Trump junior mit Erinnerungslücken

Russland-Affäre: Ein jetzt publiziertes 2000-seitiges Dokument enthält brisante Details über ein geheimes Treffen im Trump-Tower.

«Ich weiss es nicht»: Donald Trump junior im Lift des Trump Towers in New York.

«Ich weiss es nicht»: Donald Trump junior im Lift des Trump Towers in New York. Bild: AFP

Neben Sonderermittler Robert Mueller untersuchen auch mehrere Ausschüsse des US-Kongresses die Affäre um Russlands Einmischung im Präsidentschaftswahlkampf 2016. Der Justizausschuss des US-Senats hat nun ein 2000-seitiges Dokument veröffentlicht, das detaillierte Einblicke liefert zu den Kontakten zwischen dem Wahlkampfteam von Donald Trump und mutmasslich Kreml-nahen Personen.

Das Dokument enthält auch das Protokoll der Anhörung von Donald Trump junior. Absolut Neues wird nicht bekannt, aber dafür jede Menge interessanter Details. Konkret geht es um das berühmt-berüchtigte Treffen vom 6. Juni 2016 im Trump Tower in New York.

Dass es überhaupt zu dem Treffen kam, lag an Rob Goldstone, einem obskuren Freund des Trump-Clans mit angeblich wichtigen Kontakten nach Russland. Goldstone hatte Trump junior ein Treffen mit der russischen Anwältin Natalia Weselnizkaja angeboten. Goldstone ist als Agent im Showbusiness tätig, so unter anderem als USA-Manager des russischen Popstars Emin Agalarow, der seinerseits Sohn des Moskauer Immobilienmagnaten Aras Agalarow ist. Agalarow gilt als «Russlands Donald Trump».

Video – Russland-Detail belastet Trump jr.


Zugegeben: Donald Trumps ältester Sohn hat ein russische Anwältin getroffen. (Video: Tamedia/AFP)

Bei dem Treffen im Trump Tower ging es, wie schon Recherchen der «New York Times» letztes Jahr zeigten, um «Dreck» über Trumps Präsidentschaftskontrahentin Hillary Clinton. Anwesend bei dem Treffen waren auch Trump-Schwiegersohn Jared Kushner und Trumps damaliger Kampagnenchef Paul Manafort, ebenso der russisch-amerikanische Lobbyist Rinat Achmetschin, der die russische Seite vertrat. Insgesamt acht Personen waren bei dem ominösen Meeting in New York dabei.

Trump-Team war bereit, Hilfe aus Russland anzunehmen

Die Untersuchung des US-Senatsausschusses kommt zum Schluss, dass das Trump-Team sehr interessiert war an kompromittierenden Informationen über Clinton. Und dass es sich bereit zeigte, Hilfe von einer «feindlichen ausländischen Regierung» anzunehmen, wie Dianne Feinstein, eine Senatorin der Demokraten, auf Twitter schreibt.

Wie die Dokumente des US-Senatsausschusses zeigen, hatte sich der Mittelsmann Goldstone bereit erklärt, ein Treffen zwischen Trump und Wladimir Putin zu arrangieren. Zu einem solchen Treffen kam es offensichtlich nicht. Überhaupt: Das Treffen im Trump Tower erwies sich für alle Beteiligten als grosse Enttäuschung. Zumindest geht dies aus den Befragungen der Senatoren hervor.

So sagte Trumps Sohn, dass sich die Informationen von Anwältin Weselnizkaja rasch als heisse Luft erwiesen hätten. Bei dem Treffen sei es nicht nur um den Wahlkampf gegangen, sondern vor allem um andere Themen wie den Magnitsky Act, ein US-Gesetz, das Sanktionen gegen Russen ermöglicht, sowie ein Verbot für US-Familien, russische Kinder zu adoptieren. Trump-Schwiegersohn Kushner habe wütend reagiert, gab Goldstone zu Protokoll. Auch Weselnizkaja zeigte sich enttäuscht nach dem Treffen.

Ob die Darstellungen der Meeting-Teilnehmer der Wahrheit entsprechen, bleibt offen. Tatsache ist, dass wenige Tage nach dem Treffen im Trump Tower die «Washington Post» die Nachricht vermeldete, dass russische Hacker in die Computer der Parteizentrale der Demokraten eingedrungen waren und Informationen gestohlen hatten. Ob es einen Zusammenhang gibt zum ominösen Meeting vom 6. Juni 2016 in New York, bleibt Spekulation. Dem Trump-Clan und seinen Wahlkampfhelfern wird Irreführung der Öffentlichkeit vorgeworfen.

Telefonanruf mit blockierter Nummer

Gemäss eigener Darstellung war Präsident Trump in keiner Weise in das amerikanisch-russische Treffen vom 6. Juni 2016 im Trump Tower eingebunden. Bei der Anhörung im Senat behauptete Trump Jr., er habe seinem Vater nichts von dem Treffen mit der russischen Delegation erzählt. Der Justizausschuss des Senats bezweifelt dies allerdings. Telefonaufzeichnungen von Trump Jr. belegen, dass es zu einem Telefonanruf mit einer blockierten Nummer gekommen war – und eine solche verwendet auch Präsident Trump. Trump Jr. sagte, er erinnere sich nicht mehr, ob es sich bei besagter blockierter Nummer um jene seines Vaters gehandelt habe. Auf Nachfrage zu den Inhalten des Telefongesprächs sagte er: «Ich weiss es nicht.»

Wie aus dem zusammenfassenden Bericht des Senatsausschusses hervorgeht, haben sich rund zwei Dutzend Zeugen einer Befragung verweigert. Zu diesen Personen gehören Trumps Ex-Sicherheitsberater Stephen Bannon, Hope Hicks, Ex-Direktorin der Kommunikation des Weissen Hauses, oder auch Ex-Anwalt Michael Cohen, der in anderen Zusammenhängen seit Tagen dauernd für Schlagzeilen sorgt. Von den acht Meetingsteilnehmern hat der Ausschuss nur fünf befragen können.

Der Justizausschuss, dessen Vorsitzender ein Republikaner ist, hält fest, dass wichtige Fragen zum Treffen im Trump Tower noch offen sind. Diese Fragen zu klären, gehört zu den Aufgaben von Robert Mueller, Sonderermittler in der Russland-Affäre.