Transgender im Militär?

Political Correctness hat keinen Platz im Militär. Die amerikanische Aufregung um Transgender in Uniform ist jedoch übertrieben.

Soldaten müssen überwiegend auf Sieg fokussieren.

Soldaten müssen überwiegend auf Sieg fokussieren. Bild: Keystone

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Mit einem hohen Grad an Gereiztheit wird derzeit in den USA diskutiert, ob Transgender-Menschen Militärdienst leisten sollen. Donald Trump kündigte im Juli an, die US-Regierung akzeptiere oder erlaube nicht, dass «Transgender im US-Militär in irgendeiner Funktion dienen». Das Militär müsse überwiegend auf Sieg fokussieren und könne nicht belastet werden mit enormen Medizinkosten und Störungen, die Transgender in der Militärwelt mit sich bringen. Der Entscheid kam ziemlich genau ein Jahr, nachdem die US-Regierung unter Barack Obama die Armee für Transgender geöffnet hatte.

Gemäss New York Times (26.7.2017) ist das Verbot eine Antwort auf eine sich leise zusammenbrauende Frage: Soll der US-Steuerzahler für die Gender-Transition und Hormontherapie von dienstleistenden Transgender bezahlen?

Verbots-Befürworter argumentieren, das Militär sei kein soziales Experiment. Der Irak-Kriegsveteran und Autor J.R. Salzman schrieb auf Twitter, dass Menschen mit mentalen Problemen eine Belastung in der Armee seien, weil die Probleme sie ineffektiv für den Kampf machen: «Nun nehmen Sie jemanden, der verwirrt ist, ob er ein Mann oder eine Frau ist. Stellen Sie diese Person mit ihren psychologischen Problemen in eine stressvolle Umgebung wie ein Kriegsgebiet. Ihr eine spezielle Behandlung zu geben aufgrund ihrer Identität, das geht nicht.» Political Correctness habe keinen Platz im Militär.

Das scheint grundsätzlich logisch. Auf der anderen Seite aber ist die Behauptung, alle Transgender hätten mentale Probleme und seien deshalb militäruntauglich, eine Übersimplifizierung – Transgender sind nicht generell gestört in ihrer Psyche; sie sind einfach in einem falschen Körper geboren (Ich spreche hier nicht von der «Gender-fluiden»-Fraktion, die sich je nach Befindlichkeit ein eigenes Gender zulegt oder sich gar keiner Identität einordnen will). Die WHO erwägt sogar, «Transgenderidentitätsstörung» nicht mehr als «mentale Störung» zu klassifizieren – sondern als «Zustand verbunden mit sexueller Gesundheit». Kommt hinzu, dass bei allen Menschen familiäre Probleme wie Scheidung oder Sorgestreit, Selbstzweifel oder finanzielle Schwierigkeiten mentale Auswirkungen haben können bei Verhalten in Stresssituationen.

Keine spezielle Behandlung

In der Schweiz werden Transgender ganz normal in die Milizarmee integriert. Hubert Annen, Dozent für Militärpsychologie, sagt in einem Tages-Anzeiger-Interview: «Bei der Rekrutierung gibt es grundsätzliche Tauglichkeitskriterien, die sexuelle Ausrichtung, oder ob jemand Transgender ist, ist kein expliziter Bestandteil davon.» Transgender bekämen keine spezielle Behandlung, aber je nach Fall würde zusammen mit dem Vorgesetzten geschaut, ob eine individuelle Lösung – wie manchmal bei den Frauen – gefunden werden kann.

Laut einer vom Pentagon 2016 in Auftrag gegebenen Studie dienen bis zu 15'000 Transgender im US-Aktivdienst – von 1,3 Millionen insgesamt. Gemäss dem Bericht haben sie im US-Militär eine minimale Auswirkung auf operative Leistungsfähigkeit, Bereitschaft und Gesundheitskosten; Letztere steigen zwar von 2,4 Millionen auf 8,4 Millionen Dollar– das Budget für Gesundheitskosten im US-Militär beträgt aber geschätzte 50 Milliarden Dollar (41 Millionen gibt das Verteidigungsministerium jährlich für Viagra aus).

Die Antwort ist also eher eine pragmatische: Wer den Tauglichkeitstest besteht, sollte dienen dürfen. Alles andere ist Diskriminierung. (Basler Zeitung)

Erstellt: 17.08.2017, 15:24 Uhr

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