Trump und sein sonderbarer Freund «Jim»

US-Präsident Donald Trump besucht Frankreich. Dabei hat er gelobt, niemals nach Paris zu kommen. Ein mysteriöser Freund hatte ihm davon abgeraten.

Wollte nie dahin, geht nun doch: Donald Trump mit seiner Frau Melania. Foto: Carolyn Kaster (Keystone)

Wollte nie dahin, geht nun doch: Donald Trump mit seiner Frau Melania. Foto: Carolyn Kaster (Keystone)

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Man weiss nicht viel über Donald Trumps Freund Jim, ausser, dass er ein «sehr, sehr echter Kerl ist». Und dass er ein Fan von Paris war, bevor muslimische Einwanderer und Terroristen die Stadt zugrunde gerichtet hätten. Unklar ist, ob Jim nun die Gelegenheit nutzt und in Trumps gepanzertem schwar­zem Ca­dil­lac, ge­nannt «The Beast», sicher durch das angeblich belagerte Paris fährt. Noch unklarer ist freilich, ob es diesen ominösen Jim überhaupt gibt – oder ob es sich nicht vielmehr um eine erfundene Person handelt, einen präsidialen Fake-Freund sozusagen.

Jahrelang sei Jim jeden Sommer nach Paris gereist, mit Frau und Familie, sagte Trump in einer Rede im Februar. Doch als er seinen Freund das letzte Mal nach der französischen Hauptstadt gefragte habe, habe Jim geantwortet: «Paris, dorthin gehe ich nicht mehr. Paris ist nicht länger Paris.» Nach dem dramatischen Zitat forderte Trump seine Zuhörer auf, wachsam zu sein. «Das dürfen wir bei uns nicht passieren lassen.»

Video: Trump über seinen Freud Jim

Seit diesem Auftritt wird gerätselt, wer denn dieser gescheiterte Frankreichliebhaber sein könnte. Der «New Yorker» hat auf seiner Spurensuche festgestellt, dass Trump auf Twitter keinem Jim folgt. Und alle realen Jims – von Schulkameraden über Golffreunde bis zu Verteidigungsminister Mattis – wollen es nicht gewesen sein. Dieser mysteriöse Jim sei wohl verwandt mit mexikanischen Vergewaltigern und schwedischen Terroristen, ätzt das Blatt.

Macron als Anti-Trump

So ist es überraschend, dass der US-Präsident nun doch in Frankreich ist. Viel Sehnsucht nach Präsident Emmanuel Macron dürfte er nicht gehabt haben, den hat er innert weniger als zwei Monaten schon viermal getroffen. Und eigentlich wäre es ihm sowieso lieber gewesen, die Franzosen hätten die rechtspopulistische Marine Le Pen zur Staatschefin gewählt. Der junge, im Gegensatz zu Trump in Europa umschwärmte Politiker hat dafür die US-Migrationspolitik scharf kritisiert und den Präsidenten mit seinen eigenen Waffen attackiert. Etwa mit einem künstlich verlängerten Händeschütteln, dem sogenannten Trumpshake, mit dem der Amerikaner selber regelmässig Freund und Feind beschämt.

Bilder: Trump vor seiner Frankreich-Reise

«Ich wurde gewählt, um die Bürger von Pittsburgh zu vertreten, nicht die von Paris», sagte der US-Präsident nach dem US-Rückzug aus dem Pariser Klimaabkommen Anfang Juni. Macron schlüpfte schlagfertig in die Rolle des Anti-Trump. In einer englischen Rede, in Frankreich ein Novum, lud er alle «verantwortungsvollen Bürger» und insbesondere amerikanische Wissenschaftler und Forscher nach Paris ein und schloss mit dem provokativ verdrehten Trump-Slogan: «Make our planet great again.» Jim ist von der Einladung wohl ausgenommen.

Parade statt Kaviar

US-Journalisten glauben, dass es die bombastische Militärparade zum französischen Nationalfeiertag war, dem 14 Juillet, die Trump alle angeblich in Frankreich lauernden Gefahren vergessen liess, und nicht etwa der russische Kaviar, den es beim heutigen Abendessen im Eiffelturm geben soll. Er wird morgen hinter einer kugelsicheren Glaswand verfolgen, wie französische und amerikanische Soldaten Seite an Seite über die Champs-Elysées marschieren, Dutzende Jets über den Triumphbogen fliegen, überall ein buntes Gemisch aus Pferden, Waffen, Flaggen. Da wird wohl selbst Jim warm ums Herz werden, falls er doch mitgereist ist.

Video: Trump und Macron im ersten Handshake

Eher kalt wird es den Franzosen, die Trump so wenig leiden können wie seinen Freund. Der französische Aussenminister hatte nach der Jim-Kritik ausrichten lassen, dass drei bis fünf Millionen Amerikaner das angebliche Terroristennest Paris jährlich besuchen, und die Bürgermeisterin von Paris tweetete ein Foto aus dem Disneyland – mit Mickey und Minnie Mouse. Dass ausgerechnet ihr nagelneuer Präsident den in ganz Europa ungeliebten Trump eingeladen hat und auch noch zum Nationalfeiertag, dem Tag der Freiheit, sorgt für Ärger. Morgen jährt sich zudem der Anschlag von Nizza, bei dem ein Attentäter mit einem Lastwagen in eine feiernde Menge fuhr und 86 Menschen tötete. Macron wird am Abend zu einer Gedenkfeier dorthin reisen, Trump und seinen Freund Jim hat er dazu nicht eingeladen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.07.2017, 14:04 Uhr

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