Streit unter Osama Bin Ladens Killern

Drei US-Soldaten drangen als Erste zu Osama Bin Laden vor. Doch wer von ihnen hat den Al-Qaida-Führer getötet? Im Gerangel um diese «Ehre» kommt es nun zum nächsten Höhepunkt.

Steht öffentlich zu seiner Vergangenheit als US-Elitesoldat: Robert O'Neill verwendet dieses Bild für seinen Twitter-Account. (Bild: Robert O'Neill/Twitter)

Steht öffentlich zu seiner Vergangenheit als US-Elitesoldat: Robert O'Neill verwendet dieses Bild für seinen Twitter-Account. (Bild: Robert O'Neill/Twitter)

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«Es geht nicht um den Mann, der geschossen hat. Es geht darum, was wir gemeinsam erreicht haben.» Mit diesen Worten soll das Team 6 der Spezialeinheit Navy Seals im Mai 2011 wenige Tage nach der Tötung Osama Bin Ladens US-Präsident Barack Obama rapportiert haben. Drei Jahre später gilt dieser Grundsatz offenbar nicht mehr. Unter den Beteiligten ist ein erbitterter Streit um die «Ehre» des tödlichen Schusses ausgebrochen.

Dessen nächster Höhepunkt steht am 11. und 12. November an. In einer zweiteiligen Dokumentation des Senders Fox wird dann ein Mann auftreten, der sich «Shooter» nennt. «The Man Who Killed Osama Bin Laden» erzählt darin dem Sender, dass er den Al-Qaida-Führer mit zwei Kopfschüssen getötet habe. Dies schreibt Fox in der Vorankündigung zur Sendung. In der Sendung wird der richtige Name des Soldaten nicht genannt werden.

Allerdings ist seine Tarnung diese Woche aufgeflogen: Sofrep, ein Webportal, das sich primär dem Thema US-Spezialeinheiten widmet, hat ihn als Robert O'Neill geoutet. Roberts Vater bestätigte die Geschichte inzwischen gegenüber der «Daily Mail». Sein Sohn sei enttäuscht über den Umgang der Navy Seals mit seinen Veteranen und habe sich deshalb entschieden zu reden. O'Neill hatte die Spezialeinheit nach 16 Jahren verlassen. Weil eigentlich eine Dienstzeit von 20 Jahren vorgesehen ist, soll er nicht die vollen Rentenleistungen erhalten.

«Point Man» wird nicht in einer Million Jahre sprechen

Bereits vor mehr als einem Jahr hatte der «Shooter» gegenüber dem Magazin «Esquire» ein erstes Mal über die Tötung Bin Ladens gesprochen. Es gilt als gesichert, dass er tatsächlich einer von drei US-Soldaten war, die zuerst in den Raum eindrangen, in dem sich Bin Laden aufhielt.

Schrieb ein Buch über seine Zeit bei den Navy Seals und die Tötung Osama Bin Ladens: Matt Bissonnette während eines Auftritts in der Sendung «60 Minutes».

Ebenfalls Teil dieses Trios war Matt Bissonnette. Vor zwei Jahren veröffentlichte er unter dem Pseudonym «Mark Owen» ein Buch über den Einsatz gegen Bin Laden – und wurde ebenfalls enttarnt. Gemäss Bissonnette war es nicht O'Neill, der den tödlichen Schuss abgefeuerte.

Diese Version stützt nun gegenüber CNN ein weiteres Mitglied des Einsatzteams. Es bezeichnet die Schilderungen O'Neills als «Blödsinn». Demnach war es der dritte Mann, genannt «Point Man», der Bin Laden erschoss. CNN sprach mit mehreren aktuellen und früheren Seals-Mitgliedern. Diese sagten übereinstimmend, dass «Point Man» nicht in «einer Million Jahre» über die damaligen Ereignisse sprechen werde.

Die Warnung der Führung

«Point Man» hält sich damit an die Vorgaben der Führung der Navy Seals. In einem Schreiben vom 31. Oktober 2014, das ebenfalls von Sofrep veröffentlicht wurde, warnt sie die Teammitglieder davor, über ihre Arbeit zu sprechen.

«Dient weiter mit Ehre, auf und neben dem Schlachtfeld»: Schlusssatz des Schreibens der Führung der Spezialeinheit. (Quelle: Sofrep)

Ein direkter Bezug auf die Fox-Sendung von Mitte November wird im Schreiben nicht gemacht. Der Hinweis ist aber deutlich: Man werde jeden juristisch verfolgen, der geheime Informationen weitergebe. Ein Leitspruch der Seals sei: «Ich prahle nicht mit meiner Arbeit und suche keine Anerkennung für meine Taten.» Dies gelte ein Leben lang, sowohl während als auch nach der Dienstzeit. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.11.2014, 11:16 Uhr

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