Kugelsichere Jugendliche

US-Schulen versuchen sich gegen Massenschiessereien zu schützen – unter anderem mit einem kugelsicheren Rucksack.

Könnte Leben retten: Der Hersteller Alex Cejas präsentiert einen seiner kugelsicheren Rucksäcke.

Könnte Leben retten: Der Hersteller Alex Cejas präsentiert einen seiner kugelsicheren Rucksäcke. Bild: Charles Trainor/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Kette der Massenschiessereien in den USA reisst nicht ab, ohne dass sich in der Politik etwas bewegte. Statt schärfere Kontrollen für Schusswaffen zu verlangen, kommentieren US-Politiker Massenmorde wie kürzlich in Texas stets mit der Versicherung, sie seien mit ihren «Gebeten und Gedanken» bei den Opfern und deren Hinterbliebenen.

Wem das nicht reicht, der muss auf eigene Faust handeln wie etwa eine Privatschule in Miami. Laut einem Bericht des «Miami Herald» erlaubt die Florida Christian School neuerdings Eltern von Schülern auf der Webseite der Schule den Kauf kugelsicherer Einlagen für die Schulrucksäcke der Kinder. Die ein Pfund schwere Platte hat die Grösse einer Sammelmappe und kostet 120 Dollar.

Geschosse von Handfeuerwaffen können den Schutz nicht durchschlagen, gegen Gewehre aber ist die Einlage machtlos. George Gula, der Sicherheitsbeauftragte der Schule, sagte gegenüber dem «Miami Herald», er betrachte die kugelsichere Einlage als «ein Werkzeug». Es sei besser, sich auf «das Schlimmste» vorzubereiten, als im Nachhinein sagen zu müssen, «ich wünschte, wir hätten das gemacht».

Rucksack als Schutzschild

Zwar gab es auf dem von Sicherheitspersonal bewachten Campus der Florida Christian School noch nie einen Zwischenfall mit einer Schusswaffe, doch üben die Schüler regelmässig den Ernstfall. Dabei werden sie angeleitet, notfalls ihren Rucksack voller Bücher und Utensilien als Schutzschild zu benützen.

Zwei Kinder von Alex Cejas, dessen Firma kugelsichere Ausrüstungen herstellt und die Einlage entwickelte, besuchen die Florida Christian School. Cejas fragte an, ob Eltern auf der Schul-Webseite den Schutz bestellen dürften, worauf sich die Schule zur Mitarbeit bereit erklärte. «Bücher und anderes Zeug in einem Rucksack halten vielleicht eine Kugel auf, aber mein Leben möchte ich nicht darauf verwetten», sagte Cejas dem «Miami Herald».

Hatte bereits der Mord von elf Schülern 1999 in Columbine im Staat Colorado viele US-Schulen zu neuen Sicherheitsmassnahmen veranlasst, so explodierte die Nachfrage nach kugelsicheren Rucksäcken nach der Massenschiesserei an der Sandy-Hook-Schule im Staat Connecticut 2012. Dabei waren 20 Erstklässler sowie sechs Lehrer und Mitarbeiter der Schule erschossen worden. Der auf kugelsichere Ausrüstung spezialisierten US-Firma Bullet Blocker zufolge war der Absatz kugelsicherer Schulrucksäcke nach Sandy Hook von 20 auf rund 10’000 pro Woche angestiegen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.11.2017, 21:30 Uhr

Artikel zum Thema

Trump lädt Überlebende ins Weisse Haus ein

Drei Tage nach der Schiesserei in Las Vegas besuchte der US-Präsident Donald Trump die Stadt. Trump hat sich mit Ersthelfern, Betroffenen und den Behörden getroffen. Mehr...

Warum Waffenaktien von Attentaten profitieren

Nach der blutigsten Schiesserei in der US-Geschichte stiegen ausgerechnet die Aktien von Waffenherstellern an den Börsen markant an. Das hat makabre Gründe. Mehr...

26-jähriger Schütze gab Bibelunterricht

Video Aus Luftwaffe entlassen: Was über den Angreifer aus Texas bislang bekannt ist. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Hauslieferung: Der Weihnachtsbaum wird direkt zur First Lady Melania Trump und ihrem Sohn Barron Trump ins Weisse Haus geliefert. (20.November 2017)
(Bild: Carlos Barria) Mehr...