Le Pens PR-Coup im Trump Tower

Marine Le Pen traf in New York Donald Trumps Verbindungsmann zu Europas Rechtspopulisten. In der Heimat liegt die FN-Chefin in Wahlumfragen erstmals vorne.

«Privater Besuch» im Trump Tower in New York: Marine Le Pen beim Kaffeetrinken.

«Privater Besuch» im Trump Tower in New York: Marine Le Pen beim Kaffeetrinken. Bild: AFP

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Das Foto entstand am Donnerstag in einem Restaurant im New Yorker Trump Tower, wo der künftige US-Präsident noch residiert. Es zeigt Marine Le Pen, Chefin des Front National (FN), im Gespräch mit drei Männern. Kurze Zeit später verschwinden Le Pen und ihre Begleiter in einem Lift, wie der New-York-Korrespondent der Zeitung «Le Monde» berichtet. Das Foto von Le Pen im Trump Tower macht schnell die Runde auf Twitter. War die FN-Chefin für ein Gespräch mit Donald Trump nach New York gekommen?

Angeblich sollen sich Le Pen und Trump nicht getroffen haben. Ein Sprecher von Le Pen sagte, dass der Trip nach New York eine Privatreise sei. Ein Treffen mit Trump stünde nicht auf ihrer Agenda. Auch Sean Spicer, der designierte Mediensprecher des Weissen Hauses, betonte, dass kein Treffen zwischen Le Pen und Trump vereinbart worden sei. Im Übrigen seien Teile des Trump Tower für die Öffentlichkeit zugänglich.

Trumps «Türöffner» für Europas Rechte

Dennoch: Le Pens Trip nach New York war keinesfalls eine reine Privatreise. Einer der drei Männer, die mit der französischen Präsidentschaftskandidatin am Tisch sassen, war George «Guido» Lombardi, ein Immobilienunternehmer und seit über 30 Jahren ein Freund von Trump. Der italienischstämmige Lombardi ist quasi Nachbar von Trump. Denn er residiert in der 62. und 63. Etage des Trump Tower. Mehr noch: Lombardi gilt als Trumps Verbindungsmann zu den Rechtspopulisten in Europa.

Freund und Berater von Donald Trump: George «Guido» Lombardi in der Lobby des Trump Tower anlässlich des Treffens mit Marine Le Pen. Foto: AFP

Das US-Magazin «Politico» veröffentlichte im vergangenen Monat ein Porträt von Lombardi. Demnach ist Lombardi eine wichtige Figur im internationalen Netzwerk des Trump-Teams mit Kontakten zu den «Who’s Who» der europäischen Rechten. Darunter sind neben Le Pen auch der frühere Ukip-Chef Nigel Farage, der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban, der Chef der italienischen Lega Nord, Matteo Salvini, oder auch hochrangige Exponenten der österreichischen FPÖ. Lombardi, der vor 35 Jahren aus Italien in die USA eingewandert war, ist Mitglied der Lega Nord. In den USA steht er der Tea Party nahe. Lombardi fädelt auch Treffen mit Trump ein. Er gilt als «Türöffner» zu Trump.

Social-Media-Koordinator im Wahlkampf

Lombardi, der auch mit Silvio Berlusconi befreundet ist, hatte schon im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf eine wichtige Rolle gespielt. Dabei wirkte er für das Trump-Team als Koordinator der Aktivitäten auf Social Media. So entstanden verschiedenste Facebook-Gruppen, die sich für Trump starkmachten. Diese Supporterseiten trugen Namen wie «Bikers for Trump», «Latinos for Trump», «Women for Trump», «Christians for Trump» oder auch «Veterans for Trump». Bei einem Aufenthalt in Rom während des US-Wahlkampfs erzählte Lombardi dem «Corriere della Sera», dass er für über 500 Facebook-Gruppen verantwortlich sei, die mehrere Millionen Menschen erreichten.

Le Pen im Umfragehoch

Was Trump-Freund Lombardi mit FN-Chefin Le Pen am Donnerstag besprochen hat, ist nicht bekannt. Es ist allerdings kein Geheimnis, dass sich die Rechtspopulisten regelmässig austauschen, einander ideell und finanziell unterstützen und nicht zuletzt voneinander lernen, wie ein erfolgreicher Wahlkampf geführt werden muss. Le Pens Auftritt im Trump Tower war jedenfalls schon ein gelungener PR-Coup im Hinblick auf die französischen Präsidentschaftswahlen in knapp drei Monaten. Selbst wenn sie Trump nicht persönlich getroffen haben sollte, bringt der New-York-Trip für Le Pen viel öffentliche Aufmerksamkeit in der Heimat. Europas Rechtspopulisten surfen gerne auf der Trump-Welle. Nach dem Trump-Wahlsieg sind sie regelrecht euphorisiert.

Bei den kommenden Präsidentschaftswahlen wird die Chefin des FN neuesten Umfragen zufolge mit Sicherheit in die Stichwahl kommen. Die Wochenzeitung «Paris Match» veröffentlichte soeben eine Umfrage, wonach Le Pen im ersten Wahlgang am 23. April auf 26,5 Prozent der Stimmen kommt. 25 Prozent erhält der konservative Kandidat François Fillon, der jedoch in der Stichwahl am 7. Mai gewinnen würde. Allerdings: Bei Umfragen ist höchste Vorsicht geboten, wie die Brexit-Abstimmung in Grossbritannien und der Präsidentschaftswahlkampf in den USA gezeigt haben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.01.2017, 13:22 Uhr

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