«Trump antwortete: ‹Mir egal, ich glaube Putin›»

Nach James Comeys Rauswurf rückte Andrew McCabe an die Spitze des FBI nach. In einem brisanten Interview sprach er über seine Zeit als FBI-Chef.

Bestätigt, dass Rod Rosenstein über eine Absetzung von Trump nachdachte: Ex-FBI-Interimschef Andrew McCabe. (Video: Tamedia/AFP/CBS)

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9. Mai 2017. US-Präsident Donald Trump entlässt FBI-Direktor James Comey. Damit bricht eine chaotische Zeit im US-Justizdepartement und im FBI an. Nach Comey rückt Vize-Direktor Andrew McCabe als Interimschef der Behörde nach, der sich in dieser chaotischen Zeit mehrmals mit dem stellvertretenden US-Justizminister Rod Rosenstein trifft. Am Sonntag hat McCabe erstmals in einem Interview mit der CBS-Sendung «60 Minutes» über diese Zeit gesprochen.

Demnach versuchte Trump auf ganz ähnliche Art und Weise Einfluss auf den FBI-Interimschef auszuüben, wie das Comey bei seiner Aussage vor dem US-Senat beschrieben hatte. Trump habe McCabe kurze Zeit nach Comeys Rauswurf ins Oval Office bestellt und ihm schadenfroh darüber berichtet. Dann habe ihm der US-Präsident erklärt, wie toll FBI-Mitarbeiter angeblich die Entlassung Comeys fänden, und offensichtlich um McCabes Loyalität geweibelt: «Ich habe gehört, Sie seien Teil des Widerstands (gegen Comey) gewesen», habe Trump suggeriert.

McCabe habe solche Einflussversuche zurückgewiesen: «Nein, das war ich nicht.» Die «überwältigende Mehrheit» der FBI-Mitarbeiter sei vom Rauswurf Comeys «schockiert» gewesen, schilderte McCabe seinen Eindruck im Interview. Ihm sei klar geworden, dass er die Russland-Untersuchung, die ihm nun direkt unterstellt war, unbedingt unabhängiger machen müsse für den Fall, dass auch ihm gekündet würde.

Trump wegen «Unfähigkeit» absetzen

Ganz ähnlich schätzte der stellvertretende Justizminister Rosenstein die Situation ein. Nachdem sich der damalige Justizminister Jeff Sessions in der Russland-Untersuchung für befangen erklärt hatte, fiel ja Rosenstein die Oberaufsicht über die Russland-Untersuchung zu. Letztlich war er es, der den Ex-FBI-Chef Robert Mueller als unabhängigen Sonderermittler einsetzte.

Zunächst habe Rosenstein aber andere Vorschläge gemacht. So wollte er seine Treffen mit Trump heimlich aufzeichnen. Entgegen früheren Behauptungen des Justizministeriums bestätigte McCabe im Interview Berichte der «New York Times», wonach es sich bei Rosensteins Vorschlag keinesfalls um einen Witz gehandelt habe. Was der Vize-Justizminister mit den Aufnahmen zu bezwecken hoffte, habe Rosenstein zwar nicht gesagt. Aber die Aufnahmen hätte wohl dazu gedient, «Beweise über Trumps Motiv für den Rauswurf Comeys zu sammeln», mutmasste McCabe im Interview.

Dann habe Rosenstein eine noch drastischere Massnahmen erwogen, so McCabe weiter. Rosenstein habe laut über eine Absetzung Trumps durch das Kabinett auf Grundlage des 25. Zusatzartikels der Verfassung nachgedacht. Auch dies war von US-Medien bereits berichtet worden. Der Vize-Justizminister habe sich bereits überlegt, «wie viele Kabinettsmitglieder solch ein Vorgehen unterstützen» würden, führte McCabe aus.

Dieser Artikel regelt die Nachfolge eines US-Präsidenten im Falle seines Todes, seines Rücktritts, seiner Amtsenthebung oder wegen Unfähigkeit. Demnach kann das Staatsoberhaupt auf Betreiben seines Kabinetts abgesetzt werden, wenn er «unfähig» ist, «die Pflichten und Vollmachten seines Amtes auszuüben». Kriterien für diese «Unfähigkeit» sind nicht definiert, gemeint sind generell physische oder mentale Beeinträchtigungen. Rosenstein sei «auf jeden Fall sehr besorgt über den Präsidenten, über seine Fähigkeit und sein Ziel zu diesem Zeitpunkt» gewesen, so McCabe.

«Putin sagte ihm, Nordkorea besitze keine solchen Raketen»

Auch in den Wochen danach habe Trump eine «komische Affinität» zu Russland an den Tag gelegt. Ein FBI-Mitarbeiter habe ihm nach einem Treffen mit dem US-Präsidenten gesagt, er habe eine Serie von zusammenhangslosen Tiraden losgelassen.

Bemerkenswert sind dabei die Aussagen des US-Präsidenten im Zusammenhang mit Nordkorea. «Trump glaubte nicht, dass Nordkorea die Fähigkeit besitzt, mit seinen Raketen das US-Festland zu erreichen», schilderte McCabe. «Und er glaubte es nicht, weil ihm Putin gesagt hatte, Nordkorea besitze keine solchen Raketen.»

Geheimdienstmitarbeiter hätten dem Präsident geantwortet, dass dies im Widerspruch zu allen Erkenntnissen der US-Geheimdienste stünde. «Und der Präsident antwortete: ‹Das ist mir egal, ich glaube Putin.›»

McCabe zeigte sich sehr beunruhigt von Trumps Aussage: «Das war einfach eine ganz verblüffende Aussage.» Die Geheimdienste würden viel Energie darin investieren, den Entscheidungsträgern mit soliden Informationen zu helfen. «Diese Ungläubigkeit und mangelnde Lernbereitschaft zu sehen, war schockierend», so McCabe.

Trump: Sie haben «einen sehr illegalen Akt» geplant

Rosenstein steht laut Medienberichten von Anfang Januar kurz vor der Ablösung. McCabe selbst war im März von Trump gefeuert worden. Der US-Präsident warf ihm Unaufrichtigkeit vor beim Umgang des FBI mit den Ermittlungen gegen Trumps Gegenkandidatin bei der Präsidentschaftswahl 2016, Hillary Clinton.

Der US-Präsident bezichtigte McCabe am Montag nach dem Interview der Lüge. «Wow, so viele Lügen des inzwischen in Ungnade gefallenen FBI-Direktor Andrew McCabe», so Trump auf Twitter. Es sehe so aus, als hätten McCabe und Rosenstein «einen sehr illegalen Akt» geplant und seien erwischt worden. Die zwei schuldeten Trumps Wählern eine Erklärung.

Auch der republikanische Senator Lindsey Graham stiess ins gleiche Horn – wenn auch etwas wortgewandter. McCabe beschuldige Rosenstein im Grunde «eines administrativen Coups, um den Präsidenten mit dem 25. Zusatzartikel zu beseitigen.» Doch Rosenstein bestreite das. Und so versprach Graham, der dem Senatsausschuss für Justiz vorsteht, eine Anhörung darüber zu halten, «wer die Wahrheit sagt und was tatsächlich passiert ist».

(mac/sda)

Erstellt: 18.02.2019, 16:34 Uhr

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