Wende in der «Climategate»-Affäre

Eine Untersuchungskommission im Aufsehen erregenden Streit um angeblich gefälschte Klimadaten kommt zum Schluss: Der US-Wissenschaftler Michael E. Mann habe seine Forschungsdaten nicht manipuliert.

«Die Ergebnisse der Kommission sollten den haltlosen Anschuldigungen mir und meiner Forschung gegenüber endlich ein Ende bereiten»: Forscher Michael Mann.

«Die Ergebnisse der Kommission sollten den haltlosen Anschuldigungen mir und meiner Forschung gegenüber endlich ein Ende bereiten»: Forscher Michael Mann.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Michael E. Mann hat ein paar happige Monate hinter sich. Der Klimaforscher geriet ins Visier von Untersuchungsbehörden und Klimaskeptikern, weil er in der sogenannten «Climategate»-Affäre angeblich Forschungsdaten manipuliert habe. Von diesem Vorwurf hat ihn eine Untersuchungskommission der Pennsylvania State University jetzt entlastet.

Die Anschuldigungen kamen auf, nachdem Hacker in einen Rechner der Universität von East Anglia in Grossbritannien eingedrungen waren und Tausende E-Mails von Klimaforschern ins Internet gestellt hatten, darunter auch etliche von Mann. In einer E-Mail an einen Kollegen hatte der Forscher von einem «Trick» gesprochen, den er angewandt hätte, um die Tatsache der globalen Erwärmung noch deutlicher zu zeigen.

«Konzentrierte Aktion»

Michael E. Mann gilt als Entdecker der «Hockeyschläger-Kurve», die den Verlauf der Temperatur der nördlichen Erdhalbkugel in den vergangenen tausend Jahren zeigt. Demnach hätten die Temperaturen seit dem Jahr 1000 nach und nach abgenommen, um dann von 1900 an stark anzusteigen. Nach der Veröffentlichung der E-Mails wurden Manns Ergebnisse von Klimaskeptikern durch den Dreck gezogen.

Im Mai 2010 eröffnete dann Kenneth Cucinelli, der Generalstaatsanwalt des US-Staates Virginia, in dem Mann sechs Jahre lang an der Universität gelehrt hatte, eine Untersuchung. Mann habe Daten manipuliert, um Fördergelder zu erschleichen, so der Vorwurf. «Der US-Kongress berät zurzeit neue Klimaschutzgesetze. Leugner der globalen Erwärmung versuchen deshalb, die Klimaforschung und ihre Ergebnisse zu diskreditieren», wehrte sich Mann in US-Medien. «Es wirkt wie eine konzertierte Aktion. Der Diebstahl der E-Mails war der Auftakt dazu.»

Keine Datenmanipulation

Klar ist, dass Mann weder Daten manipuliert noch zurückgehalten oder gelöscht hat. Zu diesem Schluss kommt die Untersuchungskommission in ihrem Bericht, nachdem sie unter anderem über 350 Files mit gestohlenen E-Mails untersucht hat. Der einzige Vorwurf, den die Kommission dem Klimaforscher macht, ist, wissenschaftliche Aufsätze verbreitet zu haben, bevor der Prozess der Begutachtung beendet war.

«Die Ergebnisse der Kommission sollten den haltlosen Anschuldigungen mir und meiner Forschung gegenüber endlich ein Ende bereiten», sagt Mann gegenüber US-Medien. «Ich bin froh, dass ich mich nun wieder auf meine Forschung konzentrieren kann.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.07.2010, 11:41 Uhr

Artikel zum Thema

Der Weltklimarat lässt sich überprüfen

Der IPCC hat nach fehlerhaften Aussagen im 4. Klimabericht und der harschen Kritik von verschiedenen angesehenen Forschern die Lehren gezogen. Nun soll eine unabhängige Qualitätskontrolle eingeführt werden. Mehr...

Recherchepanne beim Weltklimarat

Trotz hohem Qualitätsstandard gibt es im Uno-Weltklimarat IPCC Schwachstellen bei der Begutachtung wissenschaftlicher Arbeiten. Mehr...

Klimaskeptiker sind weniger kompetent

Wissenschaftler, die nicht daran glauben, dass der Mensch für den Klimawandel verantwortlich ist, publizieren weniger und werden seltener zitiert. Dies zeigt eine neue Studie. Mehr...

Kommentare

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Kultur für Kleine: In Dresden öffnet die erste Kinderbiennale in Europa. Anders als sonst im Museum, kann und darf hier selbst gestaltet und mitgemacht werden. (21. September 2018)
(Bild: Sebastian Kahnert/dpa) Mehr...