Trumps Bulldozer gegen das schrumpfende Mexiko-Problem

Donald Trump macht ernst mit seiner versprochenen Mauer zu Mexiko, obwohl die Zahl der illegalen Grenzübertritte auf einem 40-Jahre-Tief ist.

Bereit für den Spatenstich: Donald Trump nach der Unterzeichnung der «executive order» zum Bau der Mauer. Foto. Keystone

Bereit für den Spatenstich: Donald Trump nach der Unterzeichnung der «executive order» zum Bau der Mauer. Foto. Keystone

Gestern unternahm Donald Trump den ersten Schritt zum Bau seiner angekündigten Mauer zu Mexiko. Das von ihm unterzeichnete Dekret soll das Mammutprojekt auf Kurs bringen und damit die illegale Einwanderung sowie den Drogenhandel eindämmen. Trump sagte noch am Mittwoch dem Sender ABC: Schon in ein paar Monaten könnte es mit dem Bau losgehen, die Planungen begännen sofort.

Mit der Unterzeichnung ignoriert Trump weiterhin den Rat von Experten, die den Mauerbau als zwecklos bewerten. Selbst Trumps Minister für innere Sicherheit, John Kelly, äusserte sich bisher vorsichtig zum Thema: «Eine physische Barriere wird einzig aus sich heraus keine Abhilfe schaffen», sagte er vor dem Ausschuss für innere Sicherheit des Senats. Dabei ist es fraglich, ob es überhaupt eine derartige «Abhilfe» braucht: Die Anzahl aufgegriffener illegaler Migranten aus Mexiko ist so tief wie seit 40 Jahren nicht mehr. Das zeigen Zahlen der US-Grenzschutzbehörde.

Einwanderer aus Mexiko bildeten in den letzten Jahrzehnten anteilsmässig die grösste Einwanderungsgruppe in den USA. Seit den 2000er-Jahren allerdings sinkt die Anzahl Mexikaner, die illegal einreisen. Gar so weit, dass im Jahr 2014 erstmals mehr illegal eingereiste Nicht-Mexikaner als Mexikaner von der Grenzschutzbehörde registriert worden sind. Im Jahr 2000 wurden noch 1,7 Millionen Mexikaner beim Grenzübertritt erwischt, 2014 waren es nun noch 257’000 – so wenige wie seit 1971 nicht mehr. Dafür stieg seit 2010 die Anzahl illegaler Migranten aus anderen Ländern stetig an.

Als Grund für die sinkende Anzahl gilt die langsame Erholung der USA von der Wirtschaftskrise 2008 und damit verbunden die geringere Attraktivität des Arbeitsmarktes. Zusätzlich wurden Einwanderungsgesetze strikter umgesetzt, unter anderem auch innerhalb der USA, was zu einer Erhöhung von Ausschaffungen führte.

Entweder über die Mauer, oder unten durch

Der Bau der Mauer an der 3200 Kilometer langen Grenze zu Mexiko ist eines von Trumps zentralen Wahlkampfversprechen, das von seinen Anhängern mit Begeisterung aufgenommen wurde. Davon kann er nun kaum zurückweichen.

Schon heute bestehen bereits auf einem Drittel des Grenzverlaufs Barrieren. Ein Sammelsurium an unterschiedlichsten Mauertypologien und Zäunen hält Menschen, Fahrzeuge oder beides fern. Fast die Hälfte der Grenze verläuft entlang des Rio Grande, der Bau einer Mauer müsste also nicht den ganzen 3200 Kilometer Grenze folgen und beschränke sich laut Trump auf «lediglich» 1600 Kilometer.

Da die Grenze allerdings auch durch Naturschutzgebiete, über Farmland in Privatbesitz und auch durch ein Indianerreservat führt, müsste der Kongress Enteignungen durchführen. Selbst wenn man diesen juristischen und politischen Husarenritt auf sich nehmen wollte: Es würde lange dauern und sehr, sehr teuer werden.

Grenzschützer sind sich einig: Schutzwälle machen nur dort Sinn, wo viele Menschen leben. In Nordirlands Hauptstadt Belfast etwa haben die sogenannten Peace Walls gute Dienste beim Erhalt des Friedens zwischen Protestanten und Katholiken geleistet. Doch die Grenze zwischen Mexiko und den USA verläuft zu grossen Teilen durch dünn besiedeltes Gebiet.

Thad Bingel, ein ehemaliger Grenzoffizier, sagte gegenüber der «Washington Post»: «Über jede Mauer kann man rüber, unter jeder Mauer kann man durch.» Vielleicht gehen deswegen Trumps Vorstellungen teilweise ins Fantastische: Er sprach von einer Höhe zwischen 10 und 15 Metern – viel höher als die einstige Berliner Mauer (4 Meter), und auch höher als die Chinesische Mauer (5–8 Meter).

Als Material für die Mauer dachte Trump vorgefertigte Betonelemente an, und veranschlagte einen Preis von 8 Milliarden Dollar. Experten rechnen allerdings mit Kosten in Höhe eines zweistelligen Milliardenbetrags, wahrscheinlich mehr als 40 Milliarden Dollar. Auch das stoppt Trump nicht: Noch in diesem Jahr will er den ersten Spatenstich vollziehen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.01.2017, 16:13 Uhr

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