menschen, die aus ihren Ortschaften fliehen mussten, können nicht auf eine rasche Rückkehr hoffen. Die Zahl der Vermissten hat sich sprunghaft auf über 1000 erhöht. Ein Überblick in fünf Fragen.

Warum ist die Zahl der Vermissten so sprunghaft angestiegen?

Ermittler haben erst am Donnerstag Notrufe auswerten können, die nach dem Ausbruch des Waldbrandes vor einer Woche eingegangen waren. Es habe ein «ausserordentliches Chaos» geherrscht, erklärte Sheriff Honea am Donnerstag. Der Washington Post zufolge betonte der Sheriff, dass die Vermisstenliste «dynamisch» sei – an manchen Tagen seien weniger Menschen darauf, an anderen mehr. «Meine Hoffnung ist, dass wir jeden berücksichtigt haben.» Zudem sagte Honea, viele Menschen wüssten offenbar gar nicht, dass sie auf der Vermisstenliste stünden und hätten sich noch nicht bei den Behörden gemeldet, um ihren Namen von der Liste streichen zu lassen. CNN berichtet, dass noch immer einige Namen doppelt auf der Vermisstenliste auftauchen. Ob es sich dabei um Doppelungen handelt oder um Vermisste, die zufällig den gleichen Namen tragen, ist unklar.

Woher stammen die meisten Vermissten?

Das sogenannte Camp-Feuer im Norden Kaliforniens hat die Kleinstadt Paradise und die benachbarte Gemeinde Concow vollständig zerstört. Die Flammen haben nur qualmende Ruinen, ausgebrannte Autos und Wohnwagen zurückgelassen. Aus dem Gebiet stammen auch die meisten Vermissten. Viele Opfer sind offenbar ältere Menschen. Das geht aus der Vermisstenliste hervor, die der Bezirk von Butte auf seiner Website veröffentlicht hat. Es wird vermutet, dass auch unter den namentlich noch nicht bekannten Toten viele Senioren sind. Offenbar konnten viele der Aufforderung, ihre Häuser zu verlassen, nicht schnell genug nachkommen – oder haben den Appell ignoriert.

Wie kommen die Suchtrupps voran?

Rettungskräfte, darunter auch Nationalgardisten und freiwillige Helfer suchen in den Trümmern zerstörter Häuser und ausgebrannter Autos nach Opfern. Über 400 Mitglieder kalifornischer Such- und Rettungsteams sowie 22 Leichenspürhunde sind im Einsatz. Das betroffene Gebiet ist sehr gross, es umfasst tausende niedergebrannte Häuser. Die Rettungsteams suchen daher gezielt an Orten, an denen Vermisste vermutet werden. Sheriff Honea sagte der Washington Post, das Feuer sei so heiss gewesen, dass es von einigen Todesopfern wahrscheinlich keine auffindbaren Überreste gebe. Zum Teil sei das Erdreich noch derart erhitzt, dass dort weder Menschen noch Suchhunde nach Opfern suchen könnten. Zudem seien selbst jene Suchhunde, die darauf spezialisiert sind, bei Bränden nach Menschen zu suchen, teilweise überfordert, weil auch zahlreiche Wildtiere und Haustiere in den Flammen zu Tode kamen.

Besteht noch Hoffnung, Überlebende zu finden?

Nicht dort, wo die Flammen gewütet haben. Sheriff Honea sagte: «Wir werden unsere Suche fortsetzen, aber irgendwann werden wir durch die Umstände zu dem Schluss kommen, dass die dann noch vermissten Menschen umgekommen sind.» Möglich ist hingegen, dass die Zahl der Vermissten wieder zurückgeht. Womöglich konnten sich einige von ihnen rechtzeitig vor dem Feuer in Sicherheit bringen, sind aber nicht erreichbar und wurden von Angehörigen deshalb als vermisst gemeldet. Das Mobilfunknetz in der Region funktioniert derzeit nur unzuverlässig. Die Behörden bitten darum, wieder aufgetauchte Vermisste sofort zu melden, um bei der Suche keine Ressourcen zu verschwenden.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Waldbrände sind noch nicht unter Kontrolle. Noch immer gilt für weite Teile des vom Camp-Fire verwüsteten Landstrichs die Evakuierungs-Order. 40 Prozent der Brandherde seien inzwischen unter Kontrolle, hiess es. Tausende Feuerwehrleute und Angehörige der Nationalgarde sind im Einsatz, um die Flammen im Norden und Süden Kaliforniens zu bekämpfen. DNA-Tests sollen helfen, die Opfer zu identifizieren. Viele der Menschen, die ihr Heim verloren haben, konnten kurzfristig bei Angehörigen oder anderen Anwohnern des Bezirks unterkommen. Nach offiziellen Angaben sind zehn Prozent aller Häuser im County verbrannt. Ein Mitarbeiter der Bezirksregierung sagte dem Sender CNN in Bezug auf die Wohnungsnot vieler Menschen: «Kurzfristig sind wir versorgt, langfristig nicht.» Am Samstag will US-Präsident Donald Trump nach Kalifornien reisen, um sich ein Bild von der Lage zu machen, Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown und dessen designierten Nachfolger Gavin Newsom sowie Bewohner zu treffen. Details der Reise und ob Trump unmittelbar ins Katastrophengebiet fährt, gab das Weisse Haus bisher nicht bekannt. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 17.11.2018, 19:55 Uhr

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