Der Präsident und das russische Geld

Was Putin gegen Trump in der Hand haben könnte. Ein Thriller aus der Realität.

Merkwürdige Männerfreundschaft. Donald Trump (links) und Wladimir Putin vergangene Woche in Helsinki.

Merkwürdige Männerfreundschaft. Donald Trump (links) und Wladimir Putin vergangene Woche in Helsinki. Bild: Keystone

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Anklagen wegen der möglichen Beeinflussung der letzten amerikanischen Präsidentschaftswahlen sind in den Schlagzeilen. Ein Witz im Vergleich zum realen Thriller, dem die Financial Times (FT) seit zwei Jahren mit grossem Rechercheaufwand auf den Spuren ist. Der Plot hört sich an, als hätte ihn John Le Carré entwickelt: Ein mässig begabter Geschäftsmann erbt ein kleines Immobilienimperium. Obwohl er ein guter Selbstvermarkter ist, legt er immer wieder Flops und Pleiten hin. Als nicht einmal mehr die Deutsche Bank Kredite gibt, kommt um die Jahrtausendwende eine neue Finanzierungsquelle wie gerufen.

Oligarchen wollen ihr Geld, das sie sich in den Wirren des Zusammenbruchs der UdSSR unter den Nagel gerissen haben, sicher im Westen anlegen, in Immobilien. Genau wie die Russen-Mafia. Damit sie das dürfen, müssen sie Kick-backs an die russischen Machthaber bezahlen. Sie sind froh, dass sie einen amerikanischen Immobilienhai gefunden haben, der seinen Namen ohne grosse Skrupel für vieles hingibt und sich nicht darum schert, wo das Geld herkommt, das in Projekte unter seinem Namen fliesst. Wie gross ist das allgemeine Erstaunen, als dieser Geschäftsmann zum Präsidenten der USA gewählt wird.

Der zwielichtige Mister Sater

Ist das Fiction, gut erfunden, das Drehbuch zu einem Hollywood-Knaller? Nein, noch besser, das ist Realität. Vor ziemlich genau einem Jahr enthüllte die FT, wie Donald Trump nicht nur in seinem Trump Tower in New York Apartments an russische Oligarchen verkaufte. Dabei bediente er sich der in diesem Tower hausenden Firma Bayrock und ihres zwielichtigen Vermittlers Felix Sater. Der gebürtige Russe verfügt über beste Beziehungen zum organisierten Verbrechen und zu russischen Oligarchen. Als Sater sich mit denen überwarf, diente er sich in den 90er-Jahren als Kronzeuge an, um einer langjährigen Gefängnisstrafe wegen seiner Verwicklung in Geldwäsche durch die Russen-Mafia zu entgehen.

Während Trump behauptet, Sater nur entfernt zu kennen, spricht dieser von einer engen Geschäftsbeziehung, auf seiner Visitenkarte ist er als «Senior Advisor» für Trump ausgewiesen. Inzwischen will Sater sein Wissen wieder den Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung stellen. Schon das könnte den amerikanischen Präsidenten schwer in die Bredouille bringen: Durch das Insider-Wissen des Kronzeugen Sater wird festgestellt, dass die Firma Bayrock als Waschmaschine für Oligarchen-Gelder diente. Bayrock hat in Projekte von Trump investiert. Gibt es Anlass zur Vermutung, dass Trump das wusste, ist er ein Täter, nach amerikanischen Gesetzen.

Nach einer zehnmonatigen Recherche hat die Financial Times nun noch ein weiteres Beispiel der Verwicklungen Trumps mit russischen Oligarchen-Geldern entdeckt, nach dem gleichen Muster. Diesmal geht es um das Trump International Hotel and Tower Toronto. Im Jahr 2007 klickten die Kameras, als Donald Trump mit einer goldenen Schaufel den ersten Spatenstich tat. An seiner Seite lächelte Alex Shnaider. Schon im zarten Alter von 36 Jahren konnte sich der in St. Petersburg geborene Shnaider Milliardär nennen. Seinen Aufstieg zu einem der reichsten Männer Kanadas hatte er seinem Schwiegervater und Mentor Boris Birshstein zu verdanken.

Eine Bereicherung russischer Machthaber

Birshstein hatte schon mit dem damaligen UdSSR-Chef Leonid Breschnew Geschäfte gemacht, und sein Beziehungsnetz war immer noch ausgezeichnet, als es darum ging, sich in den Wirren des Zusammenbruchs der Sowjetunion ehemalige Staatsbetriebe unter den Nagel zu reissen. Unter anderem half Birshstein seinem Schwiegersohn, das ukrainische Stahlwerk Zaporizstal zu kaufen. Der Wert dieser Beteiligung stieg in den nächsten fünf Jahren um das Zehnfache.

Als es aber zu Auseinandersetzungen zwischen der Ukraine und Russland kam, wurde Shnaider unter Druck gesetzt, seine Anteile zu verkaufen. Und zwar an Russland, wobei die Finanzierung des Deals von der Staatsbank VEB übernommen werden sollte. Damaliger Generaldirektor der Bank: Wladimir Putin. Als Druckmittel setzte Moskau ein, dass sonst Besitztümer von Shnaider und Birshstein in Russland in Gefahr geraten könnten, nationalisiert zu werden.

Und dann erhob sich natürlich noch die Frage eines Kick-backs. Denn selbstverständlich wollte Shnaider den Kaufpreis in Devisen und auch die Möglichkeit, die Einnahme von satten 850 Millionen Dollar ausführen zu dürfen. Das waren 160 Millionen mehr, als seiner Firma einer der reichsten ukrainischen Oligarchen geboten hatte. Davon wurden nach Recherchen der FT 100 Millionen an diejenigen bezahlt, die diesen Deal eingefädelt hatten. Also eine Bereicherung von russischen Machthabern auf Kosten der Staatsbank VEB und damit des russischen Steuerzahlers.

40 Millionen Dollar eingeschossen

Im April 2012 durchschnitt Donald Trump zur Eröffnung des Trump Toronto Tower das rote Band. An seiner Seite seine Kinder Ivanka, Donald Jr. und Eric. Sowie Alex Shnaider. Wie es sich für ein Trump-Projekt gehört, war der Bau des Wolkenkratzers mehrmals ins Schlingern geraten. Im Jahre 2010 schoss Shnaider nochmals 40 Millionen Dollar nach, damit der Bau fertiggestellt werden konnte.

Genau zu dieser Zeit flossen einige Millionen in die wie meist eher leeren Kassen Trumps und erfolgte die Zahlung von 100 Millionen im Zusammenhang mit der Erlaubnis, den Verkaufspreis des Stahlwerks ausser Landes schaffen zu dürfen. Wenn nun nachgewiesen wird, dass Shnaiders aus einem mit Bestechung verbundenen Deal stammendes Geld in den Trump Tower in Toronto floss und in die Taschen Trumps, dann hätte er Erlöse aus Straftaten erhalten und sich der Geldwäscherei schuldig gemacht.

Wie schon im Fall seiner Verbindungen mit Sater behauptet Trump, wenn er sich zu diesem Fall überhaupt äussert, dass er mit dem Bau und der Finanzierung des Trump Tower in Toronto eigentlich nichts zu tun gehabt habe, er habe lediglich seinen Namen und Management-Dienste in Lizenz vergeben. Dem widerspricht allerdings nicht nur, dass Trump diesen Bau damals als «Zeugnis für die Stärke des Brands Trump» bezeichnete und damals hinaustrompet, dass «die Leute gerne kaufen, was ich tue». Sein Sohn Donald Jr. sagte 2008 auf einer Immobilienhändlerkonferenz: «Russen machen einen überproportionalen Anteil an vielen unserer Vermögenswerte aus. Wir sehen viel Geld aus Russland hereinströmen.»

Trump war in russische Geldgeschäfte verwickelt

Der aktuelle amerikanische Präsident ist also in seiner Vergangenheit in diverse Geschäfte verwickelt gewesen, in denen es um Oligarchen-Gelder aus Russland, Geldwäscherei und Zahlung von Bestechungsgeldern an russische Machthaber ging. Und wo natürlich auch die russische Mafia ihre Finger im Spiel hatte.

So gehörte zu Birshsteins Partnern ein gewisser Sergei Mikhailov. Der galt als der Anführer des in den 2000er-Jahren mächtigsten Verbrechersyndikats Moskaus. Seine Geschäftsbeziehung mit Birshstein endete aber abrupt, als Mikhailov 1996 in der Schweiz unter dem Verdacht verhaftet wurde, Mitglied einer Verbrecherorganisation zu sein. Er verbrachte zwei Jahre in Untersuchungshaft, und obwohl in seinen Unterlagen Geschäftspapiere mit Zahlungen an Birshstein gefunden wurden, wurde nur er vor Gericht gestellt.

Als seine Gang Shnaiders Haus in Antwerpen überfiel, zog dieser es vor, seine Basis nach Toronto zu verlegen. Nach einem 15-tägigen Prozess, an dem 90 Zeugen aussagten, wobei ein wichtiger Zeuge zuvor in Amsterdam erschossen worden war, wurde Mikhailov nur eines minderen Vergehens für schuldig befunden und konnte den Gerichtssaal als freier Mann verlassen, begleitet von einer Genugtuungssumme wegen zu Unrecht erlittener Haft.

Knallharte Gesetze

Die wirklichen Probleme Trumps bestehen nicht in einer möglichen Unterstützung seines Wahlkampfs durch russische Agenten oder staatliche Organisationen. Sie bestehen auch nicht in seiner angeblichen Verwicklung in einen Sex-Skandal. Aufgrund dieser umfangreichen und wohldokumentierten Recherchen besteht das wirkliche Problem Trumps aus etwas Unfassbarem: Es gibt genügend Anlass zur Vermutung, dass der amerikanische Präsident aus seiner zwielichtigen Vergangenheit als Geschäftsmann mit dunklen Geldquellen von russischen Machthabern erpresst werden kann. Mit der Drohung, sonst Dokumente, Belege und Beweise vorzulegen, die eine Verwicklung von Trump in Geldwäscherei, Bestechung und durch unsaubere Machenschaften erworbene Geldströme nachweisen.

In dieser Beziehung sind die amerikanischen Gesetze knallhart. Schon Mitwisserschaft wird mit Mittäterschaft gleichgesetzt. Amtiert also das erste Mal in der amerikanischen Geschichte im Weissen Haus ein Präsident, der im Handeln gegenüber dem ewigen Erzfeind und Rivalen Russland nicht völlig frei ist? Die von amerikanischen Medien aufgedeckten Verwicklungen Trumps legen diesen Verdacht nahe und könnten die merkwürdige Männerfreundschaft erklären, die Trump mit Putin pflegt. Auf jeden Fall ist der Tweet, den Trump am 11. Januar 2017 absetzte, der wohl verlogenste, und das will etwas heissen: «Ich habe nichts mit Russland zu tun. Keine Deals, keine Kredite, einfach nichts.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 23.07.2018, 10:32 Uhr

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