Trumps Wirbelsturm-Propaganda

Hurrikan Florence wirft ein Licht auf Präsident Trumps Klimapolitik. Sie ist zur Handlangerin der fossilen Energiewirtschaft geworden.

Hat die Lage seiner Meinung nach im Griff: Donald Trump gibt Auskunft zu den Vorbereitungen seiner Regierung in Sachen Florence.

Hat die Lage seiner Meinung nach im Griff: Donald Trump gibt Auskunft zu den Vorbereitungen seiner Regierung in Sachen Florence. Bild: ZACH GIBSON/AFP

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Besorgt blickt US-Amerika auf den Wirbelsturm Florence, der am Freitagmorgen die Küste des Bundesstaats North Carolina erreichen wird und in der Region bis hinunter nach Georgia eine Katastrophe auslösen könnte. Millionen Amerikaner sind vor Florence geflüchtet, schon jetzt wird der erwartete Sachschaden auf viele Milliarden Dollar geschätzt.

Me­te­o­ro­lo­gen befürchten, der Hurrikan werde aufgrund mangelnder Steuerung durch Windströmungen womöglich mehrere Tage nahe der Küste zu North Carolina und South Carolina wüten. In seinem Gefolge könnte die Küstenregion mitsamt dem Hinterland durch sintflutartige Regenfälle überschwemmt werden.

Die Aussicht auf eine derartige Katastrophe hat neuerlich Kritik an Präsident Trumps Umwelt- und Klimapolitik entfacht. Erst im Mai hatten Forscher des National Center for Atmospheric Research (NCAR) in einer Studie nachgewiesen, dass die steigenden Temperaturen der Ozeane zunehmend regenreiche Wirbelstürme produzieren. Als Beispiel führten die Klimaforscher Hurrikan Harvey an, der im August 2017 Houston verwüstet und Sachschäden in Höhe von 125 Milliarden Dollar angerichtet hatte.

Bildstrecke: Florence im Anzug

Anstatt weiterzuziehen, hing Harvey tagelang über der texanischen Millionenstadt und setzte sie mit biblischen Regenmassen unter Wasser. «Harvey hätte ohne vom Menschen verursachten Klimawandel nicht so viel Regen produzieren können», lautete das Fazit der NCAR-Studie. Der Energiegehalt der Ozeane wachse, und dies sei «das stärkste Signal für die Erderwärmung», so Kevin Trenberth, einer der Autoren der Studie.

Präsident Trump bleibt indes unbeeindruckt von den Warnungen seiner Klimaforscher. Klimawandel sei «ein Schwindel», sagte Trump im Wahlkampf 2016. Nach seinem Amtsantritt ordnete der neue Präsident den Rückzug vom Pariser Klimaschutzabkommen an, bald begann die US-Umweltschutzbehörde EPA, Verordnungen zum Klimaschutz systematisch abzubauen. Ob Kohlendioxid-Emissionen von Fahrzeugen und Kohlekraftwerken oder das Abfackeln von Gasen bei der Ölförderung: Stets war die Regierung Trump der Wirtschaft zu Diensten, angeführt von einem Präsidenten, der die Rückkehr zur Kohle befürwortet.

Die EPA, einst von Präsident Nixon gegründet, fiel zusehends in die Hände von Lobbyisten aus der Energiewirtschaft. So wurde etwa am Dienstag bekannt, dass die Behörde an neuen Regeln arbeitet, die es der Öl- und Gasindustrie erleichtern würden, das Treibhausgas Methan in die Atmosphäre zu entlassen.

Katastrophenschutz ist unterbesetzt

Derweil die EPA zur Handlangerin der fossilen Energiewirtschaft wurde, präsentierte sich Trumps Katastrophenschutzbehörde Fema in schlechter Verfassung: Es fehlte an Personal und Expertise, als der Wirbelsturm Maria im September 2017 das karibische US-Territorium Puerto Rico verwüstete. Mindestens 3000 Menschen starben, die Elektrizitätsversorgung der Insel brach zusammen und wurde erst vor kurzem wieder völlig hergestellt.

Bei seiner Bestätigungsanhörung vor dem Senat im August räumte der neue stellvertretende Fema-Leiter Peter Gaynor ein, dass die Behörde unterbesetzt sei. Auch müsse mehr in die Ausbildung der Fema-Mitarbeiter investiert werden.

Präsident Trump bezeichnete die Reaktion seiner Administration auf die Katastrophe in Puerto Rico am Dienstag gleichwohl als «unglaublichen und unbesungenen Erfolg». Wenn Trump wirklich denke, der Tod von 3000 Menschen sei «ein Erfolg, dann steh Gott uns bei», twitterte daraufhin Carmen Cruz, die Bürgermeisterin von Puerto Ricos grösster Stadt San Juan. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 13.09.2018, 18:47 Uhr

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