Er krempelte das FBI um und ermittelt nun gegen Trump

Republikaner und Demokraten loben Robert Mueller für seine Integrität und Unabhängigkeit. Nun steht der 72-jährige frühere FBI-Direktor vor einer historischen Herausforderung.

«Ich finde nicht, dass das nötig war»: Der republikanische Abgeordnete Pete King ist nicht erfreut über die Sonderermittlungen. (Video: Tamedia/AFP)

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Robert Mueller übernahm die Spitze des FBI im Jahr 2001 in der Erwartung, Ermittlungen zu Drogenvergehen, Wirtschaftskriminalität und Gewaltverbrechen zu leiten – eine Woche später war der 11. September 2001.

Über Nacht änderte sich Muellers Mission. Die nächsten zwölf Jahre baute er die Behörde um, die Priorität in den Ermittlungen änderte sich von inländischer Verbrechensaufklärung zur Prävention von Terroranschlägen. Eine Mammutaufgabe: 2000 der 5000 Ermittler in der Kriminalabteilung des FBI wechselten unter ihm in die Nationale Sicherheit.

«Hätten wir mehr tun können?»

Dennoch fielen zwei weitere Terroranschläge in Muellers Amtszeit; der Angriff auf den Boston-Marathon sowie einen Amoklauf auf der Militärbasis Fort Hood. «Man sitzt zusammen mit den Familien der Opfer, sieht die Schmerzen, durch die sie gehen, und fragt sich, ob nicht mehr hätte getan werden können», sagte er in einem Interview 2013, kurz vor Ende seiner Amtszeit.

Der 72-Jährige wurde in New York City geboren und wuchs ausserhalb von Philadelphia auf. Als Marineoffizier führte er einen Fallschirmjägerzug in Vietnam an und wurde mit Auszeichnungen wie der Bronze Star Medal und dem Purple Heart geehrt. Als Bundesstaatsanwalt stieg er schnell auf. Später, an der Spitze der Kriminalabteilung des Justizministeriums, beaufsichtigte er aufsehenerregende Ermittlungen, etwa gegen den früheren Diktator in Panama, Manuel Noriega, oder den New Yorker Mafiaboss John Gotti.

Muellers neue Herausforderung

Auch als Chef des FBI war er dafür bekannt, in die Details von einzelnen Ermittlungen zu schauen. Er überraschte so manche Beamten, wenn sie mitten in ihren Nachforschungen plötzlich den Direktor am Telefon hatten.

Nun steht Mueller vor einer neuen Herausforderung inmitten historischer Ereignisse: Das Justizministerium hat ihn zum Sonderermittler ernannt, der möglichen Absprachen zwischen Russland und dem Trump-Team im vergangenen Jahr nachgehen soll. Gute Voraussetzungen scheint er zu haben: Republikaner und Demokraten loben ihn für seine Integrität und Unabhängigkeit. (chk/AP)

Erstellt: 18.05.2017, 05:02 Uhr

Mächtige Sonderermittler

Ein Sonderermittler geniesst im US-Justizsystem grosse Unabhängigkeit und umfassende Ermittlungsvollmachten. Diese besonderen Umstände machen den Sonderermittler zum Super-Ermittler: Er kann seine Arbeit ohne Rücksicht auf Vorgesetzte vorantreiben, weil er nicht der Hierarchie des Justizministeriums oder gar des Weissen Hauses unterstellt ist. Seine Unabhängigkeit bietet ihm sogar Schutz vor politischer Einflussnahme.

Der Sonderermittler muss den Minister nicht über jeden Schritt der Ermittlungen unterrichten. Bei diesen kann er sich auf Mitarbeiter seiner Wahl stützen. Er kann sich Dokumente und andere Beweisstücke vorlegen lassen und beim Ministerium Ressourcen für die Ausweitung seiner Ermittlungen anfordern. Bei entsprechenden Ergebnissen kann er die Fälle zur Anklage vor Gericht bringen. (sda)

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