«Russland um Hilfe bitten? Das ist so lächerlich»

US-Präsident Trump hat sich in einem Interview von Wladimir Putin distanziert. Kritisiert hat er aber vor allem seine Alliierten.

Will nicht viel Geld für den Klimaschutz ausgeben: Im Interview äussert sich Trump auch über den Klimawandel.

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Die Frage der Journalistin war klar: «Stimmen Sie zu, dass Wladimir Putin verwickelt ist in Morde? In Vergiftungen?» Die Antwort war fast so klar, zumindest wenn man bedenkt, wie sehr Donald Trump sich in der Regel windet, wenn es um den russischen Präsidenten geht: «Wahrscheinlich ist er das, ja. Wahrscheinlich», antwortete er in einem Interview mit dem US-Fernsehsender CBS. Aus dem Gespräch wurde nicht klar, welche Morde gemeint waren. Es dürfte aber sicher auch um den Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergei Skripal im britischen Salisbury gegangen sein. Die USA hatten danach in Solidarität mit den Briten mehrere russische Diplomaten ausgewiesen.

Wirklich betroffen von solchen Attacken zeigte sich Trump jedoch nicht. «Ich vertraue darauf, dass dies nicht in unserem Land geschieht.» Auf den Einwurf von CBS-Journalistin Lesley Stahl, dass solche Morde doch eine schreckliche Sache seien, antwortete Trump lahm: «Natürlich sollten sie das nicht tun.» Waffen statt Kissen und Decken

Stahl warf Trump vor, Putin immer zu schonen und sich öffentlich nie klar gegen ihn zu stellen, egal, was er tue. «Ich glaube, ich bin persönlich sehr streng mit ihm», entgegnete Trump. Sie wisse ja nicht, was er mit dem Kreml-Chef hinter verschlossenen Türen besprochen habe.

«Ich bin derjenige, der der Ukraine offensive Waffen und Panzerkiller geliefert hat», verteidigte er seinen Kurs. «Obama hat das nicht getan», kritisierte er seinen Vorgänger im Präsidentenamt, der die Ukraine nicht gegen Russland aufrüsten wollte. «Wissen sie, was er geschickt hat? Kissen und Decken.»

Hinter dem Entscheid, die Ukraine mit modernen amerikanischen Waffen auszurüsten, sehen Experten in erster Linie Verteidigungsminister Jim Mattis, über dessen Rücktritt Trump in dem Interview offen spekuliert hat. «Es könnte sein, dass er geht. Ich denke, er ist eine Art Demokrat, wenn Sie die Wahrheit wissen wollen.» Nur um dann zu relativieren: Der Verteidigungsminister sei ein guter Mann, doch irgendwann gehe jeder. «Jeder. Leute gehen. Das ist Washington.»

China sei das grössere Problem

Auf die Frage, ob sich Russland in die US-Präsidentenwahlen eingemischt habe, antwortete Trump: «Sie haben sich eingemischt, aber ich denke, China hat sich auch eingemischt. Und ich denke, China ist das grössere Problem.»

Dabei machte er deutlich, dass er die Untersuchungen zur Russlandaffäre letztlich unerträglich findet: «Glauben Sie wirklich, ich würde Russland bitten, mir bei einer Wahl zu helfen? Jetzt halten Sie mal die Luft an. Die wären überhaupt nicht in der Lage, mir zu helfen. Russland um Hilfe bitten. Das ist so lächerlich.»

Was Trump über Kim Jong-un, Putin und die Stimmung in Washington sagte: Das ganze Interview mit TV-Journalistin Lesley Stahl. (Video: CBS)

Nicht nur Trump hat es bisher vermieden, Putin persönlich anzugreifen. Der Kreml-Chef hält es im Gegenzug ähnlich. Experten gehen davon aus, dass die beiden Präsidenten einander schonen, um im Bedarfsfall bei einem bilateralen Treffen Männerfreundschaft zelebrieren zu können. So ähnlich, wie Trump es beim Gipfel mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un gemacht hat, zu dem er im Interview sagte: «Ich glaube er mag mich. Ich mag ihn.»

«Washington DC ist ein übler, übler Ort»

Weniger Nachsicht als mit Putin oder Kim zeigte der US-Präsident mit seinen Alliierten. «Niemand behandelt uns viel schlechter als die EU», schimpfte er. «Die EU wurde gegründet, um uns beim Handel auszunutzen, und das haben sie auch getan.»

Das sei eine feindselige Äusserung gegenüber Freunden, kritisierte die CBS-Journalistin. Doch Trump liess das nicht gelten: Die Art und Weise, wie die EU die USA behandle sei «feindselig». «Wir sind nicht feindselig.»

Noch weniger hatte Trump in dem Gespräch nur für die politische Klasse im eigenen Land übrig: «Ich bin kein Baby. Das ist ein hartes Business. Das ist ein übler Ort. Washington DC ist ein übler, übler Ort», erklärte der Präsident. «Aber ich fühle mich hier sehr wohl.» (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 15.10.2018, 16:41 Uhr

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