Maduro sichert sich zweite Amtszeit

Bei der umstrittenen Präsidentschaftswahl kam der venezolanische Staatschef Nicolás Maduro auf knapp 68 Prozent der Stimmen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro ist wie erwartet im Amt bestätigt worden. Bei der umstrittenen Präsidentschaftswahl am Sonntag kam er nach Angaben des Wahlrats auf knapp 68 Prozent der Stimmen.

Während Maduro von einem «historischen Rekord» sprach, erklärten seine Herausforderer die Abstimmung für ungültig und verlangten Neuwahlen. Das wichtigste Oppositionsbündnis hatte den Urnengang boykottiert, die Beteiligung lag bei unter 50 Prozent.

Maduro landete laut offiziellem Ergebnis mit deutlichem Vorsprung vor seinen beiden Rivalen. Auf den sozialistischen Staatschef entfielen 5,8 Millionen Stimmen oder 67,7 Prozent, wie der Wahlrat (CNE) nach Auszählung fast aller Stimmzettel mitteilte. Sein Herausforderer Henri Falcón kam demnach auf 1,8 Millionen Stimmen oder 21,2 Prozent. Der evangelikale Prediger Javier Bertucci landete mit rund elf Prozent der Stimmen abgeschlagen auf dem dritten Platz.

Lässt sich feiern: Maduro wurde zum Wahlsieger in Venezuela erklärt. (Video: Tamedia/AFP)

Von geringer Wahlbeteiligung profitiert

Maduro sprach in einer ersten Reaktion von einem «Sieg des Volkes». Er feierte seine Wiederwahl für eine zweite sechsjährige Amtszeit als historischen Triumph. «Niemals zuvor hat ein Präsidentschaftskandidat 68 Prozent der Stimmen erhalten», sagte der 55-Jährige vor tausenden Anhängern in der Hauptstadt Caracas.

In den letzten Umfragen vor der Wahl hatte Herausforderer Falcón zwar noch auf Augenhöhe mit Maduro gelegen. Doch die geringe Wahlbeteiligung, die mit 46 Prozent den niedrigsten Wert seit 1958 erreichte, spielte Maduro in die Hände.

Zuvor hatte es in Kreisen der Behörde geheissen, sie liege bei rund 32 Prozent. Die Opposition sprach von weniger als 30 Prozent. Bei der Abstimmung im Jahr 2015 lag die Wahlbeteiligung bei 80 Prozent.

Falcón und Bertucci erkannten Maduros Sieg nicht an und verlangten eine Neuansetzung der Präsidentschaftswahl. «Wir erkennen diesen Wahlprozess nicht als gültig, nicht als wahr an», sagte Falcón noch vor Abschluss der Stimmauszählung. «Für uns gab es keine Wahlen», sagt er. Der Regierung warf er vor, Wähler unter Druck gesetzt zu haben.

Maduro hatte manchen Wählern eine Prämie für ihre Stimmabgabe in Aussicht gestellt. In Zelten der regierenden PSUV in der Nähe von Wahlbüros konnten sich Bürger am Sonntag in Listen eintragen. Das wichtigste Oppositionsbündnis MUD hatte die Wahl boykottiert.

Sanktionen angekündigt

Auch international gab es heftige Kritik an dem Urnengang, der ursprünglich für Dezember terminiert war. Die USA, die Europäische Union und zahlreiche Länder Lateinamerikas hatten gegen die Wahl protestiert, weil sie nicht demokratisch und frei sei.

US-Aussenminister Mike Pompeo sprach am Sonntag von «Scheinwahlen». Chile, Costa Rica und Panama erklärten, den Wahlsieg Maduros nicht anzuerkennen. Die Wiederwahl des ehemaligen Busfahrers und glühenden Anhängers des 2013 gestorbenen Präsidenten Hugo Chavez könnte eine Reihe internationaler Sanktionen nach sich ziehen. Die USA haben bereits entsprechende Schritte angekündigt.

Schon jetzt ist die wirtschaftliche Lage in dem Land katastrophal. Millionen Menschen hungern und leiden unter einer Hyperinflation von 14.000 Prozent. Die Landeswährung Bolivar verlor über das vergangene Jahr 99 Prozent ihres Wertes. Angesichts der humanitären Krise haben bereits Millionen Venezolaner das Land verlassen.

Unrechtmässige und unglaubwürdige Wahl

Im Vorfeld der Abstimmung hatten viele amerikanische und weitere Staaten Maduro aufgefordert, die Wahl zu verschieben. Das Votum sei unrechtmässig und es fehle an Glaubwürdigkeit, schrieben unter anderem Argentinien, Brasilien, Kanada, Chile, Mexiko, Peru, Spanien und die USA in einer gemeinsamen Erklärung. Sie behielten sich Schritte vor, sollte die Wahl wie geplant stattfinden, kündigten sie an.

Auch die EU hat bereits mit Strafmassnahmen gedroht, sollte die Wahl nicht fair verlaufen. Die europäischen Staaten hatten bereits im vergangenen Jahr wegen Menschenrechtsverletzungen Sanktionen gegen das südamerikanische Land verhängt.

Maduro macht einen von den USA angeführten Wirtschaftskrieg für die Misere verantwortlich. Kritiker sehen als Grund dafür jedoch Inkompetenz der Regierung, nicht funktionierende Währungskontrollen sowie Korruption. (chk/sda)

Erstellt: 21.05.2018, 15:11 Uhr

Update folgt...

Artikel zum Thema

Venezuelas Opposition boykottiert umstrittene Präsidentenwahl

Die Oppositionsbündnis MUD in Venezuela bezeichnet die Präsidentenwahl am 22. April als «illegitim» und will nicht daran teilnehmen. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Grenze der Hoffnung: Bauunternehmer verstärken die Mauer in San Diego, USA, weil in den vergangenen Wochen zahlreiche Migranten illegal den Zaun in Tijana, Mexiko überquert haben. (10. Dezember 2018)
(Bild: Rebecca Blackwell) Mehr...