Ziemlich smart oder ziemlich teuer?

Trumps Plan einer Militärparade bringt Washington in Wallung – nicht unbedingt die Wähler.

Die letzte grosse Parade. Präsident Bush begrüsst General Schwarzkopf nach der Operation Desert Storm im Jahr 1991.

Die letzte grosse Parade. Präsident Bush begrüsst General Schwarzkopf nach der Operation Desert Storm im Jahr 1991.

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Die Planung für das Undenkbare ist bereits voll im Gang. Wie US-Verteidigungsminister James Mattis am Mittwoch bestätigte, stellt das Pentagon derzeit Optionen für eine Militärparade in Washington zusammen. «Wir werden sie dem Weissen Haus zur Entscheidung zuschicken.»

Während Politiker beider Parteien und Kommentatoren von links bis rechts die Paradenpläne umgehend verurteilten, hat der politische Chef der US-Streitkräfte keine Wahl: Er muss dem Auftrag des Präsidenten nachkommen. Und Oberbefehlshaber Donald Trump wünscht offenbar, dass die grösste Militärmacht der Welt durch Amerikas Hauptstadt paradiert. Womöglich schon am Nationalfeiertag des 4. Juli sollen nach Trumps Vorstellungen Truppen in Formation über die Pennsylvania Avenue marschieren. Schwere Kampfpanzer sollen rollen und Raketenwerfer hochrecken, während am Himmel Kampfflugzeuge fauchen.

Beeindruckt von Paris

«Wir kennen alle die Vorliebe und den Respekt des Präsidenten fürs Militär», untertrieb Mattis. Trump stellte sein Begehren offenbar an einem Treffen mit hohen Militärs am 18. Januar. Zweifellos erinnerte er sich bei dem Datum an seine Amtseinsetzung ein Jahr vorher: Schon damals hätte er angeblich gern Waffen und Uniformierte um sich geschart, als er den Weg vom Kapitol zum Weissen Haus abschritt.

Der Hang zum Militärischen ist bei Trump biografisch verwurzelt. Seit er als renitenter 13-Jähriger von den Eltern in das strikte Internat New York Military Academy geschickt wurde, wird Trump beim Anblick von Uniformen warm ums Herz. Er benutzte zwar ein medizinisches Gutachten dazu, nicht in den Vietnamkrieg geschickt zu werden. Doch bis heute achtet er hohe Militärs wie keine anderen Führungspersonen. Von Mattis über Sicherheitsberater H. R. McMaster bis zu Stabschef John Kelly besetzte Trump im Weissen Haus die allerwichtigsten Posten mit Generälen.

Angeblich hat ihn die französische Militärparade am vergangenen 14. Juli auf den Champs-Élysées schwer beeindruckt. Nach eigenen Angaben deutete Trump damals dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron an, er wolle ein ähnliches Spektakel in den USA abhalten.

Kritiker in Washington dachten in ihren ersten Reaktionen aber nicht an Frankreich, sondern an Moskau und Pyongyang, wo Diktator Kim Jong-un gestern eine der häufigen Grossparaden inszenierte (siehe Text unten). «Wenn autoritäre Regimes wie Russland und Nordkorea massive Militärparaden abhalten, heisst das nicht, dass wir das auch tun», schrieben zwei demokratische Abgeordnete in einem Brief an Mattis. «Selbstvertrauen ist still, und Unsicherheit ist laut», sagte auch der Republikaner Joe Kennedy, ein Senator aus Louisiana. «Amerika ist das mächtigste Land der Weltgeschichte, damit müssen wir nicht prahlen.»

Die letzte grosse Militärparade ging 1991 über Washingtons Strassen. Präsident George H. W. Bush liess damals die Befreiung Kuwaits im ersten Golfkrieg feiern. Seit dem amerikanischen Bürgerkrieg sind erfolgreiche Abschlüsse militärischer Kampagnen immer wieder mit Paraden gewürdigt worden, so auch nach den beiden Weltkriegen. Zurzeit stünden jedoch Zigtausende von US-Truppen weltweit in Einsatz, ohne dass sich Siege abzeichneten, argumentieren Trumps Gegner. Eine Parade wäre undemokratisch, denn sie würde sich nur um eine Person drehen: Donald Trump.

In die Defensive versetzt

Gegen eine martialische Demonstration sprechen für viele auch die Kosten. Die Parade von 1991 mit 8000 Soldaten und vielen teils schweren Waffen, die im Asphalt tiefe Furchen hinterliessen, kostete nicht weniger als zwölf Millionen Dollar. Eine solche Ausgabe sei «unangemessen und verschwenderisch», meint eine Gruppe demokratischer Senatoren.

Womöglich landet Trump mit einer Militärparade aber einen politischen Geniestreich. Dies glaubt Matt Latimer, ein früherer Redenschreiber von Präsident George W. Bush. Ähnlich wie bei den Themen der Flagge, der Nationalhymne und der angefeindeten Denkmäler könne Trump die politischen Gegner unbequem in die Defensive versetzen. Der Appell an Patriotismus erinnere die Wählerschaft daran, dass die politischen Eliten das Land und seine Errungenschaften zuweilen geringschätzten oder gar schlechtmachten.

Gleichzeitig erhalte Trump mit einer Militärparade Stunden kostenloser Sendezeit für sich und für die republikanische Partei, verbunden mit einer «willkommenen Ablenkung von der Russen-Untersuchung», schreibt Latimer. «Ziemlich smart.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 09.02.2018, 07:26 Uhr

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