Alt-Right provoziert mit Aufmarsch in Washington

Genau ein Jahr nach den Gewaltexzessen von Charlottesville marschieren Amerikas Rechtsextreme wieder. Dieses Mal in der US-Hauptstadt.

Ein Riss geht durch die US-Gesellschaft: Die gewaltsamen Ausschreitungen in Charlottesville vor einem Jahr. Video: Reuters / Tamedia

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Es war der 12. August 2017, als Rechtsextremisten und Neonazis, «White supremacy»-Anhänger und andere Ultra-Rechte die Stadt Charlottesville im Bundesstaat Virginia heimsuchten. Die teils schwerbewaffneten Rechten lieferten sich Strassenschlachten mit Gegendemonstranten. Noch schlimmer war die Tat eines rechten Fanatikers, der mit seinem Auto in eine Menschengruppe raste und dabei eine Frau tötete. Ein Todesopfer und 33 Verletzte – das war die traurige Bilanz der «Unite the Right»-Demo in Charlottesville. Der rechtsextreme Terror hat die USA weiter gespalten.

Am kommenden Sonntag steht nun die Zweitauflage der umstrittenen Kundgebung «Vereinigt die Rechte» an. Wäre es nach den Plänen der Organisatoren um den Alt-Right-Aktivisten Jason Kessler gegangen, hätte die «Unite the Right 2» erneut in Charlottesville stattgefunden. Weil die Behörden die Demonstration nicht bewilligten, weichen die Rechten auf die Hauptstadt Washington aus. Die Demonstration führt zum Lafayette-Park in der Nachbarschaft des Weissen Hauses.

Keine Waffen und keine Hakenkreuz-Fahnen

Die Veranstalter der Alt-Right-Kundgebung sind offensichtlich bestrebt, einen guten Eindruck zu machen. Auf der Website von «Unite the Right 2» sind Verhaltensregeln aufgelistet. Beispielsweise sollen folgende Gegenstände nicht mitgebracht werden: Feuerwaffen, Pfeffersprays, Messer und andere Waffen, Schilder sowie nicht-erwünschte Flaggen.

Gemeint sind damit Fahnen mit Hakenkreuzen oder anderen Swastika-Symbolen. Sehr willkommen sind dagegen USA- und Konföderierten-Flaggen. Im Weiteren wird den Demonstranten empfohlen, nicht mit Medienleuten zu sprechen und sich nicht in Kämpfe verwickeln zu lassen. «Seid immer gute Repräsentanten für unsere Sache.»

Laut Organisator Kessler «geht es nicht um Hass gegen irgendjemanden», sondern um Unterstützung «für eine Rasse, die zur Minderheit wird». Die weissen Nationalisten fühlen sich angeblich bedroht. Sie sehen sich als Vertreter einer «weissen Bürgerrechtsbewegung». Rund 400 Teilnehmer hat Kessler für die Kundgebung im Lafayette-Park angemeldet. Wie viele tatsächlich erscheinen werden, ist nicht klar. Die Alt-Right-Bewegung wirkt zersplitterter als in den letzten zwei Jahren.

Ehemaliger Ku-Klux-Klan-Chef tritt als Redner auf

Gemäss einem Bericht der Newssite von «Richmond Times-Dispatch» soll Kessler sechs Ultrarechte als Redner eingeladen haben. Unter ihnen ist David Duke, einer der bekanntesten US-amerikanischen Neonazis. Der 68-jährige Verfechter weisser Herrschaft hatte in den 1970er-Jahren dem Ku-Klux-Klan angehört. Von 1974 bis 1978 war er Chef (Grand Wizard) der Organisation Knights of the Ku Klux Klan in Louisiana. Duke trat schon vor einem Jahr in Charlottesville als Redner auf. «Wir sind entschlossen, unser Land zurückzuerobern», sagte Duke in seiner Rede.

Die Bilder von Charlottesville, so etwa der Fackelmarsch samt antisemitischer Parolen und die blutigen Gewaltexzesse, sind vielen Amerikanern noch sehr präsent. Vor dem Aufmarsch der Ultrarechten in Washington ist die Stimmung angespannt, nachdem eine Gegendemonstration angekündigt worden ist.

Dazu aufgerufen hat ein Bündnis von linken und liberalen Aktivisten, Antifaschisten und «Black Lives Matter»-Anhängern. Sie treffen sich auf der Freedom Plaza östlich des Weissen Hauses. Die Behörden genehmigten die Gegendemonstration, um ein direktes Aufeinandertreffen mit den «Unite the Right 2»-Teilnehmern zu verhindern. Die Gegendemonstranten mobilisieren zurzeit in den sozialen Medien unter dem Hastag #ShutItDownDC.

Am letzten Samstag waren in der Westküstenstadt Portland Anhänger rechtsextremer Gruppen und linke Gegendemonstranten aneinandergeraten. Bei Krawallen bewarfen sie sich mit Flaschen und Steinen. Die rechtsextremen Gruppen Patriot Prayer und Proud Boys hatten zu einer Demonstration im Bundesstaat Oregon aufgerufen, um den Patriot-Prayer-Gründer Joey Gibson zu unterstützen. Gibson kandidiert für die republikanische Partei von Präsident Donald Trump für einen Sitz im US-Senat. Neben Gibson gibt es auch andere republikanische Politiker, die mehr oder weniger offen Kontakte zu nationalistischen und rassistischen Gruppierungen unterhalten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.08.2018, 20:44 Uhr

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