«Zurückschlagen – mit allen Mitteln»

Linke Aktivisten und Trump-Unterstützer liefern sich in den USA Strassenschlachten. Mit dabei ist ein Phänomen, das man hierzulande nur zu gut kennt: der Schwarze Block.

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Wer zuerst zugeschlagen hat, ist für beide Seiten klar. Antifaschistische Aktivisten sprechen von «Selbstverteidigung» gegen Neonazi-Schläger, rechtskonservative Medien wie «Breitbart» geben «linken Anarchisten» die Schuld an den gewalttätigen Auseinandersetzungen in Berkeley, Kalifornien. Dort hatten sich Trump-Fans am Samstag im Rahmen einer landesweiten Aktion versammelt, um ihre Unterstützung für den Präsidenten zu verkünden.

Bevor der Marsch überhaupt starten konnte, brachen bereits Schlägereien zwischen den verfeindeten Lagern aus. Beide Seiten hatten sich vorbereitet: Einige Aktivisten trugen Helme und Gasmasken, hatten Baseballschläger und Schilde dabei. Die Trump-Unterstützer mit aufgemalten Amerika-Flaggen, die Trump-Gegner im bekannten Auftritt der militanten Antifaschisten: dem Schwarzen Block.

Mit Fäusten und Holzstöcken: Heftige Schlägereien zwischen Trump-Anhängern und -Gegnern in Berkeley (Video: Tamedia/Reuters).

Berkeley hat Erfahrung mit der Taktik des Black Bloc, wie er im Englischen genannt wird. Erst vor einem Monat führte ein Aufmarsch von rund 150 schwarz vermummten Aktivisten zum Abbruch des Auftritts des Rechtskonservativen und ehemaligen «Breitbart»-Journalisten Milo Yiannopoulos. Die Militanten schlugen Scheiben ein, warfen Molotowcocktails und prügelten sich mit der Polizei und Yiannopoulos-Unterstützern.

Der Begriff des Schwarzen Blocks bezeichnet aber keine einheitliche Gruppierung, sondern eine Taktik: Schwarze Kleidung und Gesichtsvermummung sollen die Identifizierung durch die Polizei und politische Gegner verhindern und den Eindruck einer homogenen Masse erwecken. Tatsächlich sind die Beteiligten an Schwarzen Blöcken oft Mitglieder verschiedener linker, autonomer und linksextremer Gruppen, die sich für spezifische Aktionen zusammenschliessen. Der Begriff geht laut Wikipedia auf eine Ermittlung der deutschen Bundesanwaltschaft gegen Militante wegen Mitgliedschaft in der terroristischen Vereinigung «Schwarzer Block» im Jahr 1981 zurück. Hierzulande taucht der Schwarze Block meist an 1.-Mai-Demonstrationen auf – grössere Strassenschlachten werden aber seit einigen Jahren durch massive Polizeipräsenz und Einkesselungen verhindert.

An der Universität in Berkeley kam es bereits im Februar zu heftigen Protesten. Grund dafür war ein geplanter Auftritt eines ultrarechten Bloggers (Video: Tamedia/Reuters).

In den USA ist die Taktik des Black Bloc seit den Neunzigerjahren bekannt und wurde in der im Zusammenhang mit Protesten rund um die Occupy-Wallstreet-Bewegung und Black Lives Matter angewendet. Seit der Wahl Donald Trumps haben die Black Blocs an Popularität gewonnen. An Demonstrationen gegen den Präsidenten im November randalierten schwarz vermummte Aktivisten in Portland, am Rande der Vereidigungsfeier Mitte Januar schlugen Mitglieder eines Schwarzen Blocks in Washington Schaufenster ein und lieferten sich Scharmützel mit der Polizei. Auch der Vermummte, der dem Vordenker der alternativen Rechten, Richard Spencer, gleichentags die Faust ins Gesicht schlug, soll Teil eines Black Blocs gewesen sein.

Gewalt als Gegenmittel zu Gewalt?

In Portland, Washington und Berkeley kaperten die schwarzen Gestalten ursprünglich friedliche Kundgebungen. Als Rechtfertigung dient ein Narrativ von «antisemitischem, antimuslimischem und rassistischem Terror», gegen den Widerstand geleistet werden muss, wie das anarchistische Portal «It’s Going Down» schreibt. «Die Ereignisse vom 4. März sollten allen eine Warnung sein, die soziale Veränderung wollen. Die alternative Rechte rottet sich zusammen.» Ein anarchistischer Aktivist der Gruppe Occupy Los Angeles Anti Social Media formuliert es gegenüber dem Magazin «Newsweek» so: «So wie die Sichtbarkeit des Faschismus gestiegen ist, ist der Widerstand sichtbarer geworden. Die Leute sollen wissen, dass es Menschen gibt, die zurückschlagen wollen – mit allen notwendigen Mitteln.»

Tatsächlich haben sogenannte Hate Crimes – verbale und tätliche Angriffe gegen Minderheiten – laut Zahlen des Southern Poverty Law Centre in den zehn Tagen nach der Wahl Trumps massiv zugenommen. Auch die Zahl der militanten Gruppierungen, die sich gegen Minderheiten richten, ist im letzten Jahr gegenüber 2015 stark angestiegen.

Ob gewalttätige Aktionen aber als Gegenmittel dienlich sind, ist fraglich. «Newsweek» zitiert eine Studie von 2015, die über 100 Widerstandskampagnen analysiert hat. Demnach führen Ausschreitungen zu geringerer Akzeptanz in der Gesellschaft und in der Folge zu geringerer Teilnahme an Widerstandsbewegungen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.03.2017, 14:34 Uhr

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