Trumps Gelder aus trüber Quelle

Der US-Präsident soll in seiner Zeit als Unternehmer an Geldwäsche beteiligt gewesen sein.

Das Trump International Hotel in Downtown Toronto, Kanada.

Das Trump International Hotel in Downtown Toronto, Kanada. Bild: Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Donald Trump Junior, der Sohn des US-Präsidenten, steht zurzeit wegen möglichen Russland-Kontakten in der Kritik. Die wirklichen Probleme seines Vaters mit Kontakten im Osten liegen allerdings woanders. Die Financial Times schaute kürzlich in einem aufwendig recherchierten Artikel in die trübe Vergangenheit von Donald Trump Senior als Immobilienhai zurück. Es ist allgemein bekannt, dass grosse Immobilienprojekte eine der vielen Möglichkeiten bieten, schmutziges Geld zu waschen. Das strömte ab Anfang der 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts in grossen Mengen aus dem zerfallenden Sowjetimperium in die USA, so auch in das Hotel Trump Soho in New York.

Um die ganze Dimension des Problems des amtierenden US-Präsidenten zu verstehen, braucht es etwas Hintergrund. Donald Trump hatte ein kleines Immobilienimperium von seinem Vater geerbt und Anfang dieses Jahrtausends mehrere Pleiten hingelegt. Aber befördert durch seine öffentliche Bekanntheit als «You are fired»-Boss in der TV-Serie «The Apprentice», verlegte sich Trump darauf, als neues Geschäftsmodell seinen Namen für Grossprojekte in Lizenz zu verkaufen. Geplant waren auch Überbauungen in Russland sowie das Verwenden russischer Gelder als Ersatz für ausbleibende Kredite von US-Banken, die immer zögerlicher gutes Geld schlechten Projekten hinterherwerfen wollten.

Wie aus einem Thriller

Als Vermittler für Oligarchengelder aus trüben Quellen diente die Firma Bayrock, die im 24. Stock des Trump Towers in New York residierte. Laut Financial Times unterzeichnete Trump im Jahre 2005 ein Schreiben, in dem er Bayrock die Exklusiv-Rechte überliess, in Moskau einen Trump Tower zu bauen. Daraus wurde nichts, aber anlässlich einer Immobilienmakler-Konferenz im Jahre 2008 sagte Donald Trump Jr., dass russische Quellen «einen überproportionalen Anteil an unseren Vermögenswerten haben», und fügte hinzu: «Wir sehen viel Geld aus Russland.» So haben Russen alleine in einen Trump Tower in Florida mehr als 100 Millionen Dollar investiert. Welche Russen, und woher haben sie das Geld?

Hier bekommt Präsident Trumps Problem einen Namen: Felix Slater. Ein aus Russland stammender und in den USA lebender Vermittler mit Verbindungen zum organisierten Verbrechen und zu Oligarchen aus dem ehemaligen Sowjetimperium. Insbesondere zum Clan von Wiktor Chrapunov, einem ehemaligen kasachischen Minister, der seit 2007 im Exil in Genf lebt. Chrapunov wird beschuldigt, in seiner Amtszeit als Energieminister und Bürgermeister der ehemaligen Hauptstadt Almaty rund 250 Millionen Dollar veruntreut zu haben. Er selbst weist diese Vorwürfe als haltlos zurück, steht allerdings zudem mit Mukhtar Ablyazov in Geschäftsbeziehungen und ist familiär mit dessen Clan verbandelt. Ablyazov ist ein kasachischer Oligarch, dem vorgeworfen wird, mehrere Milliarden Dollar von einer Bank gestohlen zu haben. Ablyazov lebt als «Dissident» in Frankreich, weist die Vorwürfe als politische Intrige gegen ihn zurück und konnte so seine Auslieferung an Kasachstan verhindern.

Eine komplizierte und schmutzige Geschichte wie aus einem Thriller von John Le Carré. Aber Felix Slater hat eine Vorgeschichte. Bereits in den 90er-Jahren arbeitete er als Kronzeuge für US-Behörden, um einer längeren Gefängnisstrafe wegen seinen Verwicklungen in Geldwäsche des organisierten Verbrechens zu entgehen. Anschliessend warf er sich ins Immobiliengeschäft und kam zu Bayrock, genau in dem Moment, als das ererbte Imperium von Donald Trump in gröbere Liquiditätsprobleme geriet. Worin besteht nun das Problem von US-Präsident Trump?

Auch in seiner neuen Karriere geriet Slater in Schwierigkeiten und überwarf sich mit Chrapunow und Ablyazov im Jahre 2013 anlässlich eines Streits über die Aufteilung des Gewinns aus einem 43-Millionen-Immobiliengeschäft in den USA. Um seine neuerlichen juristischen Probleme zu lösen, hat sich Slater bereit erklärt, wieder mit US-Behörden zusammenzuarbeiten und über seine früheren Geschäftspartner aus dem Wilden Osten auszupacken.

Entscheidend für Trump wird dabei sein, welche Kontakte zu Bayrock und Slater ihm nachgewiesen werden können. Trump verwendet bislang die Verteidigung, dass er nicht gewusst habe, wer genau hinter Bayrock stehe, woher Bayrocks Gelder kamen und dass Felix Slater nur ein «entfernter Bekannter» sei, den er nicht mal erkennen würde, «wenn er hier im Raum sässe», wie Trump 2013 bei einer Befragung angab. Slater selbst sieht das entschieden anders und spricht von einer engen Geschäftsbeziehung.

Echtes Problem für Trump

Die Geschichte hat das Potenzial, zu einem echten Problem für Trump zu werden. Aus drei Gründen: Es gibt einen Kronzeugen, der über umfangreiche Insiderkenntnisse verfügt. Die Strafverfolgungsbehörden der USA sind – im Gegensatz zu ihren Schweizer Kollegen, die nicht nur im Fall Behring kläglich versagten – dafür bekannt, sich gnadenlos in solche Fälle zu verbeissen. Und drittens gibt es Medien wie die Financial Times, die die Ressourcen und die Energie haben, mit eigenen Recherchen Licht ins Dunkel zu bringen.

Insgesamt laufen 75 Verfahren gegen den US-Präsidenten; in seiner vormaligen Karriere als Geschäftsmann waren er und seine Firmen in mehr als 4000 Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Als Amtsträger geniesst er zwar eine gewisse Immunität, ist aber nicht vollständig vor Strafverfahren geschützt. Diese Affäre kann durchaus zu einem «total desaster» werden, wie Trump das formulieren würde. Denn sobald in den USA das Wort «Geldwäsche» fällt, ist der Vorwurf der «conspiracy» (Verschwörung) nicht weit.

Das im Kampf gegen die Mafia erlassene RICO-Gesetz ermöglicht es den US-Strafverfolgungsbehörden, nachgewiesene (oder gar nur vermutete) Mitwisserschaft ohne weitere Beteiligung an einem Verbrechen so zu behandeln, als ob der Mitwisser selbst das Verbrechen begangen hätte. Schweizer Banken wissen seit dem Steuerstreit mit den USA ein Lied davon zu singen, es trug zu ihrer Kapitulation und der Abschaffung des Bankkundengeheimnisses wesentlich bei.

Aktuell kann es den US-Präsidenten schwer in die Bredouille bringen. Der Schlag kann so erfolgen: Durch das Insider-Wissen des Kronzeugen Slater wird festgestellt, dass die Firma Bayrock als Waschmaschine für Oligarchen-Gelder diente. Bayrock hat in Projekte von Trump investiert. Gibt es Anlass zur Vermutung, dass Trump das wusste, ist er ein Täter. (Basler Zeitung)

Erstellt: 14.07.2017, 10:08 Uhr

Artikel zum Thema

Diplomatischer Marathonläufer

Emmanuel Macron trifft sich in Paris zuerst mit Angela Merkel und gleich anschliessend mit Donald Trump. Mehr...

Die vage Hoffnung auf eine neue Freundschaft

Moskau erwartet die erste Begegnung zwischen Wladimir Putin und Donald Trump mit sehr gemischten Gefühlen. Mehr...

Warum die Hinterwäldler auf Trump setzten

«Hillbilly-Elegie» von J. D. Vance ist ein Buch, das erklärt, was viele nicht verstehen können. Mehr...

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Kommentare

Die Welt in Bildern

Wässern für die Kameras: First Lady Melania Trump posiert mit Giesskanne im Garten des Weissen Hauses in Washington DC. (22. September 2017)
(Bild: Michael Reynolds/EPA) Mehr...