Uruguay beklagt höhere Mordrate seit Cannabis-Legalisierung

Der schrumpfende Markt provoziert blutige Banden-Kämpfe. Die Regierung behauptet, sie habe diese einkalkuliert.

In 14 Apotheken in Uruguay legal erhältlich: Eine Packung Cannabis.

In 14 Apotheken in Uruguay legal erhältlich: Eine Packung Cannabis.

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Verglichen mit anderen lateinamerikanischen Staaten ist Uruguay so wohlhabend und sicher, dass es den Übernamen «Schweiz Südamerikas» trägt. In jüngster Zeit ist jedoch Uruguays Mordrate markant angestiegen: Im ersten Halbjahr 2018 ereigneten sich laut der NGO Fundapro 215 Morde, was verglichen mit der Vorjahresperiode einer Zunahme um 65 Prozent entspricht. Im Jahre 2017 wurden gemäss offiziellen Statistiken 283 Menschen ermordet.

Damit hat das 3,4 Millionen Einwohner zählende Uruguay eine Mordrate von gut 8 Fällen auf 100'000 Einwohner – eine Zahl, von der man in Ländern wie Brasilien oder Venezuela nur träumen kann, die aber für uruguayische Verhältnisse schockierend hoch ist. Die Schweiz hatte laut Weltbank 2015 eine Mordrate von 0,7 Fällen auf 100'000 Einwohner.

Der schrumpfende Markt provoziert Kämpfe

Auf den ersten Blick überraschend ist der Hauptgrund für die Zunahme der Mordfälle: Es ist die Haschischlegalisierung. Seit 2013 hat das kleine südamerikanische Land den Cannabiskonsum schrittweise entkriminalisiert, zur Bewunderung und unter dem Applaus eines grossen Teils der westlichen Öffentlichkeit, zumal der progressiven. Mittlerweile gibt es in Uruguay 14 Apotheken, in denen Cannabis legal erhältlich ist. 35'000 Personen haben sich registrieren lassen und können Marihuana auch selber anbauen oder in Kifferclubs legal konsumieren.

Die Legalisierung sollte die Gewalt eigentlich verhindern, statt sie anzuheizen.

Laut gängiger Meinung von Legalisierungsbefürwortern sollte die Massnahme dem organisierten Verbrechen die Einnahmen entziehen und die Gewalt verringern, statt sie anzuheizen. Schätzungen zufolge generiert Marihuana in Uruguay einen Jahresumsatz von 40 Millionen Dollar, von denen mittlerweile 10 Millionen durch den legalen Verkauf erzielt werden.

Marcos Baudean, der an einer privaten Universität forscht und unterrichtet, verfolgt die Auswirkungen der Haschischlegalisierung seit deren Beginn. In einem Gespräch mit der spanischen Zeitung «El País» sagte er: «Wenn so viel Geld in so kurzer Zeit aus dem illegalen Markt abfliesst, muss jemand den Schlag einstecken.»

Deutliche Zunahme der Morde in der «Schweiz Südamerikas»: Eines von vielen Opfern in Uruguay.

Die Auseinandersetzungen zwischen Gruppierungen des organisierten Verbrechens in bestimmten Aussenquartieren Montevideos, in denen sich der Drogenhandel abspielt, haben entsprechend zugenommen.» Mit anderen Worten: Der schrumpfende illegale Markt provoziert Rivalenkämpfe zwischen kriminellen Gruppierungen. Laut Sicherheitsbehörden wurden 2017 rund 45 Prozent aller in der Hauptstadt Montevideo begangenen Morde von untereinander rivalisierenden Drogengangs begangen.

«Erwartbare Konsequenz»

Ende Juli sagte der als Sicherheitsberater des Innenministeriums arbeitende Ricardo Fraiman laut «El País» an einer internationalen Sicherheitskonferenz, die Regierung habe den Anstieg der Mordrate von Anfang an als «erwartbare Konsequenz» der Cannabisfreigabe einkalkuliert.

Diesem Kalkül liegt die Annahme zugrunde, dass es sich um einen kurz- bis mittelfristigen Effekt handelt, der sich spätestens dann in sein Gegenteil verkehrt, wenn sich die Anpassungsturbulenzen auf dem Drogenmarkt und innerhalb des organisierten Verbrechens gelegt haben.

Sollte sich diese Hoffnung als illusorisch erweisen, könnte die öffentliche Stimmung irgendwann kippen – und eines der häufigsten Argumente zugunsten der Legalisierung verbotener Substanzen ins Zwielicht geraten. Noch steht Uruguays Bevölkerung laut Meinungsumfragen mehrheitlich hinter der Cannabisfreigabe, obwohl sie ob der vielen Bluttaten zunehmend alarmiert ist. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.08.2018, 19:13 Uhr

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