Wie die Demokraten 2020 auch den Senat gewinnen können

In zwei Jahren stehen wieder 33 Sitze der kleinen Kammer zur Wahl. Die Republikaner haben dann mehr zu verlieren.

Das bedeutet der Wahlausgang für Trump und die USA: Auslandschef Christof Münger in der Video-Analyse. (Video: Lea Koch und Anja Stadelmann)

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2020 tritt nicht nur Donald Trump zur Wiederwahl an, auch für 33 Senatoren endet die sechsjährige Amtszeit. 21 Republikaner und 12 Demokraten müssen sich dann Konkurrenten stellen. Die aktuellen Wahlen zeigen dabei auf, wohin der Weg geht.

Demokratische Senatoren hatten es in republikanischen Staaten schwer: Heidi Heitkamp (North Dakota), Claire McCaskill (Missouri) und Joe Donnelly (Indiana) scheiterten klar.

In West Virginia konnte Joe Manchin seinen Sitz nur halten, weil er Trumps Supreme-Court-Richter Brett Kavanaugh unterstützt hatte. Er war der einzige Abweichler seiner Partei und sicherte sich so seine Wiederwahl.

In Montana scheint sich Jon Tester knapp halten zu können, obwohl er sich gegen Kavanaugh stellte und sein Widersacher damit Wahlkampf machte. Gemäss aktuellen Hochrechnungen reicht es für den demokratischen Senator aber zur Wiederwahl, wobei die Auszählung in Montana noch läuft.

Bleibt Tester im Amt, können die Demokraten noch auf drei Senatoren aus tiefroten Staaten zählen – dazu gehört auch Doug Jones aus Alabama.

Drei der noch offenen Sitze gehen gemäss Hochrechnungen an die Republikaner – um den letzten läuft in Montana ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Umgekehrt musste der Republikaner Dean Heller in Nevada seinen Hut nehmen. Der Staat ist aktuell hauchdünn den Demokraten zuzuordnen. Es verbleiben somit zwei republikanische Senatoren aus blauen Staaten: Cory Gardner (Colorado) und Susan Collins (Maine). Beide müssen sich 2020 zur Wiederwahl stellen.

Collins ist seit 2001 Senatorin von Maine. Sie gilt als moderate Republikanerin, was ihr bisher die Wiederwahl mit bis zu 70 Prozent der Stimmen sicherte. Nachdem sie für Brett Kavanaugh gestimmt hatte, sanken ihre Zustimmungswerte aber auf 38 Prozent. Die Demokraten haben bereits einen Grossangriff auf ihren Sitz angekündigt.

Gardner wurde in Colorado erst 2014 gewählt, mit 1,9 Prozentpunkten Vorsprung auf den demokratischen Amtsinhaber. Er wird neben Collins das zweite Ziel der Demokraten sein.

Kaum noch gemischte Staaten

Die Demokraten müssen aber auch damit rechnen, dass Doug Jones in Alabama nicht wiedergewählt wird. Er setzte sich im Dezember 2017 in einer viel beachteten Ersatzwahl gegen Roy Moore durch. Der Sitz wurde frei, weil Senator Jeff Sessions von Donald Trump zum Justizminister berufen wurde. Jones gewann mit 50 Prozent der Stimmen, Moore erhielt 48,3 Prozent.

Die Wahl wurde als Wendepunkt gefeiert, die Euphorie wurde zumindest bei den aktuellen Senatswahlen gebremst. Im tiefroten Alabama ist Jones’ Sitz 2020 jedenfalls wieder stark gefährdet, wenn der Gegenkandidat nicht wie Roy Moore aus der erzkonservativen Ecke stammt.

Es zeichnet sich ab, dass die Staaten vermehrt zwei Senatoren aus dem gleichen politischen Lager nach Washington senden. Das ist heute bereits in 42 Staaten der Fall. Der Cook Partisan Voting Index errechnet für jeden Bundesstaat einen Index-Wert aus den Ergebnissen der letzten beiden Präsidentschaftswahlen und zeigt damit auf, ob ein Staat eher republikanisch oder demokratisch wählt.

Index zeigt Marschrichtung auf

Dieser Index stimmt derzeit gut mit der Sitzverteilung des Senats überein. 27 Bundesstaaten lehnen gemäss dem Index auf die republikanische Seite. Mit 53 republikanischen Senatoren entspricht das fast dem Kräfteverhältnis, das daraus erwartet würde. Zwar gibt es in diesen 27 Staaten noch vier demokratische Senatoren, was aber aufgehoben wird mit zwei republikanischen Senatoren in demokratischen Staaten und zwei in «grauen» Staaten, die derzeit unentschieden sind – Pennsylvania und Wisconsin.

Von ihren 53 Sitzen müssen die Republikaner in zwei Jahren deren 21 verteidigen. Wie dieses Jahr die Demokraten müssen sie dann also vor allem verteidigen. 16 ihrer Sitze befinden sich allerdings in Staaten, die gemäss dem Cook Partisan Voting Index derzeit eine solide republikanische Mehrheit aufweisen. Das würde bereits für 48 Sitze reichen. Holen sich die Republikaner den überraschend verlorenen Sitz aus Alabama zurück, wären es schon 49.

Die Demokraten müssten dann von den verbleibenden, eher umstrittenen 5 republikanischen Sitzen mindestens 4 auf ihre Seite reissen, um wenigstens ein Unentschieden zu erreichen. Bei einem Patt im Senat hat der Vizepräsident oder die Vizepräsidentin die entscheidende Stimme – wer immer das 2021 dann sein wird.


«Republikanische Allmacht in Washington beendet»

Im Repräsentantenhaus gibt es neu eine demokratische Mehrheit. Was das für Trump bedeutet, erklärt USA-Korrespondent Martin Kilian. (anf)

Erstellt: 08.11.2018, 19:36 Uhr

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