«Ich habe eine Krankheit, aber ich habe keine Entschuldigung»

Unter Tränen hat der ehemalige US-Abgeordnete Anthony Weiner zugegeben, Sex-Nachrichten verschickt zu haben. Nun muss er möglicherweise ins Gefängnis.

Hat sich in Therapie begeben: Anthony Weiner verlässt das Gericht in New York. (19. Mai 2017)

Hat sich in Therapie begeben: Anthony Weiner verlässt das Gericht in New York. (19. Mai 2017) Bild: Timothy A. Clary/AFP

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Der frühere demokratische US-Abgeordnete Anthony Weiner hat eingestanden, einer 15-Jährigen Sex-Nachrichten geschickt zu haben. Vor Gericht bekannte sich Weiner am Freitag schuldig. Er muss sich damit als Sexualstraftäter registrieren und könnte theoretisch mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden. In einer Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft erklärte er aber, dass er bei einer Gefängnisstrafe von 21 bis 27 Monaten keine Berufung einlegen werde. Über das Strafmass wird in einer Anhörung im September entschieden.

Unter Tränen bat Weiner vor Gericht das Mädchen, mit dem er explizite Nachrichten ausgetauscht hatte, um Vergebung. «Ich habe eine Krankheit, aber ich habe keine Entschuldigung», sagte der 52-Jährige. Er habe gewusst, dass sein Handeln moralisch falsch und illegal gewesen sei.

Das FBI hatte im vergangenen September mit den Ermittlungen gegen Weiner begonnen, nachdem die 15-Jährige öffentlich gemacht hatte, dass sie und Weiner sich Nachrichten geschickt hatten. Ausserdem habe er sie gebeten, sich vor der Kamera auszuziehen, sagte das Mädchen aus.

Im US-Wahlkampf kochte die Affäre wieder hoch

Die Durchsuchung seines Laptops hatte auch Einfluss auf den US-Wahlkampf, denn Weiners getrennt lebende Frau Huma Abedin ist die rechte Hand von Hillary Clinton. Auf dem Rechner wurden damals alte E-Mails von Clinton an Abedin gefunden, die FBI-Chef James Comey unmittelbar vor der Wahl zu neuen –letztlich ergebnislosen –Ermittlungen in der E-Mail-Affäre um die Demokratin veranlassten. Die Ankündigung dieser neuen Untersuchung machte Clinton zum Teil für ihre Niederlage verantwortlich.

Weiner, der von 1999 bis 2011 im Kongress sass, hatte den Abgeordnetenposten aufgeben müssen, weil er Fotos seines Penis an andere Frauen geschickt hatte. 2013 versuchte er in Comeback und kandidierte als Bürgermeister von New York, doch im Wahlkampf wurde bekannt, dass er weiter solche Sex-SMS verschickte.

«Diese destruktiven Impulse haben unter meiner Familie und meinen Freunden grosse Verheerungen angerichtet und meinen Traum von einem Leben im Dienst der Öffentlichkeit zerstört», sagte Weiner vor Gericht. Im vergangenen Herbst habe er dann mit einer Therapie begonnen und erstmals begriffen, wie schlimm seine Krankheit sei. (thu/dapd)

Erstellt: 19.05.2017, 19:34 Uhr

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